Leon Bunn

„Ich will Weltmeister werden“

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Leon Bunn ist ein junger charismatischer Boxer – und als Amateur recht erfolgreich. Nun versucht er sich im Profilager.

Nachdem Leon Bunn seinen Kampf gegen die Funktionäre des Deutschen Box-Verbands (DBV) verlor hatte – er bekam keine Chance, sich bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro mit den besten Amateuren der Welt zu messen – , kehrte der Halbschwergewichtler aus Frankfurt dem DBV Ende 2016 den Rücken. Seit einigen Wochen versucht sich der 24-Jährige nun als Profi im Ring. Die ersten beiden Aufbaukämpfe hat er erfolgreich hinter sich gebracht, den ersten in Sofia vor 8000 Fans. Sein Ziel ist klar: „Ich will Weltmeister bei einem der vier großen Verbände werden. Wenn ich verletzungsfrei bleibe, werde ich es schaffen.“

Zustimmung erfährt der Neu-Profi aus berufenen Munde. Ulli Wegner, einer der renommiertesten Trainer der Box-Szene, prophezeit seinem neuen Schützling eine große Zukunft: „Leon wird nicht lange brauchen und ich mache ihn zum Weltmeister.“ Dann werden auch die Frankfurter ihren „Bub“ wieder zu sehen bekommen. „Das hiesige Publikum ist anspruchsvoll. Ich möchte hier gern boxen, vor Freunden, der Familie. Vorgesehen ist, dass ich in Frankfurt in den Ring gehe, wenn es um den Titel geht.“

Seine Karriere wird sorgfältig geplant. Bunn bekam einen Vertrag beim deutschen Marktführer Sauerland. Vereinbart sind mindestens sechs Kämpfe pro Jahr. Entlohnt wird er monatlich mit einer fixen Summe. „Davon kann ich leben. Verdienen kann man erst als Welt- oder Europameister bei einem der großen Verbände“, sagt Bunn.

Und das sei ja sein Ziel. Um ganz nach oben zu kommen, müsse man von sich selbst überzeugt sein. Das ist er. Über seine Stärken spricht der Linksausleger ungern, auf Nachfrage tut er es dennoch: „Ich habe eine gute Grundlage, bringe boxerisches Verständnis mit und bin für einen Halbschwergewichtler schnell.“ Obwohl er schon seit 14 Jahren kämpft, ist er noch nie K. o. gegangen. „Härtere Schläge habe ich natürlich auch schon abbekommen. Da ich mich aber gut bewege, mit dem Schlag gehe, konnte ich die Wirkung stets lindern“, lüftet der Frankfurter ein Geheimnis. Vorbilder, die er nachahmen würde, habe er keine. „Man soll keinen Boxer hundertprozentig imitieren. Aber man soll von jedem der Großen etwas lernen.“

Lernen tut er vor allem von Ulli Wegner. Die Legende unter den Trainern nimmt seinen „Kronprinzen“, wie er ihn liebevoll nennt, täglich hart ran. Zusammen mit seinem Assistenten Georg Bramowski. „Sie sind beide sehr streng, mögen keine Spielereien, sondern verlangen ergebnisorientiertes Boxen.“ Das Training sei bei den Amateuren nicht minder intensiv gewesen. Aber nun sei es gezielter, effektiver. Er absolviere viele Waldläufe, im Ring werde meistens mit Partnern gearbeitet, Standardsituationen wie Blocken und Kontern würden verstärkt geübt. „Es wird mehr Wert auf die Härte der Schläge gelegt. Das liegt mir.“

Vor 15 Monaten hätte sich Leon Bunn nicht einmal träumen lassen, unter der Anleitung der Ikone des Profi-Boxsports zu trainieren. Da war er am Boden zerstört. Er hat alles getan, um sich seinen Traum von den Olympischen Spielen zu erfüllen. 2015 wurde er Deutscher Meister, gewann sogar den hochangesehenen „Chemie Pokal“ in Halle. Aber eine Chance, sich nach Rio durchzuboxen, bekam er nicht. Dafür wurde ihm die Teilnahme 2020 in Tokio in Aussicht gestellt. Dass er dort antritt, kann sich der 24-Jährige allerdings nicht vorstellen. Auch wenn vor kurzem beschlossen wurde, dass künftig auch Profis bei Olympia zugelassen sind. „Das ist nichts für mich. Drei Runden im Ring sind für jemanden, der auf zwölf Runden bei den Profis trainiert, kaum realisierbar“, winkt Leon Bunn ab. Zu unterschiedlich sei die Herangehensweise an einen Kampf.

Kurioserweise ebnete ihm ein gemischtes Training den Weg zu der neuen Karriere. Im Rahmen der DBV-Lehrgänge gab es 2016 auch Sparrings mit Profis, Leon stand im Ring Arthur Abraham gegenüber. Dabei fiel er Ulli Wegner auf und wurde vom Sauerland-Stall angesprochen. Und er brauchte nicht lange, um das Angebot, nach Berlin zu kommen, anzunehmen.

Frankfurt soll aber sein Mittelpunkt im Leben bleiben. Auch um mit seinem Vater Ralph gelegentlich im Fitness-Tempel MMA Spirit zu trainieren. Bei ihm hat er die ersten boxerischen Schritte gemacht. Dieser war Kickboxer. Und boxte in der Bundesliga für den CSC, bei dem Jahre später Emil Freihaut Sohn Leon zum Bundesliga-Star machte. „Irgendwann komme ich wieder nach Frankfurt – als Boxer.“ Hoffentlich, wenn es um einen großen Titel geht.

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