Bildung

Ideen für ein besseres Schulsystem

  • schließen

„So viele Lehrer wie noch nie“: Mit diesen Worten rühmt sich die schwarz-grüne Landesregierung im Wahlkampf. Lehrer, Eltern und Schüler können da nur müde lächeln. Sie stellen dem derzeitigen Schulsystem kein gutes Zeugnis aus. Deshalb haben sich mehrere Initiativen zusammengeschlossen und Ideen entwickelt, um die Situation kurz- und mittelfristig zu verbessern.

Marode Schulgebäude, unzumutbare Toiletten, zu große Klassen, immer mehr administrative Aufgaben für Lehrer, die sich zudem mit Mobbing, fehlender Digitalisierung, Gewalt- und Drogenproblemen herumschlagen müssen. Die Folge: Burnout, andere Krankheiten und ganz einfach Gleichgültigkeit. „Es reicht“, haben deshalb der Elternbund Hessen, der Stadtelternbeirat Frankfurt, der Stadtschülerrat, Lehrer sowie das Netzwerk Inklusion beschlossen und sich zusammengetan, um Ideen zu entwickeln, wie das derzeitige Schulsystem schnellstmöglich verbessert werden kann.

„Eine Veränderung des Systems tut Not, denn die Attraktivität des Lehramtes muss dringend steigen – und die kommt nicht von selbst“, sagt Alexandra Cremer, Sprecherin vom Netzwerk Inklusion Frankfurt. Überall fehle es an Mitteln und Ressourcen. Für die kommenden zwölf Jahre mangelt es bundesweit an 32 000 Lehrern – bei steigenden Schülerzahlen. Allein in Frankfurt muss bis 2025 mit 12 000 Schülern mehr gerechnet werden.

„Der bloße Appell, mehr Lehrer auszubilden, ist längst aber nicht mehr ausreichend“, sagt Cremer. Um die Situation zu verbessern, fordern der Elternbund Hessen, der Stadtelternbeirat Frankfurt, der Stadtschülerrat, Lehrer sowie das Netzwerk Inklusion deshalb:

  Erhöhung der Studienplatzzahlen sowie der Ausbildungsplätze im Referendariat.

  Mehr Gehalt für Grundschullehrer.

  Ortszuschläge für Ballungsräume für Lehrkräfte und pädagogisches Personal.

  Einsatz von Abiturienten als Assistenzkräfte im schulischen Alltag im Rahmen eines „praktischen Jahres“ vor der Aufnahme eines Lehramtsstudiums (wie beispielsweise in Finnland).

  Freistellung der Schulleitung von Unterrichtsverpflichtung.

  Verpflichtendes letztes Kindergartenjahr, damit grundsätzliche Kenntnisse erlernt werden können, das entlastet die Lehrer.

  (Wieder-)Einführung einer qualifizierten (informationstechnologischen und technischen) Assistenz für jede Schule zwecks zuverlässiger Wartung von technischer Ausrüstung wie Computer und Kopierer.

  Verpflichtende Fortbildungen für Lehrkräfte, wenn bei Schülern ein für die Lehrkraft neuer Förderbedarf besteht.

  Inklusionsteams, die den Austausch untereinander und mit Eltern befördern.

  Einführung von kaufmännischen Geschäftsführungen, um die Schulleiter und Lehrer vom steten Mehr an Administration zu entlasten.

  Das Verfahren zur Feststellung von Förderbedarf muss erneuert werden, da durch fehlende Förderpädagogen Unterricht ausfällt.

  Schulsozialarbeit muss ausgeweitet werden auf alle Schulen – auch auf Gymnasien.

  Sinnvolle Angebote im Ganztag im Hinblick auf zukünftige Beschäftigung mitdenken: In Dänemark werden etwa Handwerker eingestellt, die mit Kindern und Jugendlichen Schiffe bauen.

  Land und Stadt müssen vor Veräußerungen von Grundstücken mit den Schulträgern sprechen.

Ihre Vorschläge und Forderungen haben die Interessensgruppen an die bildungspolitischen Sprecher der Parteien geschickt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare