Im Rotlichtmilieu gelten strengere Regeln.
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Im Rotlichtmilieu gelten strengere Regeln.

Prostitution in Frankfurt

Der „Hurenpass“ ist beliebter als gedacht

  • Daniel Gräber
    VonDaniel Gräber
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Seit gut einem Jahr müssen sich Prostituierte bei der Stadt anmelden, um ihrem Gewerbe legal nachzugehen. Trotz aller Querelen im Vorhinein funktioniert die neue Regelung erstaunlich reibungslos. Nur mit männlichen Prostituierten gibt es Probleme.

Der Start des Prostituiertenschutzgesetzes verlief ziemlich holprig. Es trat bundesweit am 1. Juli 2017 in Kraft, doch in Frankfurt wussten die städtischen Behörden monatelang nicht, wie sie die Neuregelungen umsetzen sollen und welches Amt dafür zuständig sein soll. Sie warteten auf Vorgaben des Landes. Doch inzwischen klappt das Zusammenspiel zwischen Gesundheits- und Ordnungsamt reibungslos. Zumindest stellen dies die zuständigen Dezernenten Stefan Majer (Grüne) und Markus Frank (CDU) so dar.

Anmeldung 50 Euro

Kern des neuen Gesetzes ist eine Anmeldepflicht für Prostituierte. Wer Sexdienste legal anbieten will, braucht eine Anmeldebescheinigung des Ordnungsamts. Eine Gebühr von 50 Euro ist dafür fällig. Zehn Euro mehr kostest es, wenn nicht der richtige Name, sondern ein Pseudonym darauf stehen soll. Voraussetzung für die Anmeldung ist ein vorangegangenes Beratungsgespräch im Gesundheitsamt.

Rund 2000 Frauen arbeiten in Frankfurt einer Schätzung des Gesundheitsamts zufolge als Prostituierte. 1658 haben sich bis gestern beim Ordnungsamt angemeldet. Die meisten von ihnen haben die rumänische Staatsangehörigkeit, gefolgt von der bulgarischen und der deutschen. Der „Hurenpass“ ist beliebter als gedacht. Als die Registrierung Ende 2017 in Frankfurt mit Verspätung begann, ging die Behörde noch davon aus, dass sich nur 500 bis 700 Personen registrieren lassen werden.

Besonders erfreulich aus Sicht des Ordnungsamtes: Die Rückmeldungen der Prostituierten seien fast ausschließlich positiv. Die Termine in den Ämtern würden nicht als Gängelei oder Schikane empfunden. „Besonders das Beratungsgespräch wird ausdrücklich gelobt, da hier aus einer Pflicht schnell ein Angebot wird, das weiterhilft“, teilen die Stadträte Majer und Frank in einer gemeinsamen Zwischenbilanz mit. Beide Dezernenten seien sich einig, dass „gerade mit einer reibungslosen Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und Ordnungsamt die öffentlich sehr vehement vorgetragenen Bedenken gegen die gesetzlich vorgeschriebenen Beratungen und Bescheinigungen widerlegt werden konnten.“

Verein bleibt bei Kritik

Der Frankfurter Prostituiertenverein Doña Carmen hält seine Kritik an der Anmeldepflicht dennoch aufrecht. Das neue Gesetz führe „zu einer Verringerung des Angebots sexueller Dienstleistungen und zu einer Illegalisierung von Sexarbeit“, schreibt der Verein zur Einjahresbilanz.

Die Anmeldezahlen sprechen allerdings gegen diesen Vorwurf – so weit er die weiblichen Prostituierten betrifft. Bei ihren männlichen Kollegen sind es anders aus. Von den geschätzt rund 800 Callboys und Strichjungen haben sich bisher nur 32 im Ordnungsamt registrieren lassen. „Woran das liegt, wissen wir nicht“, sagt ein Amtssprecher auf Nachfrage.

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