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Ihre Suppen sind der Renner

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Von: Gernot Gottwals

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Theodora Lazou (links) und Helene Gläser-Gulzad kochen immer donnerstags in der Küche des Quartiersbüros am Bügel Suppe. 25 Stammgäste haben die Damen bereits - beim gemeinsamen Essen ergeben sich schnell neue Bekanntschaften. FOTO: leonhard hamerski
Theodora Lazou (links) und Helene Gläser-Gulzad kochen immer donnerstags in der Küche des Quartiersbüros am Bügel Suppe. 25 Stammgäste haben die Damen bereits - beim gemeinsamen Essen ergeben sich schnell neue Bekanntschaften. © Hamerski

Theodora Lazou lädt immer donnerstags vors Quartiersbüro ein

Die Idee kam Theodora Lazou im vergangenen Herbst nach einem Einkaufsbummel mit einer Freundin. Die hatte Lust auf eine Stärkung, doch die Verkleinerungsform der warmen Brühe brachte die 64-Jährige, die vor 15 Jahren nach Deutschland kam, etwas ins Grübeln: "Süppchen" klang für sie zunächst nicht so verständlich wie die im Englischen und Französischen fast gleichlautende "Suppe".

"Und die koche ich sogar sehr gerne, und das nicht nur für meine Freundin", betont Lazou. Und da sich die ausgebildete Köchin auch sonst mit Essen auf dem Flohmarkt am Bügel engagiert, wurde aus dem "Süppchen" schon bald etwas Großes: Ein "Suppenteller", der seit mehr als vier Wochen jeden Donnerstag von 12 bis 14 Uhr die Gourmets erfreut, die vor dem Quartiersbüro am Ben-Gurion-Ring 56 auch ihre Nachbarn auf einen Plausch treffen können. Nur an Feiertagen ist geschlossen.

Neue Bekanntschaften beim Essen

"Derzeit haben wir bereits rund 25 Stammgäste, aber wenn es wärmer wird und sich das Angebot weiter herumspricht, können auch gerne noch weitere Gäste hinzukommen", sagt Joshua Kissel vom Quartiersmanagement. Auch einige neue Bekanntschaften hätten sich beim gemeinsamen Suppenessen schon ergeben. Zumal Lazou mit Unterstützung von Helene Gläser-Gulzad nicht nur vielfältig mit heimischen und internationalen Akzenten kocht, sondern auch noch preisgünstig: 1,50 Euro sind pro Portion zu bezahlen - was auch trotz Inflation möglichst so bleiben soll. Und so gehören Spargel- und Spitzkohlsuppe ebenso zum Menüplan wie indischer roter Linseneintopf oder Currysuppe fernöstlicher Art. "Ich kalkuliere für Mengen von vier bis sechs Litern und habe meine paar Läden in Nieder-Eschbach und Bonames, in denen ich auf gute und frische, für die Saison typische Angebote achte", verrät Lazou.

Wichtig ist aber nicht nur ein wirtschaftlicher Einkauf, sondern auch eine wirtschaftliche Verwertung der Zutaten: "Bei mir entstehen praktisch kaum Abfälle, denn aus den Resten von kleingeschnittenem Gemüse koche ich die Gemüsebrühe", erzählt Lazou. So werde fast alles verwertet. Sie selbst koche auch mit Fleisch, doch für den "Suppenteller" habe man sich ausschließlich auf vegetarische Suppen verständigt.

Eine Anschubfinanzierung war für das Projekt allerdings nötig: Geleistet wurde sie vom Verfügungsfonds Frankfurt, der bürgerschaftlich orientierte Projekte und Maßnahmen zur Stärkung eines gemeinwohlorientierten Engagements unterstützt. "Dort haben wir 1000 Euro für unsere Ausrüstung mit Kochtöpfen und den Umbau unseres Küchenraums im Quartiersbüro erhalten", sagt Kissel. Die nahe gelegene Ikea-Filiale habe sich noch mit einer Regalspende beteiligt.

Ihr wichtigster Schatz ist für Theodora Lazou allerdings ihre Sammlung von 264 Suppenrezepten, die sie als digitales "Kochbuch" mit Textdateien hütet. Dafür konnte sie aus zahlreichen Ländern und Kulturen schöpfen: Ihr Vater ist griechisch-makedonischer Herkunft, ihre Mutter stammt aus einer Beduinenfamilie in Marokko. "Ich bin bei meiner Oma aufgewachsen, dort war es selbstverständlich, dass Mädchen in der Küche geholfen und gelernt haben, wie man einen Haushalt führt", berichtet sie.

Zudem lebte Lazou lange Zeit in den USA, wo sie ihre Ausbildung zur Köchin absolvierte und sich auf das Kochen für Kinder spezialisierte. Sie selbst hat sechs Kinder und konnte ihre Erfahrungen einbringen, als sie im vergangenen Jahr öfter auf Flohmärkten verkaufte: "Dort hatte ich die Idee, von den Trinkgeldern einen Burger- oder Spaghetti-Tag für Mädchen und Jungen zu organisieren."

Mit Rücksicht auf die Corona-Pandemie ist das Projekt auf Außengastronomie ausgelegt: Vor dem Quartiersbüro werden Biertische und -bänke aufgestellt, wo die Suppen serviert werden. Dazu wird Brot gereicht. Oder man kann seine Portion im eigenen, selbst mitgebrachten Suppenteller mit nach Hause nehmen. "Gerne nehme ich dabei die Wünsche für den Speiseplan der nächsten Wochen auf", sagt die Köchin, die auch gerne ihre Rezepte weitergibt.

Übrigens: Zur Wirtschaftlichkeit gehört auch, dass Lazou zum Großeinkauf nicht in die Innenstadt fährt. "Denn für regelmäßige Fahrten bräuchte ich dann eine Monatskarte, die schon wieder so viel kostet, dass ich davon fast einen Sack Kartoffeln kaufen kann." gernot gottwals

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