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Hungrig allein zuhaus

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Von: Brigitte Degelmann

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Marianne Burger bekam Essen auf Rädern von der Awo. Die kann sie nicht mehr beliefern, weil sie keine Fahrer findet. FOTO: leonhard hamerski
Marianne Burger bekam Essen auf Rädern von der Awo. Die kann sie nicht mehr beliefern, weil sie keine Fahrer findet. © Leonhard Hamerski

Liefer-Service "Essen auf Rädern" wegen Fahrermangels stark reduzieren

Frankfurt -Für den Ostersonntag hat der Dienst "Essen auf Rädern" der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (Awo) ein besonderes Angebot geplant: Die Nutzer können wählen zwischen einer Lammkeule mit Bohnen und Kartoffeln oder einer Hirseschnitte mit Tomatensoße, Kartoffelpüree und Salat, zum Nachtisch gibt es Eis und einen Osterhasen. Ein Menü, das auch die alleinstehende Marianne Burger (Name von der Redaktion geändert) gerne essen würde.

Bis Ende Februar hatte sie den Service in Anspruch genommen. Dann teilte ihr die Awo mit, dass man sie nicht mehr beliefern könne - aufgrund eines Mangels an Fahrern. Sehr zum Bedauern der 77-Jährigen, die an der Lungenkrankheit COPD leidet und deshalb ihre Wohnung nicht mehr verlassen kann: "Ich war mit dem Essen immer zufrieden." Inzwischen habe sie auch von anderen gehört, dass die Awo sie nicht mehr mit Mahlzeiten versorgen könne.

Awo-Vorstandsreferent Eduard Szekeres bestätigt: "Wir kriegen nicht genügend Fahrer und können deshalb nicht mehr alle Kunden beliefern. Das ist auch für uns sehr schade und tut uns sehr leid." Die Chauffeure, welche die Mahlzeiten ausliefern, sind als Minijobber tätig. In den Hochphasen der Corona-Pandemie reduzierte sich die Zahl dieser Beschäftigungsverhältnisse - auch deshalb, weil in der Gastronomie und Veranstaltungsbranche zahlreiche Jobs wegbrachen. Entsprechend gefragt seien die Fahrertätigkeiten bei der Awo gewesen, erinnert sich Szekeres. Auch Beschäftigte, die in Kurzarbeit waren, seien damals gekommen. Nun aber normalisiert sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Und auch um die Minijobber konkurrieren mittlerweile deutlich mehr Firmen als noch vor einem Jahr. "Wir finden kaum noch Rentner oder Studenten, die das machen wollen", sagt der Awo-Vorstandsreferent und seufzt. Schließlich müsse man in diesem Bereich auch am Wochenende und an Feiertagen arbeiten, was viele abschrecke. Wie viele Kunden von "Essen auf Rädern" die Awo deshalb nicht mehr versorgen kann, möchte Szekeres nicht verraten. Nur so viel: "Wenn es wieder geht, werden wir die Kunden gerne wieder beliefern."

Dass sich im Bereich Minijobs einiges tut, bestätigt Christiane Krüger, Pressesprecherin der deutschlandweit tätigen Minijob-Zentrale in Bochum: "Da ist viel in Bewegung." Vor allem Reinigungskräfte würden gesucht, aber auch in anderen Branchen herrsche Bedarf.

Marianne Burger hat sich inzwischen einen anderen Anbieter für den "Essen-auf-Rädern"-Service gesucht. Doch das sei gar nicht so einfach gewesen, erzählt sie: "Das Angebot ist unglaublich dürftig." Abgesehen von der Awo habe sie in einer Broschüre des Frankfurter Seniorenbeirates nur vier Lieferanten gefunden. Einer davon sei lediglich in bestimmten Stadtteilen tätig, nicht jedoch in Bockenheim, wo sie wohnt. Sich selbst Mahlzeiten zuzubereiten, das komme für sie leider nicht in Frage. "Das schaffe ich nicht mehr", sagt die 77-Jährige, die wegen ihrer Krankheit auf ein Sauerstoffgerät angewiesen ist.

Seniorenbeirat hörte noch keine Klagen

Klagen darüber, dass das Angebot in Sachen "Essen auf Rädern" zu gering sein könnte, seien ihr bisher noch nicht zu Ohren gekommen, erklärt hingegen die Vorsitzende des Frankfurter Seniorenbeirates, Renate Sterzel. Sie wisse nur, dass etliche Menschen Vorbehalte gegenüber diesem Service hätten, weil sie meinten, dass die Mahlzeiten auf Dauer zu einseitig seien. "Viele Menschen, die noch ein bisschen beweglich sind, bereiten sich deshalb lieber Fertigmahlzeiten zu und schneiden sich dann noch ein bisschen was rein", erklärt Sterzel. Und sie verspricht: "Ich behalte das Thema auf dem Schirm". Brigitte Degelmann

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