Zehn Kicker, zwei Trainer - nach der Fußballmetaphorik elf Freunde. Seit sechs Jahren spielen die Jungs der E-Jugend des SC Weiss-Blau Frankfurt zusammen. Die Trainer sind Max Weindl (Zweiter von links) und Paul Figenser, dem seine Spieler zum 18. Geburtstag ein Trikot geschenkt haben, das alle unterschrieben haben.
+
Zehn Kicker, zwei Trainer - nach der Fußballmetaphorik elf Freunde. Seit sechs Jahren spielen die Jungs der E-Jugend des SC Weiss-Blau Frankfurt zusammen. Die Trainer sind Max Weindl (Zweiter von links) und Paul Figenser, dem seine Spieler zum 18. Geburtstag ein Trikot geschenkt haben, das alle unterschrieben haben.

Frankfurter Teamgeist

Ihr halbes Leben lang zusammen auf dem Platz: Das sind wahre 11 Freunde

  • VonMichelle Spillner
    schließen

Was zählt wirklich im Fußball? Anlässlich der Europameisterschaft zeigen uns das die E-Jugend-Kicker und ihre Trainer vom SC Weiss-Blau

Frankfurt -Ein guter Fußballer sollte über Schnelligkeit verfügen, Kraft, Ausdauer, Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen. Aber es gehört noch mehr dazu, um eine Europameisterschaft zu gewinnen. Das wissen die Jungs der E-Jugend des SC Weiss-Blau Frankfurt. Sie haben Training auf dem 60 000 Quadratmeter großen Gelände in Niederrad, und es geht mit einer Überraschung los. "Happy Birthday", singen die zehn Elfjährigen über den Platz, marschieren auf ihren Trainer Paul Figenser zu, ein Geschenk vorweg tragend. Der ist 18 geworden. Das Geschenk ist ein Trikot mit den Unterschriften der E-Jugendlichen, "der Stars der Zukunft", sagt ein Junge. Und eine Mutter weist darauf hin: "Nachher gibt es noch Muffins." Das ist Miteinander-Füreinander.

Immer auf Augenhöhe

Jetzt erst einmal Training mit Paul und seinem Co-Trainer Max Weindl (16). "Respekt, aber auf Augenhöhe. Die Trainer sind mittendrin", betont Karl-Heinz Cambeis (55) vom SC Weiss-Blau, der im Kreis Frankfurt des Hessischen Fußballverbandes Jugendbildungsbeauftragter ist. Er hat die Mannschaft selbst drei Jahre trainiert, kennt alle - die Jungs und die jetzigen Trainer - länger als ihr halbes Leben. "Die Mannschaft ist schon immer zusammen. Die haben als Bambinis mit fünf Jahren angefangen." Jetzt sind sie elf, sind ein Team im besten Sinne des Wortes geworden. "Das ist die Art von Zusammenhalt, die uns wichtig ist", sagt Cambeis. Was ist das Erste, was Cambeis den Kleinen sagt, wenn sie ankommen? "Ich sage Hallo", lächelt er. Belehrungen gibt es nicht. "Die müssen Spaß haben", weiß er. Das führt dazu, dass die Trainingsbeteiligung bei über 95 Prozent liegt.

Das Training hat begonnen. Die Jungs versuchen, jede der drei Übungsstationen so oft wie möglich zu durchlaufen. Niemand muss angetrieben werden. Trainer Paul beobachtet. Er lobt: "Ja, genau, das ist die Ballmitnahme, die ich haben möchte." Er korrigiert: "Nur den Oberschenkel bewegen, nicht den ganzen Körper." Was die Trainer sagen, hat Gewicht, die Jungs schauen zu ihnen, ihren Vorbildern, auf.

Das technische Training beginnt erst, wenn die Nachwuchsspieler acht Jahre alt sind. "Bei den Bambinis geht es ums Tun. Da kann es auch schon mal sein, dass einer mitten im Spiel stehen bleibt, eine Blume pflückt und sie seiner Mutter bringt", schildert Cambeis.

"Das schaffst du!""Wir schaffen das!"

Um der Journalistin zu erklären, was - neben der Technik - einen guten Fußballer ausmacht, haben sie sich nebeneinander aufgestellt: Kian, Theo, Milo, Luca, Matti, Philipp, Igor, David, Vincent und Rambo. Rambo heißt eigentlich Irfan. Den Spitznamen des wortkargen Vietnamveteranen, der von Silvester Stallone gespielt wird, hat er weg, seitdem er zwei großen Jungs einen Ball abgenommen hat - und zwar widerstandslos. Und ohne ein Wort zu sagen. Aber ansonsten gilt laut Milo: "Man muss miteinander reden." "Respekt haben", ruft einer als Fußballerqualität rein. Zum Respekt gehöre der gute Umgang. Wenn einem was nicht gelingt, dann sagt Theo ihm: "Nächstes Mal kannst Du es bestimmt." Wenn einer hinfalle, dann helfe er ihm hoch, sagt Luca. "Aber erst, wenn der Schiri abgepfiffen hat", ermahnt Cambeis. Die, die kein Selbstvertrauen haben, müsse man aufbauen, findet Milo: "Dann sage ich: Das schaffst Du jetzt - wir schaffen das." Und Kian würde zur Motivation sagen: "Wir gewinnen das Ding." "Man muss immer an die Mannschaft glauben", weiß David.

Es müssten nicht alle dicke Freunde sein, aber die Harmonie sei wichtig, erklärt Vincent. Für Luca hat die Harmonie Grenzen: "Das eine oder andere mal muss man auch mal jemanden ankacken, sonst denkt er ja, er wär ... ." Und was fehlt noch? Cambeis schwingt tänzerisch die Hüften. Die Jungs lachen und sprechen durcheinander: "Spaß! Man muss Spaß haben."

Vincent wirkt nachdenklich: "Man muss sich durchbeißen, weil es ist nicht immer leicht, Fußball zu spielen." Ja, das muss man der deutschen Nationalmannschaft wohl nicht sagen, die es mit Hängen und Würgen ins Achtelfinale geschafft hat. Ob das noch was wird? Die Jungs sind skeptisch.

Mit Niederlagen müsse man umgehen können, sagt Cambeis: "Da hat es auch schon mal Tränen gegeben." Damit es bei Kimmich und Co. keine Tränen gibt, würden die elfjährigen Weiss-Blauen der Nationalmannschaft noch dies mit auf den Weg geben: "Der Hummels soll um Hummels Willen keine Eigentore schießen" (David) und "Sie sollen Selbstvertrauen haben" (Vincent). Und Muffins essen. Nach dem Training. Das stärkt den Zusammenhalt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare