Rund 40 Sängerinnen umfasst der Mädchenchor der Domsingschule. FOTO: Chor
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Rund 40 Sängerinnen umfasst der Mädchenchor der Domsingschule.

Musikalisches Jubiläum

Ihre Stimmen hell im Dom erklingen

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Frankfurter Singschule wird zehn Jahre alt - Konzertreise fiel Corona zum Opfer

Hermia Schlichtmann muss nicht lange überlegen, wenn es um ihren Lieblingsmoment in der Geschichte der Domschule geht. "Für mich war der Höhepunkt der Advent Carol Service 2019", strahlt die Leiterin. "Diese beiden Auftritte damals im Advent - einer vom Knabenchor, einer vom Mädchenchor - waren einfach so grandios, so brillant, die Musikauswahl so wundervoll. Da sind alle über sich hinausgewachsen." Jeweils 40 bis 50 Jungen und Mädchen, Harfe, Streichorchester und Orgel: Noch immer ist Schlichtmann hingerissen, wenn sie an diese spektakulären Auftritte denkt. "Damals habe ich zum ersten Mal gespürt, welche Schätze ich in diesem Chor habe!"

Zehn Jahre gibt es die Domsingschule jetzt. Und die Leiterin würde dieses Jubiläum gerne mit einem großen Geburtstagskonzert samt Orchester feiern. Doch wegen Corona geht das momentan nicht. Denn auch wenn vielerorts die Kulturbetriebe derzeit wieder anlaufen - das Angebot der Domsingschule richtet sich an Kinder im Alter von 5 bis über 20 Jahre. Und viele von ihnen sind noch ungeimpft. "Was Kinder betrifft, sind die Regeln deshalb noch sehr streng; wir sind da sehr vorsichtig", sagt Schlichtmann. Das führt dazu, dass nach wie vor in Kleinstgruppen geprobt werden muss, damit der vorgeschriebene Abstand eingehalten werden kann. Glücklich ist die Leiterin, dass bislang fast alle Mädchen und Jungen dabei geblieben sind.

Um das zehnjährige Bestehen trotz allem angemessen zu feiern, möchten Schlichtmann, zuständig für den Knabenchor, und ihr neuer Kollege Johannes Wilhelmi, Leiter des Mädchenchors, eine Edition mit Notenheften herausgegeben, die speziell für die Domsingschule in den vergangenen Jahren arrangiert wurden. Die Reihe soll 20 bis 30 Lieder umfassen und noch in diesem Jahr erscheinen.

Hermia Schlichtmann versucht, im Geburtstagsjahr, aber auch generell in der Pandemie, nicht zu sehr an das zu denken, was hätte sein können. Und das wäre eine ganze Menge gewesen. Zum Beispiel erhielten die Chöre nach ihrem fulminanten Auftritt im Advent 2019 Einladungen nach Ilbenstadt, Bad Nauheim, England und sogar Amerika - doch wegen Corona konnten die Besuche nicht stattfinden. Eine große Enttäuschung für die jungen Talente. Aber Hermia Schlichtmann und Johannes Wilhelmi versuchen, ihre Mädchen und Jungen zu motivieren, Pläne für die Zukunft zu schmieden und sich derweil auf das zu konzentrieren, was mit Abstand wieder möglich ist - zum Beispiel Auftritte im Dom, in St. Bernhard, St. Leonhard oder Allerheiligen.

Ein Novum für die Chöre, die normalerweise ausschließlich im Dom auftreten. Und eine wunderbare Möglichkeit, trotzdem weiter regelmäßig zu musizieren. Auch wenn vereinzelt Eltern noch zögerlich seien, gebe es zunehmend andere, die sich über die Möglichkeit eines Live-Auftritts freuten. Die Leiterin kann sich vorstellen, das Singen in anderen Kirchen auch über die Pandemie hinaus beizubehalten. "Unsere Priorität wird der Dom bleiben, aber darüber hinaus möchten wir auch in anderen Frankfurter Kirchen und in Kirchen außerhalb singen, an anderen öffentlichen Orten - und gerne auch auf Reisen gehen, wenn das wieder möglich ist." Etwas anderes, das auch über Corona hinaus erhalten bleiben wird, ist die Gesangsanlage, die während der Pandemie angeschafft wurde, damit die Stimmen der weit auseinanderstehenden Akteure gebündelt werden.

Generell blickt man in der Domsingschule mittlerweile wieder optimistischer in die Zukunft. So berichtet Schlichtmann, sie und ihr Team hätten während der Corona-Monate wahre "Schätze" entdecken können. "Denn durchs Proben in Kleinstgruppen - 30 Minuten mit nur wenigen Singenden - haben wir jede und jeden menschlich und stimmlich sehr gut kennengelernt und dabei einige Diamanten gefunden", sagt sie. Und auch die Möglichkeit, acht neue Kantorinnen und Kantoren per Zoom domintern auszubilden und dabei interessante Erfahrungen zu machen, gab es nur aufgrund der Pandemie.

Doch natürlich freut Hermia Schlichtmann sich auf den Tag, an dem der ganz alltägliche Proben- und Konzertbetrieb wieder erlaubt ist - und der Rückkehr der Normalität mit einem wunderbaren Konzert gefeiert werden kann. "Vielleicht können wir dann auch die Einladungen nachholen", hofft sie. red

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