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Bernhard Jäger lebt und arbeitet in Oberrad. Seinen Geburtstag verbringt er am liebsten in aller Ruhe.

Künstler Bernhard Jäger wird heute 80 Jahre alt

„Ich hasse Geburtstage“

Eine Institution der Frankfurter Kunstszene wird 80 Jahre alt. Doch auch nach unzähligen Ausstellungen und Veröffentlichungen denkt Maler und Bildhauer Bernhard Jäger nicht daran, die Arbeit niederzulegen.

Von Marie Ahlers

Immer wieder fragen Kollegen Bernhard Jäger, ob er eigentlich noch arbeiten würde. „Als ob ich mit 65 den Pinsel zur Seite gelegt hätte und in den Ruhestand gegangen wäre“, schmunzelt der Künstler und ehemalige Dozent der renommierten Städelschule. So etwas wie ein Rentenalter gibt es für Jäger nicht. Auch nach Vollendung seines 80. Lebensjahres wird er weiterhin so gut wie jeden Tag in seinem Atelier in Oberrad stehen und zeichnen, malen oder neue Skulpturen entwerfen. „Ich habe immer noch so viele Bilder in meinem Kopf, die hören nie auf.“ Künstler zu sein ist eben Berufung und nicht allein Beruf.

Überhaupt sind runde Geburtstage für Jäger kein Anlass, um groß innezuhalten oder gar zu feiern. „Ich hasse Geburtstage“, verrät er. „All die Anrufe, irgendwann weiß ich gar nicht mehr, was ich zu den Leuten sagen soll.“ Heute, an seinem 80. Geburtstag, will er deswegen auch nur in sein Auto steigen und wegfahren, egal wohin. „Hauptsache, weit weg vom Telefon“, erklärt Jäger trocken.

Einen Rückblick auf die rund 50 Jahre, in denen er nun als Künstler aktiv ist, wagt der geborene Münchner dennoch. In seinem großzügigen und hellen Atelier sitzt er an einem großen Metalltisch und erinnert sich an die Anfänge seiner Karriere, damals noch in Offenbach. 1960 schloss er dort sein Studium als Werbegrafiker ab und entschied kurz darauf: „Das ist nichts für mich.“ Zu dem Zeitpunkt stand für Jäger bereits fest, dass nur die Tätigkeit als Künstler für ihn in Frage kommt. „Ich wusste damals zwar, was ich wollte, aber wo es hinführte, wusste ich nicht“, erzählt er.

Heute verrät ein Blick ins Atelier des Künstlers, eine umgebaute Feuerwache, wohin ihn der Weg geführt hat. Große Gemälde aus allen Jahrzehnten zieren die verputzten Wände, zahllose weitere sind auf dem Boden angelehnt, dazwischen immer wieder auch Skulpturen. Sie alle zeigen menschliche Körper und Figuren, früher detailliert und anatomisch dargestellt, heute ähneln sie eher Piktogrammen, wie man sie etwa von Straßenschildern kennt.

Über Offenbach und das Frankfurter Nordend ist Jäger vor etwa 25 Jahren zum Wohnen und Arbeiten nach Oberrad gekommen. „Ganz langsam fühle ich mich hier auch akzeptiert“, berichtet er. Oberrad sei schließlich ein richtiges Dorf, in dem die eingeschworene Gemeinschaft Neulingen schon mal skeptisch gegenüber stünde. Doch mittlerweile ist Jäger hier gut vernetzt und fühlt sich wohl, nicht zuletzt weil in den großzügigen Räumen der alten Wache genug Platz für seine Werke, seine Arbeitsmaterialien und seine Sammlerleidenschaft – Afrikanische Skulpturen und Masken – ist.

Noch mehr als seinem „Heimatdorf“ fühlt sich Jäger aber der gesamten Frankfurter Kunstszene verpflichtet und verbunden. Regelmäßig besucht er Ausstellungen von Kollegen und veranstaltet immer wieder auch selbst welche. So stellt beispielsweise das Frankfurter Kunstkabinett, Braubachstraße 12, anlässlich des 80. Geburtstags von Bernhard Jäger noch bis zum 20. Juni Bilder, Holzschnitte und Lithographien aus mehr als 50 Jahren von ihm aus.

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