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Ihr Engagement ist (nicht) für die Katz'

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Von: Sabine Schramek

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Villa Katzenbunt. Hier und an mehreren anderen Stellen kümmert sich Michaela Topell um die Tiere. FOTO: schramek
Villa Katzenbunt. Hier und an mehreren anderen Stellen kümmert sich Michaela Topell um die Tiere. © Schramek

Arzthelferin betreut im Riederwald verwilderte Tiere

Katzen sind die beliebtesten Haustiere in Deutschland. 15,7 Millionen wohnen in den Haushalten. Doch nicht alle schnurren auf heimischen Sofas. Tierschutzvereine schätzen, dass in Frankfurt 15 000 Katzen unkastriert und teilweise verwildert unterwegs sind. Michaela Topell kümmert sich seit zehn Jahren um sie.

Rossi hält immer Abstand

Rossi (14) ist einerseits extrem scheu, andererseits neugierig. Zumindest dann, wenn Michaela Topell das Containergelände im Riederwald betritt. Dann maunzt der rot-weiße Kater leise, weil er weiß, dass ihm keine Gefahr droht. "Anfassen lässt er sich nicht, aber auf ein bis zwei Meter kommt er nahe", erzählt die engagierte Tierschützerin und wirft ihm ein paar Leckerlis zu, die er laut schnurrend frisst.

Außer Rossi tummeln sich Chaplin, Marta, Paulchen, Püppi und einige weitere verwilderte Hauskatzen auf dem Gelände. Topell hat ihnen Katzenhäuser gebaut. Zum Teil sind sie mit Stroh ausgelegt, damit die Tiere einen warmen und trockenen Platz zum Schlafen haben. "Damit es nicht zu Platzkämpfen und Raufereien kommt, gibt es mehrere Häuser und Futterstellen", erzählt die gelernte Tierarzthelferin.

Seit zehn Jahren ist Topell überall dort, wo verwilderte Hauskatzen sind und kümmert sich um die misstrauischen Tiere. "Viele Leute halten sie für Wildkatzen. Das sind sie nicht. Es sind Katzen, die irgendwann entweder ausgesetzt wurden oder deren Nachkommen. Eine Hauskatze, die auf der Straße aufgewachsen ist, bleibt meist ihr Leben lang scheu. Es ist nur ganz schwer möglich, sie zur Sofakatze zu machen." Damit die Population nicht unkontrolliert wächst, fängt Topell verwilderte Tiere mit Lebendfallen, lässt sie beim Tierarzt impfen, kastrieren und chippen, bevor sie sie wieder aussetzt. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen sieht sie nach den Tieren und füttert sie regelmäßig. "So sehen wir, wie es ihnen geht. Wenn eine Katze krank ist, kommt sie wieder zum Arzt."

Kameras an den Hütten

Auch Wildkameras an den Hütten gebe ihr Aufschluss, wann welche Katzen anschleichen, wann sie fressen und wie ihr Zustand ist. Manchmal kann sie auf den Kamerabildern erkennen, ob ein Tier tätowiert ist. Das erleichtert die Suche nach dem Besitzer. Blitzeblank sind die hölzernen Katzenhäuser, die mit Styropor vor Hitze und Kälte schützen, Wassernäpfe werden bei Frost von unten gewärmt. Topell ist hauptsächlich im Riederwald, in Bonames und Oberrad unterwegs. Mit der Genehmigung von Grundstückseigentümern stellt sie Fress- und Schlafplätze auf. "Natürlich bekomme ich auch sonst immer wieder Hinweise auf streunende Katzen. Dann heißt es, auf die Lauer legen und warten. Man muss unterscheiden, ob es eine verwilderte Hauskatze ist, ein Freigänger, ein Ausreißer oder ein ausgesetztes Tier. Das ist gar nicht so einfach." Katzen sind sehr intelligent, nachtaktiv und es dauert oft Wochen, bis sie eingefangen werden können. "Leider lassen viele Katzenhalter ihre Tiere nicht chippen, tätowieren oder kastrieren. Das macht es erstens sehr schwer, die Halter ausfindig zu machen, wenn eine Wohnungskatze draußen unterwegs ist und zweitens wird bei unkastrierten Katzen der Radius immer größer, in dem sie sich bewegen. Und vermehren." Genaue Zahlen über verwilderte Hauskatzen in Frankfurt gibt es nicht. Die Schätzung liegt bei etwa 15 000.

Sie leben dort, wo sie sich gut verstecken können. In Höfen, Bauhöfen, Lagergeländen. Manchmal verschwinden sie und tauchen Wochen später wieder auf. Finn ist einer von ihnen. Eigentlich ist er weiß mit getigerten Flecken. "Er schläft am liebsten auf Aktivkohlesäcken und so sieht er auch aus", meint Topell lachend, als der Kater sein verrußtes Gesicht mit giftgrünen Augen an einer Futterhütte zeigt. "Auch ihn musste ich schon mehrmals zum Tierarzt bringen, weil er nach Wochen völlig abgemagert und humpelnd wieder aufgetaucht ist." Die Kosten für Futter, Tierarztbesuche und Ausstattungen sind hoch. Auch für die Leckerlis, nach denen Rossi weiter jagt.

Sabine Schramek

So können Sie helfen

Topell sucht noch Freiwillige, die sie beim Füttern der wilden Samtpfoten unterstützt. Unter Katzen.43@gmx.de ist sie erreichbar. Wer sie finanziell unterstützen möchte, kann das unter der IBAN DE 34 5001 0517 5425 294361 tun.

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