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"Ich glaube, die Versorgung ist gesichert"

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Von: Thomas Remlein

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Manche müssten sich für den nächsten Winter auf enorm steigende Energiekosten einstellen, sagt Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding.
Manche müssten sich für den nächsten Winter auf enorm steigende Energiekosten einstellen, sagt Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding. © Enrico Sauda

Wie wirkt sich der Ukraine-Krieg auf Gas und Kosten für Mieter aus? ABG-Geschäftsführer Frank Junker erklärt's.

Etwa jeder siebte Frankfurter wohnt in einer Wohnung des städtischen Wohnungsbaukonzerns ABG Holding. Die weitaus meisten der rund 54 000 Wohnungen werden mit Gas beheizt. Mit dem ABG-Geschäftsführer Frank Junker sprach FNP-Redakteur Thomas Remlein über die Versorgungssicherheit.

Wegen des Ukraine-Krieges sorgen sich möglicherweise auch die Mieter der ABG Holding um ihr warmes Zuhause. Haben Sie diesbezüglich schon Anrufe gekriegt?

Nein. Ich kann die Besorgnis aber verstehen. Das ist eine dramatische Lage, und wir wissen alle nicht, wie sich die weiter entwickelt. Ich kann die Mieter der ABG aber beruhigen. Das Thema Energiekosten haben wir relativ gut im Griff.

Hat die ABG eine feste Heizperiode?

Nein, das kennt man nur aus der Vergangenheit, dass vom 1. Oktober bis 31. März die Heizung angestellt wird. Die Heizungen sind alle Außentemperatur-gesteuert und wenn es kalt wird, geht die Heizung an. Und wenn es warm wird, geht die Heizung wieder aus.

Die ABG Holding hat rund 54 000 Wohnungen. Wie viele von ihnen werden mit Gas beheizt? Wie viele mit Öl?

Ölheizungen haben wir so gut wie gar keine mehr. Es gibt noch zwei Liegenschaften, die mit Öl beheizt werden. Das ist verschwindend gering. Rund 10 000 der 54 000 werden mit Fernwärme versorgt. Der Rest wird mit Gas versorgt. Von den 44 000 Gasheizungen gibt es noch etwa 8000 Gasetagenheizungen. Das ist insofern wichtig, weil dann der Mieter einen unmittelbaren Energieliefervertrag hat mit einem von ihm ausgewählten Unternehmen. Bei den zentral beheizten haben wir einen Energieliefervertrag mit der Mainova.

Gas kommt ja zu großen Teilen aus Russland. Sie beziehen es von der Mainova. Hat die Mainova Gasvorräte?

Es gibt in der Bundesrepublik Gasvorräte, damit man auf Schwankungen reagieren kann. Wenn man der Regierung Glauben schenkt, dann ist die Versorgung in diesem Winter gesichert, und das sehe ich auch so. Wir haben ein großes Glück und damit auch unsere Mieter, die von uns zentral beheizt versorgt werden, weil wir mit der Mainova längere Lieferverträge abgeschlossen haben mit einer Preisgarantie. Der längerfristige Vertrag läuft bis 31. Dezember 2022. Deshalb wird bei zentral beheizten Mietern die Kostensteigerung relativ moderat sein.

Überlegen Sie aufgrund des Krieges, Wohnungen auf andere Energieformen umzustellen?

Das haben wir teilweise schon gemacht. Seit gut 20 Jahren errichten wir hocheffiziente Gebäude: Passivhäuser, Aktivhäuser, Frankfurter Aktiv-Klimahäuser und, und, und. Da verbrauchen die Mieter so gut wie keine Heizenergie. Da sind wir sehr zukunftsweisend gewesen und in der Zukunft angekommen. Es gibt eine Reihe von Liegenschaften, die mit Geothermie versorgt werden oder mit Abwasserwärme oder mit Photovoltaikstrom, der auf den Dächern der Häusern erzeugt wird. Wir werden im Sinne der Dekarbonisierung Strategien entwickeln, wie wir noch schneller von fossilen Energieträgern wegkommen. Das ist nicht von heute auf morgen umsetzbar und kostet Millionenbeträge. Wir werden das jetzt forcieren.

Sie haben ja in der Speicherstraße sogar ein Aktivhaus.

Das, was wir in der Speicherstraße realisiert haben, haben wir übertragen auf 50er-Jahre-Wohnblocks.

Es ist aber noch nicht möglich, aus dem Energieüberschuss der Aktivhäuser die Gas-beheizten Wohnungen zu versorgen?

Das wird leider nicht möglich sein, auch wenn wir in Quartierslösungen denken. Da haben wir den Anspruch, dass in den Quartieren möglichst klimaneutral geheizt wird. Aber wir können nicht fünf Aktivhäuser bauen und versorgen damit zehn Häuser aus den 50er Jahren - das funktioniert leider nicht.

Wie hoch ist der Prozentsatz an Passivhaus-Wohnungen?

Von den 54 000 Wohnungen sind über 4600 im Passivhausstandard; von der Sozialwohnung bis zur preisfreien Wohnung. Da sind Wohnungen dabei, da muss sich der Mieter keine Sorgen machen, weil wir die Heizkosten gar nicht mehr abrechnen.

Können Sie schon sagen, um wie viel sich für einen Durchschnitts-ABG-Mieter die Energiekosten in diesem Winter erhöhen werden?

Wie gesagt, bei den von uns zentral beheizten Wohnungen wird es sich moderat erhöhen. Die enorme Preissteigerung, wie sie sich abzeichnet, wird sich erst in der Heizperiode 22/23 niederschlagen. Mieter, die eine Gasetagenheizung haben und ihr Gas selbst beziehen, müssen bei einigen Anbietern enorme Preissprünge verkraften. Das kann das Doppelte sein. Wir empfehlen: Energie sparen, Temperatur reduzieren, stoßlüften.

Wie viele Wohnungen mit Gasetagenheizung haben Sie noch im Bestand?

Das sind rund 8000.

Aber wenn Sie sanieren, dann tauschen Sie diese aus?

Ja. Dann setzen wir auf Zentralbeheizung oder auf Quartierslösungen mit Blockheizkraftwerken.

Die Gasetagenheizung nimmt aber auch Platz weg, und die kleine Flamme sorgt gelegentlich für Ruß in der Wohnung.

Wobei sie teilweise bei den Mietern sehr beliebt sind. Die haben schon ein Stück Komfort. Ich würde es nicht mehr machen, das ist ein System aus der Vergangenheit. Bei Zentralbeheizungen müssen sie sich um nichts mehr kümmern. Da kommt niemand für die Wartung der Gastherme.

Die ja der Mieter bezahlen muss.

Ja, der Schornsteiger kommt, und dann kommt noch einer von der Heizungsbaufirma.

Wo sehen Sie die Zukunft des Wohnungsbau?

Runter von den Verbräuchen und regenerative Energie.

Die Stadt ist Eigentümer der ABG. Hat Ihnen der Magistrat schon Auflagen im Umgang mit den gestiegenen Energiekosten gemacht?

Nein.

Erwägen Sie Stundungen für Mieter, die wegen der Heizkosten Finanzprobleme haben?

Das machen wir immer. Für Stundungen sind wir immer offen.

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