Hütehündin Asta gönnt sich mit Dieter Christian (r.) und Sohn Leif eine Pause vom Schafehüten.
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Hütehündin Asta gönnt sich mit Dieter Christian (r.) und Sohn Leif eine Pause vom Schafehüten.

Schwanheim: Aus Leidenschaft

Ihre Schafe sind der Hingucker auf der Winterwiese

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Biobauern halten Herde im Naturschutzgebiet

Wie von einem Maler mit dem Pinsel in Braun, Schwarz und Weiß hingetupft, muten sie aus der Ferne an, die Schafe der Herde der Biobauern Dieter (56) und Leif Christian (23) - die weiße Leinwand ist die schneebedeckte Schwanheimer Wiese, auf der die dicht bewollten Gesellen dieser Tage grasen dürfen, wie immer während der Wintermonate. Auf einer großen, von der Stadt gepachteten Fläche wirken sie im Naturschutzgebiet als natürliche Landschaftspfleger: Ihre Klauen drücken die Grasnarbe immer wieder nieder und fördern so das Wachstum.

Immer wieder bleiben Spaziergänger stehen, beobachten die von Hütehündin Asta wie von einem Satelliten umkreisten Tiere und winken den Schäfern, Vater und Sohn, zu. "Das ist wunderbar an unseren Schafen", schwärmt Dieter Christian. "Sie faszinieren die Menschen, wecken ihre Neugier - und man ist ganz schnell im Gespräch." Dabei, räumt der studierte Agrar-Ingenieur ein, lohne sich die Schafshaltung rein finanziell nicht unbedingt für den familiengeführten Biobauernhof aus Unterliederbach. "Man muss schon Spaß an den Tieren haben".

Auf den nährstoffreichen Lössböden der Christians, von Unterliederbach über Liederbach bis Kelkheim, wachsen Dinkel, Emmer und Einkorn, aus denen die Landwirte wertvolle Mehle gewinnen. Zudem bauen sie Kartoffeln und Kürbisse an. An jedem Samstag zwischen 9 und 12 Uhr ist Hofverkauf in der Weizengasse.

Vier Mägen und reichlich Feldfrüchte

Die kleine Schafherde rundet also nur den Betrieb ab - und profitiert dabei von den Feldfrüchten des Bio-Hofes: "Ein Schaf hat vier Mägen und frisst entsprechend viel", erklärt dazu Dieter Christian. Auch wenn die gefrorenen Grashalme besonders schmackhaft für die Tiere seien - "das Wasser verdunstet, Zucker und Nährstoffe sind konzentrierter" - reiche das nicht für den großen Schafshunger: "Gerade jetzt im Winter füttern wir immer mit unseren Überschussmengen bei", fügt er hinzu, während Sohn Leif einen Bottich mit lila Kartoffeln vor den Tieren auskippt, begleitet von begeistertem Blöken.

55 Exemplare umfasst die Stammherde. "Unser Heiligtum", nennt sie Dieter Christian. Es sind weibliche Tiere, bis auf den baskischen Milchschaf-Bock namens Sightygger, der die Aufgabe hat, seine "Haremsdamen" zu begatten. "Ab dem 15. März kommen die ersten Lämmchen", erklärt Dieter Christian. Dann geht's für die Herde zurück in den Stall. Der Nachwuchs darf - in der Schafzucht keine Selbstverständlichkeit - so lange bei den Eltern bleiben, bis er entwöhnt ist. "So gibt's keinen Trennungsschmerz", betont Leif Christian.

Erst nach sieben, acht Monaten werden die Jungtiere verkauft. Einen Teil lassen die Christians auch von einer Metzgerei schlachten und bieten sie den Kunden als Lammfleisch an. Um die sehr gute Milch der Muttertiere zu melken, fehle leider die Zeit; um die Wolle zu verkaufen, schlicht der Markt. "Der Preis dafür wäre lächerlich", erklärt Dieter Christian. "So ist für uns die Wolle leider nur Abfallprodukt." Nun ja, nicht ganz, wie er schmunzelnd nachschiebt: "Wir stopfen damit unsere Hundehütten." So liegen Asta und ein weiterer Hund, der bei den Christians sein Gnadenbrot frisst, auf weichem Schafsfell. Das sei im Falle ihrer Tiere sogar noch mal besonders üppig beschaffen: "Wir haben uns für ostfriesische Milchschafe als Rasse entschieden", berichtet Dieter Christian. Mit ihrer acht Zentimeter langen, fettigen Wolle seien sie perfekt für die Winterhaltung auf freiem Feld - "ab null Grad beginnt ihre Wohlfühl-Temperatur", sagt der Landwirt.

Die Sehnsucht nach der Scholle

Der Familienbetrieb ist nach Worten von Vater und Sohn bisher gut durch die Corona-Zeit gekommen, auch deshalb, "weil sie die Aufmerksamkeit vieler Menschen stärker auf uns und unsere Produkte gezogen hat", wie Dieter Christian erklärt. Die Arbeit der Biobauern werde tatsächlich oft in einem neuen Licht gesehen. "Die Menschen schauen sich genauer in ihrer Umgebung um und schätzen, was wir machen: Wir produzieren hier vor Ort hochwertige Lebensmittel und können damit mehrere Tausend Leute versorgen - dafür werden wir anerkannt." Viele Bürger, hat er beobachtet, "haben diese Sehnsucht zurück zu ihrer Scholle. Und sie wollen sehen, wo ihr Essen wächst. " michael forst

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