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Unternehmerin mit medizinischem Cannabis: „Ich stehe zum Bahnhofsviertel“

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Von: Sarah Bernhard

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Die Unternehmerin Franziska Katterbach ist über einige Dinge im Bahnhofsviertel in Frankfurt sehr verärgert. Verlassen will sie den Brennpunkt dennoch nicht.

Frankfurt - Zu dreckig, zu versifft, zu gefährlich - immer mehr Geschäftsleute kehren dem Bahnhofsviertel den Rücken, zuletzt verließen Kieser-Training, Back-Factory und Stanley die Gegend. KhironMed, ein Hersteller von medizinischem Cannabis, tut genau das nicht. „Ich stehe zu unserem Standort“, sagt Europa-Geschäftsführerin Franziska Katterbach, die ihre Geschäftsräume an der Kreuzung Nidda- und Elbestraße hat. „Weil das Bahnhofsviertel ein Schmelztiegel der Kulturen ist, die sich aber alle ihre Authentizität bewahrt haben.“ Bereits in ihrem vorherigen Job hatte die 35-Jährige ihr Büro im Viertel.

Doch mittlerweile ist Franziska Katterbach ziemlich verärgert. „Die Zustände hier sind schlimmer geworden. Die Leute liegen in ihrem eigenen Dreck, im Sommer war der Gestank teilweise heftig.“ Das Aggressionslevel sei gestiegen, sowohl durch den vermehrten Konsum von Crack mit höherem Beschaffungsdruck als auch durch die höheren Lebenshaltungskosten. „Vor einigen Wochen wurde unser Hausmeister angegriffen, tagsüber, obwohl er im Viertel eigentlich bekannt ist. Und das nur, weil er mit Facetime telefoniert hat und es deshalb so aussah, als ob er ein Video aufnimmt.“

Geschäftskunden schleust Franziska Katterbach deshalb mittlerweile grundsätzlich ums Viertel herum, größere Meetings beraumt sie direkt in Wiesbaden an. „Sogar unsere Mitarbeiter aus Kolumbien sind von den Zuständen hier geschockt. Wie sollen wir so einen negativen Eindruck jemals wieder aufholen?“

Bahnhofsviertel in Frankfurt: Die Politik habe mehrfach versagt

Schuld an der Misere ist für Franziska Katterbach vor allem die Politik - die gleich auf mehreren Ebenen versagt habe. Denn sie habe zwar den Frankfurter Weg geschaffen, der gut und sinnvoll sei. Doch seit in der Corona-Pandemie auch die Probleme dieser Herangehensweise sichtbar wurden, werde das Viertel ignoriert. „Vermutlich, weil man mit Leid und Elend keine Wähler gewinnen kann.“

Stattdessen würden die Probleme auf Personen verlagert, die sich nicht wehren können. FES-Mitarbeiter, die nur noch mit Polizeischutz arbeiten, Polizisten, die zusehen müssen, wie sich Abhängige Spritzen setzen. „Das ist unfair gegenüber den schwerstkranken Menschen, gegenüber denen, die nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, und auch denen gegenüber, die ins Viertel investiert haben, weil sie dachten, dass die Probleme unter Kontrolle seien.“

Auch werde die Drogenhilfe viel zu kurz gedacht, moniert die Unternehmerin.. „Vollgepumpt mit Drogen im Bahnhofsviertel auf der Straße zu liegen, ist kein Lebenswunsch. Wir als Gesellschaft haben diese Menschen hervorgebracht.“ Jeder Drogenabhängige habe eine eigene Geschichte, Probleme in der Familie, eine psychische Erkrankung. Probleme, die man intensiv angehen müsste, bevor Drogen ins Spiel kommen. Doch offensichtlich werde in diesem Bereich immer noch zu wenig getan. „Dabei ist nachgewiesen, dass Sport- und Freizeitangebote bei der Suchtprävention helfen.“

Zudem seien trotz der Aufstockung des Personals bei OSSIP zu Jahresbeginn, das für die aufsuchende Sozialarbeit im Viertel zuständig ist, viel zu wenige Helfer unterwegs. „Ich sehe selten, dass jemand, der von Körperhaltung und Auftreten her dementsprechend aussieht, mit den Menschen redet.“ Sie könne allerdings nicht ausschließen, dass das innerhalb der Einrichtungen passiere.

Bahnhofsviertel: „Der Frankfurter Weg ist ein Experiment“

Und auch an anderen Stellschrauben wird Katterbachs Meinung nach zu wenig gedreht, etwa bei Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen für jene, die die Sucht besiegt haben. „Man schafft durch Methadon-Substitution keine ,perfekten‘ Menschen. Sie haben nicht über Nacht plötzlich Abitur, ein stabiles Umfeld oder einen Job.“ Doch Angebote zur Re-Integration in die Gesellschaft scheine es nur spärlich zu geben; die Frage, wie man mit jenen umgehe, die den Suchtausstieg nicht schaffen, sei ungelöst.

Viele verschiedene Aufgaben also - die man, geht es nach Franziska Katterbach, nur interdisziplinär lösen könne. „Der Frankfurter Weg ist ein Experiment. Die erste Stufe, bei der vor allem beobachtet wurde, ist beendet. Jetzt muss endlich die zweite kommen: Alle gemeinsam müssen etwas tun.“ Und zwar mit aufeinander abgestimmten Maßnahmen. Ob es die richtigen sind, werde sich zeigen, sagt die Unternehmerin. „Wenn nicht, muss man eben etwas anderes probieren. Hauptsache, man macht überhaupt mal was!“ Sarah Bernhard

Franziska Katterbach, hier mit ihrem Kollegen Peter Leis, handelt mit medizinischem Cannabis. Der Firmen-Standort ist im Bahnhofsviertel.
Franziska Katterbach, hier mit ihrem Kollegen Peter Leis, handelt mit medizinischem Cannabis. Der Firmen-Standort ist im Bahnhofsviertel. © Michael Faust

Bahnhofsviertel in Frankfurt: Polizei kündigt weitere Kontrollen an

Seit Mitte September intensiviert die Polizei ihre Maßnahmen gegen die negativen Entwicklungen der Drogen- und Straßenkriminalität im Bahnhofsgebiet. Am Dienstag wurde zusätzlich ein Schwerpunkt in Verkehrssicherheit und Verkehrserziehung gesetzt. 72 kontrollierte Personen, zwei Strafverfahren sowie 280 Verkehrsordnungswidrigkeiten schlugen am Ende zu Buche.

Bei einer Fahrzeugkontrolle beschlagnahmte die Polizei ein Springmesser und leitete ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz ein.

Zudem legten Landespolizei und Verkehrspolizei gemeinsam einen Fokus auf verkehrswidrig abgestellte Fahrzeuge. Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass sich das beharrliche Vorgehen positiv auf die Gesamtsituation im Bahnhofsgebiet auswirkt. Die Bereiche um die illegal abgestellten Fahrzeuge herum werden von Teilen der Drogenszene immer wieder als Möglichkeit genutzt, um sich zumindest kurzzeitig vor neugierigen Blicken zu verstecken, um Drogen zu übergeben, zu konsumieren oder um sich schlichtweg niederzulassen. Ohne diese als „Sichtschutz“ genutzten Fahrzeuge bilden sich dort weniger Gruppen. Die Polizei kündigte an, die intensiven Maßnahmen fortzusetzen. (Sarah Bernhard)

Das Bahnhofsviertel in Frankfurt gilt als Problembezirk - und als beliebter Wohnort. Das könnte sich ändern, wenn die Stadt der Verwahrlosung keinen Einhalt gebietet.

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