+
Knapp 27 000 Läufer gingen beim Frankfurt Marathon an den Start. Die Schnellsten liefen Zeiten unter 2:07 Stunden.

Mit Bilderstrecke

Hunderttausende kamen zum Frankfurt Marathon

Die einen schwitzten, die anderen froren. Dem teils eisigen Wind zum Trotz gingen am Sonntag 26 826 Läufer in verschiedenen Disziplinen beim Frankfurt Marathon an den Start. Ein neuer Rekord. Entsprechend mehr Zuschauer kamen aber nicht, um die Läufer anzufeuern.

Sabine Renk und ihre Kelkheimer Lauf-Freunde schauen in verbissene Gesichter. Dem Äthiopier Kelkile Gezahegn und dem Kenianer Martin Kosgey auf der Laufstrecke sieht man die 41 Kilometer kaum an, die die beiden Spitzenläufer des Frankfurt Marathons schon hinter sich haben. Nur Konzentration auf die verbleibenden 1 195 Meter ist ihnen anzusehen und bei diesem Ziel wollen die Kelkheimer sie unterstützen. In dicken Winterjacke stehen sie auf der Mainzer Landstraße nahe dem Platz der Republik im kalten Wind, feuern die Sportler an. Ihr Klatschen ist dumpf von den Handschuhen, ihre Trillerpfeifen dafür umso schriller. „Los, los, los“, ruft Renk. „So schnell könnte ich nicht mal Fahrrad fahren“, sagt eine ihrer Freundinnen.

„Sie werden unter zwei Stunden und zehn Minuten bleiben“, schätzt Renk nach einem schnellen Blick auf die Uhr. „Erstaunlich bei dem Wind.“ Ihre Freunde nicken, sie sind selbst Läufer, kennen sich aus. Mit etwas Erfahrung könne man nachvollziehen, wie schnell die Läufer die einzelnen Etappen laufen und mitfiebern, sagt Renk. „Das ist viel spannender als Sportler hinter der Zielgerade zusammenbrechen zu sehen.“ Außerdem: „An der Strecke kann man die Läufer unterstützen. Darum stehen wir hier in der Kälte.“

Das machen an der Mainzer Landstraße zwischen Alter Oper und dem Platz der Republik nur vereinzelt kleine Grüppchen. Dabei kommen die Läufer hier gleich viermal vorbei. Blaue Trillerpfeifen, die Ordner den wenigen Zuschauern händeweise entgegen geworfen hatten, liegen ungenutzt auf dem Gehweg. An den letzten paar Hundert Meter auf der Friedrich-Ebert-Anlage sieht es nicht viel besser aus. Auf manchen Metern sieht man hinter den Absperrzäunen nur alte Pullover und Plastiktüten, die die Läufer ausgezogen hatten, als sie richtig warm gelaufen waren. „So wenige Zuschauer waren es noch nie“, sagt Alain Wendling hinter seinem Bratwurststand. Seit 15 Jahren ist er immer an derselben Stelle vor dem PWC-Tower. Heute habe er nur ein Drittel von dem verkauft, was er üblicherweise über den Thresen reicht. „Vielleicht liegt es am Wetter, vielleicht an der Wahl“, mutmaßt Wendling. Ungefähr 400 000 Zuschauer hat es an die Laufstrecke gezogen. 350 000 waren es 2017 und da gab es eine Sturmwarnung.

Lukas Abele fand die Stimmung trotzdem gut. Er lief die ersten 12,9 Kilometer der Marathonstrecke, ehe er den Staffelstab an einen Arbeitskollegen weitergab. Manchmal habe er sogar eine Gänsehaut bekommen, wenn die Stimmung besonders gut war. „Dann läuft sich der nächste Kilometer praktisch von allein“, sagt er. Das macht die Zuschauer zu einem so wichtigen Faktor bei einem Marathon.

Darum gibt es an der Strecke an insgesamt 90 Stellen kleine Feste, Sportmoderatoren und Musikbands, wie die Sola Quente Samba-Reggae Gruppe aus Schwalmstadt. Zum zweiten mal stehen sie an der Bolongarostraße in Höchst, um die Läufer mit ihren Rythmen noch einmal anzutreiben, bevor diese auf die lange Mainzer Landstraße einbiegen und dann quer durch Griesheim immer geradeaus laufen. „Solche langen Geraden ziehen sich unglaublich für die Läufer“, sagt Renk. „Das ist ein Schwachpunkt dieses Marathons.“

Auch wenn die Zuschauer nicht übermäßig zahlreich waren. Bei den Teilnehmerzahlen hat der Marathon einen Rekord aufgestellt. Insgesamt 26 826 Läufer quer durch alle Disziplinen sind angetreten. Dazu zählt etwa der Staffellauf oder der „Mini-Marathon“, bei dem 2300 Schüler zwischen acht und 16 Jahren 4,2 Kilometer liefen. Für die volle Strecke von 42,195 Kilometer gingen 13 934 Läuferinnen und Läufer an den Start.

Die schnellsten waren Kelkile Gezahegn und Martin Kosgey mit den konzentrieren Gesichtsausdrücken. Mit einer Zeit von 2:06:36 Stunden läuft Gezahegn als Erster unter tosendem Applaus in der Festhalle durchs Ziel, fünf Sekunden später folgt Kosgey und die beiden Gewinner fallen sich in die Arme. Sie blieben unter Zwei Stunden und zehn Minuten. Renk behielt damit recht. Sie wird weiter Läufer anfeuern. „Denn jeder, der hier mitläuft, verdient Respekt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare