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Labore und Corona-Testzentren sind am Limit: Hunderte PCR-Tests täglich

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Von: Michelle Spillner

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Wer Gewissheit will, braucht Geduld: "Das Ergebnis eines PCR-Tests ist 24 bis 48 ab Laboreingang verfügbar", steht auf einem Schild am Eingangstresen des ASB-Testzentrums in der Silostraße. Weil die Labors überlastet sind, kann es aktuell sogar noch länger dauern.
Wer Gewissheit will, braucht Geduld: „Das Ergebnis eines PCR-Tests ist 24 bis 48 ab Laboreingang verfügbar“, steht auf einem Schild am Eingangstresen des ASB-Testzentrums in der Silostraße. Weil die Labors überlastet sind, kann es aktuell sogar noch länger dauern. © Michelle Spillner

Die Corona-Fallzahlen in Frankfurt explodieren. Damit steigt auch die Nachfrage nach PCR-Tests enorm. Die Labore kommen kaum hinterher.

Frankfurt – Den Beginn dieses Tages hat dieser Vater sich sicher anders vorgestellt: Im Montageanzug stapft er mit mürrischem Gesicht in Richtung des Eingangs des Testzentrums des ASB in der Silostraße in Frankfurt. Sein etwa zehn Jahre alter Sohn trottet mit hängenden Schultern hinterher. Klarer Fall: in der Schule positiv auf Corona getestet, da müssen Papa oder Mama alles stehen und liegen lassen, das Kind abholen und sind gehalten, unverzüglich einen PCR-Test machen zu lassen.

Bis das Ergebnis vorliegt, müssen die Mitschüler des Kindes täglich einen Schnelltest machen – ist der PCR-Test ihres Klassenkameraden positiv, sogar über einen Zeitraum von zwei Wochen. Im Idealfall liegt das Ergebnis 24 bis 48 Stunden nach Laboreingang vor. Geht der PCR-Test negativ aus, dann darf der „Verdachtsfall“ - so heißt es im Behördendeutsch - zurück in die Klasse, und die tägliche Testpflicht für die Mitschüler entfällt. Je schneller das Testergebnis da ist, desto besser ist es also für alle Beteiligten.

PCR-Test in Frankfurt: Analyse-Stau in Laboren wegen enormem Aufkommen

Doch je höher die Inzidenzen steigen, desto länger werden die Schlangen vor den Testzentren und die Wartezeiten auf die PCR-Testergebnisse. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen verzeichnet einen Zuwachs an PCR-Tests von 70 bis 80 Prozent, in den 15 Testzentren hessenweit wurden am Montag (17.01.2022) insgesamt 2800 PCR-Test durchgeführt, 800 davon in Frankfurt.

Beim ASB haben sich die PCR-Test-Zahlen gegenüber vor vier Wochen verfünffacht von 100 auf 500 am Montag in den sieben Testzentren in Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis. Beim Frankfurter Kinder- und Jugendarzt Burkhard Voigt gingen am Montag 820 Telefonanrufe ein: „Etwa 200 konnten wir beantworten.“ In „normalen Zeiten“ sind es 100 Anrufe am Tag: „Bei uns war die Hölle los.“

Die Labore arbeiten teils rund um die Uhr. „Manche Labore haben uns schon mitgeteilt, dass sie am Ende der Fahnenstange sind“, so ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen. Es gibt Analyse-Staus wegen hoher Testaufkommen, weil Personal fehlt, weil es Lieferprobleme von Untersuchungsmaterialien gibt oder auch, weil Geräte ohne Pause einfach heißlaufen.

PCR-Test auf Corona in Frankfurt: Größter Schwung beim ASB gleich morgens um 7

Vater und Sohn haben gestern Morgen Glück: kein Stau. Sie können direkt durchlaufen und sind keine fünf Minuten später wieder draußen. Der erste große Schwung beim ASB in der Silostraße ist zu diesem Zeitpunkt schon durch. Noch bevor um 7 Uhr geöffnet wird, stehen dort viele Handwerker Schlange. „Wir haben in der ersten Stunde bereits 40 Tests durchgeführt“, rechnet Lutz Kleinwächter, Referent für Sonderaufgaben beim ASB, zusammen.

Danach ist es ruhig. Mehr als drei Leute kommen nicht auf einmal. Auch der Schornsteinfeger gegen 9 Uhr kommt direkt dran. Die Situation könne sich aber jederzeit ändern. Da müssten nur drei Familien mit mehreren Kindern kommen, und schon gebe es eine Schlange, erläutert Kleinwächter. Oder der Drucker streikt, oder ein Kind braucht beim Testen Zuspruch, dann dauere es länger.

Omikron-Welle in Frankfurt: Manche warten stundenlang in der Kälte auf einen Test

Allgemeingültige Zahlen zu Wartezeiten gibt es nicht. Es gibt Berichte von Besuchern von Testzentren in der ganzen Stadt, die lange anstehen müssen, was für Ärger und Verdruss sorgt. Eine Mutter beklagt sich, dass sie Sorge hat, durch das Stehen in der Kälte eher eine Lungenentzündung als ein Testergebnis zu bekommen. Man muss sich warm anziehen - in doppeltem Sinne. Tatsächlich, wenn man sich in Stoßzeiten beim Warten in der Kälte nicht die Beine abfrieren will. Und im übertragenen Sinne, denn alle Beteiligten der Testverfahren kommen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Wann die Stoßzeiten sind, lässt sich nur bedingt abschätzen. Die Erfahrungen sind, dass es in Testzentren an industrienahen Standorten eher morgens voll wird, in der Frankfurter Innenstadt eher in der Zeit der Mittagspausen. Beim ASB plant man mehr Personal ein, wenn etwa ein Flohmarkt unter 2G-Plus-Regeln ansteht, wenn die Semesterfreien oder die Schulferien enden, samstags und auch montags vormittags. Da wird in den Schulen getestet, und die Zahl der Schüler mit positiven Schnelltestergebnissen steigt.

Corona in Frankfurt: Wer einen PCR-Test braucht, muss sich auf Wartezeiten einstellen

Wann ein guter Zeitpunkt für einen Besuch im Testzentrum sei, könne man deshalb schlecht sagen, stellt Thomas Müller-Witte, Geschäftsführer ASB-Regionalverband, dar und betont: „Jeder, der da steht, wird innerhalb einer vertretbaren Zeit getestet. Aber man muss inzwischen damit rechnen, dass man ein bisschen Zeit vor der Tür verbringt.“

Auf der Homepage zu den Testzentren weist der ASB darauf hin, dass man mit einer Wartezeit von bis zu 90 Minuten rechnen muss. 90 Minuten seien aber eher selten, so Müller-Witte. Die Strategie sei: Lieber 90 Minuten als schlimmsten Fall darstellen, dann freuten sich die Besucher, wenn sie nach 60 Minuten schon raus sind. (Michelle Spillner)

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