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Wenn Lastwagen durch die Wilhelmshöher Straße rollen, kommen sie Fußgängern oft bedrohlich nahe. Kalle Kröwer, Heiko Nickel und Bonny Fischer (v.l.) haben eine Aktionsgemeinschaft zur Verkehrsberuhigung der Straße gegründet,

Aktionsgruppe Wilhelmshöher

Ihnen stinkt der viele Verkehr in Seckbach

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Seit 25 Jahren kämpfen Seckbacher dafür, die Wilhelmshöher Straße zu beruhigen. Der dichte Verkehr steht den Anwohnern „bis zum Hals“. Einige von ihnen sehen nun eine Chance, das endlich zu ändern, denn die Stadt plant die Sanierung und Umgestaltung der Straße.

Früher einmal war der Bordstein hier, wo die Wilhelmshöher Straße an der Kreuzung zu Leonhardsgasse, Lohrgasse und Draisbornstraße ein „S“ beschreibt, wo die Metzgerei Völp und die Gasthäuser „Zum Rad“ und „Zur Krome“ liegen, so hoch wie anderswo auch. „Aber die vielen Lastwagen und Busse haben den Bürgersteig soweit hinunter gedrückt, dass er fast auf Fahrbahnniveau ist“, sagt Heiko Nickel. Und der Gehweg ist so schmal, dass „man hier regelmäßig von einem Außenspiegel fast mitgenommen wird“, ergänzt Kalle Kröber, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Seckbacher Vereine.

Diese Stelle sei nur eine von vielen, an denen es täglich eng zugeht auf der Wilhelmshöher Straße, sagt Bonny Wächter. Bei ihr, am westlichen Ende der Seckbacher Hauptdurchgangsstraße, wackeln die Türen, ja das ganze Haus bei jedem vorbeifahrenden Lastwagen. „Das Haus ist 100 Jahre alt, die Balken schwingen mit. Selbst die Sandsteine im Sockel des Hauses bewegen sich und zerreiben den Mörtel in den Fugen.“

Das Thema ist nicht neu, schon lange kämpften die Seckbacher gegen die Folgen des vielen Verkehrs. „Seit 25 Jahren versuchen die Bürger, sich Gehör zu verschaffen – und seit 25 Jahren werden sie ignoriert“, ärgert sich Wächter. Trotzdem wollen sie und ihre Mitstreiter die Seckbacher erneut mobilisieren, um etwas zu ändern. Die Umstände seien gut: Die Stadt plant eine Sanierung und Umgestaltung der Wilhelmshöher Straße, hat erste Pläne vorgestellt. „Wir haben die Möglichkeit einzugreifen, und wollen den Planern mit auf den Weg geben, welche Bedürfnisse die Menschen haben, die hier leben.“

Zusammen mit BFF-Ortsbeirat Jürgen Kuhn gründeten sie deshalb die „Aktionsgruppe Wilhelmshöher“. Bislang diskutierten sie in der gleichnamigen Facebook-Gruppe. Nun wollen sie dies öffentlich tun, gemeinsam mit möglichst vielen Seckbachern: Am kommenden Mittwoch, 11. Januar, laden sie zum ersten Treffen ein in die Räume von Kids Seckbach am Atzelbergplatz.

Eigentlich sei Seckbach ein lebenswerter Stadtteil, auch für die vielen jungen Familien, die es hier gebe, sagt Göbel. „Wir haben den Lohrberg, das Ried, es ist schön hier. Alles ist gut – bis morgens der Berufsverkehr beginnt.“ Dann quäle sich eine endlose Autoschlange zwei, drei Stunden lang durch den Stadtteil – ein einziger Stau, vom Budge-Heim im Osten bis hinauf nach Bornheim.

„Dabei sind auch viele Lastwagen, obwohl die hier gar nicht entlang fahren dürfen“, sagt Bonny Wächter. Oft führen Lastwagen und Busse dabei auf die Bürgersteige. „Ich wurde vor Kurzem quasi im eigenen Vorgarten von einem Bus überfahren, als ich auf die Straße hinaustrat“, sagt Kröber. Dabei sei der Bürgersteig hier keinesfalls wie an manchen Stellen nur 50 Zentimeter breit, sondern mehr als anderthalb Meter. „Vor allem für Kinder ist es hier sehr gefährlich.“ Der offizielle Schulweg zur Grundschule führt an der Hauptstraße entlang. Und die Autos stünden auf der Wilhelmshöher „wie in einem Kessel“, die Abgase sammelten sich zwischen den alten Häusern, die Luft sei schlecht, sagt Göbel.

Eine Patentlösung hat das Quartett nicht, „aber wir wollen die Seckbacher mobilisieren“, sagt Wächter. Vielen „steht es längst bis zur Hutschnur. Aber sie haben aufgegeben und bezweifeln, dass sich jemals etwas ändert.“ Eine kurzfristige Lösung seien Blitzer, damit sich die Autofahrer an das Tempo-30-Gebot halten, sagt Wächter. „Und die Stadt muss das Durchfahrtverbot für Lastwagen endlich durchsetzen, das würde bereits viel bringen.“ Langfristig müsse die Wilhelmshöher Straße den Charakter einer Durchgangsstraße verlieren, so Nickel. Eigentlich sei sie eine Wohnstraße. Pendler gehörten nicht in die schmale Straße: Die seien auf der vierspurigen Friedberger Landstraße, der Borsigallee oder der A 66 –wenn sie fertig wird – besser aufgehoben.

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