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Na, dann Prost!: Die angehenden Lebensmitteltechniker Björn Steiger (31) und Daniel Wennemuth (28) haben ein alkoholfreies Bier aus altem Brot, Malz, Hopfen, Hefe und dem Extrakt aus Grüne-Soße-Kräutern erfunden.

Lebensmitteltechniker an der Bergiusschule

Bier aus Grüne-Soße-Kräutern und mehr: Schüler präsentieren gewagte Gourmet-Gerichte

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Das Wort „Lebensmitteltechniker“ klingt nach wenig Kreativität und schon gar nicht nach frischen regionalen Produkten. Das Gegenteil ist der Fall. Am heutigen Samstag zeigen Absolventen der Bergiusschule geschmacksgeniale Projektarbeiten.

Frankfurt - Im Altbau der Bergiusschule grinsen seit 101 Jahren die in Stein gemeißelten Gesichter von Max und Moritz frech aus der Wand. Ihr Blick führt Richtung Neubau, in dem sich zwischen modernsten Laboren, Lehrküchen, Bibliothek, Bäckerei, Metzgerei und einer kleinen Brauerei 16 Teams auf ihre Projektarbeiten vorbereiten. „Seit Mitte August arbeiten wir daran, etwas zu produzieren, was es noch nicht gibt. Die Idee hatten wir bei einem Bier“, so Björn Steiger (31) und zeigt auf braune Bierflaschen mit gelben Etikett.

Bier mit Oberräder Kräutern

Den Verschluss öffnet er mit einem „Plopp“ und gießt das naturtrübe, schäumende „Kräuter-Knörzchen“ in Gläser. Björn Steiger (31) und Daniel Wennemuth (28) haben ein alkoholfreies Bier aus Altbrot, Malz, Hopfen, Hefe und dem Extrakt aus Grüne-Soße-Kräutern erfunden. Das Bier riecht tatsächlich nach Kräutern und schmeckt würzig-süß. „Ihr schmeißt es weg, wir schmeißen’s rein“, erklärt Steiger das Brot im Bier, das sie mit dem Namen „Steigermuths Kräuterbräu“ versehen haben. „Man muss Brot nicht wegwerfen. Recycling ist gut für alle. Die Kräuter kommen direkt vom Bauern in Oberrad, Hopfen und Malz von kleinen Brauhäusern in der Umgebung“, berichten die angehenden staatlich geprüften Lebensmitteltechniker.

Frank Krause ist Koordinator der Fachschule. „Vier Jahre lang dauert die berufsbegleitende Ausbildung, die ganz schön anspruchsvoll ist. Wir erarbeiten naturwissenschaftlich, wie man neue Gerichte und Getränke aus frischen Zutaten entwickelt und produziert.“ Ob Säuregehalt im Joghurt, Aschegehalt im Brot oder Fettextraktion – alles wird erforscht, penibel getestet und optimiert. In großen Laboren stehen Geräte, die „Vorhof zur Hölle“ genannt werden, explosionsfeste Schränke und alles, was Chemie- und Mikrobiologie-Interessierte schwärmen lässt. Ob für die Analyse von Genmaterial oder für die Züchtung von Bakterien. Alles ist möglich und nötig.

Jan-Philipp Racky (28) ist gelernter Koch. Seine Kreation, Bällchen aus Vanilleeis mit Grüne-Soße-Kräutermantel, schmeckt köstlich.

Etwas „Handfestes“ stellen Patrick Pesta (34) und Tristan Bastian (27) vor. „Regional typisch soll es sein und auf neue Art etwas Altbekanntes abbilden. Es soll auf Umwegen junge Leute wieder zum Ursprung bringen“, erklärt Pesta. Rippchen mit Kraut mögen die beiden und machen daraus „Patty Stew“ – einen Burger aus Rippchen und Kraut. 120 Gramm wiegen die Eintopf-Fleisch-Scheiben, die mit frischen Salatblättern und Tomate zwischen Brötchen platziert werden. Kein Senf, kein Ketchup, keine Mayonnaise. „Der Geschmack des Sauerkrauts soll nicht überdeckt werden“, erklärt Bastian. Der Biss in den Burger ist ungewohnt, denn er schmeckt voll und ganz nach Rippchen mit Kraut in der Konsistenz eines Burgers. Die gelernten Köche, die in der Lebensmittelsicherung und als Leiter einer Musterabteilung arbeiten, planen schon weiter. „Mit Linseneintopf haben wir auch schon experimentiert“, so Pesta. Grüne Bällchen aus Eis

Die Lehrerin Annette Gans ist stolz auf ihre Studenten. Sie bildet in Mikrobiologie und Genetik aus. „Die Entwicklung in den vier Jahren ist erstaunlich. Wer sich für den Fachbereich Qualitätsmanagement und Lebensmitteltechnik bei uns bewirbt, steht meist voll im Berufsleben. An drei Abenden in der Woche und samstags sind sie hier und wollen sich unbedingt weiterbilden. Disziplin ist keine Frage, und das Studium ist anspruchsvoll in Theorie und Praxis. Der älteste Teilnehmer war 54 Jahre alt.“

Jan-Philipp Racky (28) ist gelernter Koch, arbeitet in einem Chemielabor in der Pharmazie. „Ich will im Leben weiter vorankommen“, sagt er. Er paniert selbst gemachtes Vanilleeis doppelt mit pulverisierten frischen Kräutern und frittiert sie. Aus der Fritteuse fischt er grüne Bällchen mit knusprig weicher Umhüllung. Das Eis bleibt kalt. Konsistenz und Geschmack sind eine geniale Mischung aus süß, frisch, würzig, knusprig und sanft. „Die Idee für das Dessert war eine Eingebung“, erzählt Racky. Der Blick von Max und Moritz wirkt auf dem Rückweg anders: Die beiden Lausbuben sehen hungrig aus . . .

Präsentation

Alle Projektarbeiten können heute ab 10 Uhr in der Bergiusschule am Frankensteiner Platz 1, Westgebäude, 3. Stock, bewundert und probiert werden. Der Eintritt ist frei.

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