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IHK-Präsident Mathias Müller macht sich dafür stark, dass die Verantwortlichen in der Metropolregion an einem Strang ziehen, um die Herausforderungen in der Wohn- und Verkehrsinfrastruktur bestehen zu können und die Wirtschaftskraft zu erhalten.

Forderungen

IHK-Chef Mathias Müller schwört die Region ein

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Die Metropolregion FrankfurtRheinMain ist das wirtschaftliche Kraftzentrum Deutschlands. Doch es fehlen Wohnungen, Gewerbeflächen und Fachkräfte. Die IHK Frankfurt hat die Lage analysiert. Präsident Müller fordert Regierungen, Planungsbehörden und Kommunen auf, an einem Strang zu ziehen.

Die Metropolregion FrankfurtRheinMain mit den Städten Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, Mainz und Darmstadt reicht im Norden bis nach Fulda, im Süden bis in den Odenwald, im Westen zählt der Rheingau dazu und im Osten der Vogelsberg. In dieser Wachstums- und Zuzugsregion, die der Frankfurter IHK-Präsident Mathias Müller, gerne „Herzmuskel Deutschlands“ nennt, leben aktuell 5,7 Millionen Menschen. Seit der Jahrtausendwende sind 328 000 neue Jobs entstanden. Bis 2030 werden laut einer IHK-Prognose weitere 140 000 dazukommen, dann sind es 2,5 Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs.

Die wachsende Zahl an Arbeitsplätzen macht die Region zu einem attraktiven Wohn- und Arbeitsort. Der Wohlstand steigt. Der Arbeitsmarkt ist in hervorragender Verfassung. Vielerorts sei die Arbeitslosenquote so gering, dass nahezu Vollbeschäftigung herrsche, so Müller. Unternehmen wollen einstellen und suchen qualifiziertes Personal. Die aktuelle IHK-Umfrage geht von etwa 52 000 neuen Jobs in 2018 und 55 000 im Jahr 2019 aus.

Durch den demografischen Wandel – die Baby-Boomer gehen in Ruhestand – gehe das Angebot an ausgebildeten Menschen weiter zurück. Im Zuge der Wachstumsdynamik werde der sich verschärfende Fachkräftemangel in etlichen Berufen zu einem Bremsklotz für die positive Beschäftigungsentwicklung und ein Risiko für die Unternehmer. „Aktuell fehlen bereits 163 000 Fachkräfte. Bis zum Jahr 2030 kann diese Lücke auf rund 250 000 anwachsen“, befürchtet der Präsident auf Basis eines aktuellen Fachkräftemonitors. Diese Lücke sei nicht über zu schließen, sagt Müller und plädiert für die umgehende Verabschiedung eines Einwanderungsgesetzes durch die Bundesregierung. „Die Gewinnung von Fachkräften ist ein essenzieller Faktor, um die Wettbewerbsfähigkeit beizubehalten“, erklärt der IHK-Chef. In einem Einwanderungsgesetz sieht er ein zentrales Instrument, um qualifizierte Leute im Ausland anwerben zu können.

Für die dringend benötigten Fachkräfte und ihre Familien fehlt jedoch schon heute Wohnraum. Und diese Entwicklung dürfte sich noch verschärfen. Die IHK hat hochgerechnet und kommt zum Ergebnis, dass im Raum Frankfurt 2030 rund

75 000 Wohnungen fehlen

werden. Besonders brisant werde die Situation in Frankfurt, Offenbach, Darmstadt und den Landkreisen Offenbach und Hochtaunus, so die IHK. Der Druck auf den Wohnungsmarkt habe in weiten Teilen der Region die Kauf- und Mietpreise in die Höhe schießen lassen.

„Wir kommen nicht um die Aktivierung bestehender Flächen und die Ausweisung neuer Baugebiete in Frankfurt und der Region herum“, betont Müller. Daher plädiert der IHK-Präsident für Zivilcourage unter den kommunalen Entscheidungsträgern und wirbt für mutige Entscheidungen der Planungsbehörden: „Wir erleben in der Debatte um potenzielle Wohnquartiere gerade, dass die einzelnen Projekte gegeneinander ausgespielt werden – die Zahlen aber zeigen, wir brauchen sie alle. Sowohl einen neuen Frankfurter Stadtteil an der A5 als auch ein Wohngebiet am Main-Taunus-Zentrum oder in Hofheim-Marxheim: Alle Projekte dieser Art müssen weitergedacht und verwirklicht werden. Die Menschen kommen zu uns und wir müssen sie unterbringen.“

Konkret fordert die IHK die Landesregierung dazu auf, die pauschale Festlegung im Landesentwicklungsplan von jeweils 400-Meter-Abständen auf beiden Seiten von Hochspannungsleitungen zu überdenken. „Wie ist die Landesplanung auf diesen Wert gekommen? Hier fehlt die Begründung. Projektbezogene Gutachten und fallbezogene Schutzlösungen wären ein besserer Weg als pauschale Abstände.“

Auch die Bundesregierung sieht der IHK-Präsident in der Pflicht: „Metropolregionen sind die Wirtschaftsmotoren in Deutschland, daher ist auch die Bundesregierung gefordert, Planungsgrundlagen zu schaffen, die dem metropolitanen Raum gerecht werden.“ Sowohl Wohn- als auch Infrastrukturprojekte müssten schneller und mit weniger bürokratischen Hürden umgesetzt werden, etwa durch den Erlass von Planungsbeschleunigungsgesetzen.

Das gelte auch für die benötigte Verkehrsinfrastruktur, deren Umsetzung forciert werden müsse. Ob Regionaltangente West, Verlängerung von S 5 und S 6, „die Politik muss Gas geben“, verlangt Müller.

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