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Der gefundene Müll wird hinten auf dem Ffmtipptopp-Lastwagen geladen und weggefahren.

Illegaler Müll türmt sich auf

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Meist nachts, wenn keiner zusieht, und in versteckten Ecken landen immer wieder große Mengen Bauschutt, alte Reifen, Elektrogeräte, Möbel und andere Dinge am Straßenrand. Die Mengen legen nahe: Das sind keine Privatleute, hier entsorgen Gewerbetreibende illegal ihren Müll – und die Funde häufen sich.

Karl-Heinz Stiller schnappt sich zwei Reifen und wirft sie auf den kleinen Transporter. „Zwei mal hatten wir das Auto heute bereits voll. Irgendwas finden wir immer“, erzählt er. Voll heißt: Voll mit Müll. Denn die Männer von Ffmtipptopp räumen – meist im Auftrag der Stabstelle Sauberes Frankfurt – überall in Frankfurt jenen Müll weg, den andere einfach in großen Mengen an den Straßenrand werfen. Hier, an der Autobahn A 648 in Höhe der Anschlussstelle Rödelheim, sind es vor allem 17 Autoreifen, ein Kühlschrank, aber auch mehrere gammelige Bretter und einige Tüten voll mit durchweichtem Papier und anderem Müll.

Alltagsgeschäft ist das für die Männer, wie auch für Henning Wolpers. Eine Entwicklung bereitet dem Geschäftsführer der SFG, jener Gesellschaft die das Tower Café am Alten Flugplatz Bonames sowie Ffmtipptopp unter einem Dach vereint, dabei aber Sorgen, ja er ist „verärgert“, wie er in seiner nüchternen Art sagt. Denn sein Eindruck ist: Nicht nur Privatleute, sondern immer mehr Firmen entsorgen irgendwo in Frankfurt, meist an abgelegenen Stellen, einfach illegal am Straßenrand ihren Müll. „Und das auf unser aller Kosten. Denn die Entsorgung bezahlen wir, als Steuerzahler.“

Nachlässigkeit sei schon schlimm genug, etwa weggeworfene Zigarettenschachteln, Getränkedosen oder Kaugummipapier, sagt Wolpers. „Irgendjemand macht das schon weg, so lautet dabei die Devise.“ Dass sei dann eben sein Job und der seiner Mitarbeiter, daran habe er sich gewöhnt. „Aber das hier, dass wir immer öfter große Mengen etwa an Autoreifen oder Bauschutt finden und entsorgen müssen, das ist keine Nachlässigkeit. Das hat System. Da will jemand ganz bewusst das Geld für die teure legale Entsorgung sparen.“ Besonders geärgert habe er sich vor einigen Tagen, als seine Mitarbeiter zum Heiligenstockweg bei Seckbach gerufen wurden. Oft würden sie dorthin gerufen, an einen Feldweg unweit der Straße. „Da liegt immer wieder Bauschutt, auch alte Ölfässer haben wir dort schon eingesammelt. Aber jetzt hatte dort jemand mehr als 50 Autoreifen abgeladen.“ Beweisen lasse sich nicht, dass hier nicht Privatleute etwas entsorgen, sondern Firmen, der Verdacht liege aber nahe: „Da hat nicht mal eben jemand seinen Kofferraum entleert. Jemand will hier in großem Stil Kosten sparen.“

Ffmtipptopp werde gerufen, wenn gefundener Müll „nicht ins Raster“ der möglicherweise zuständigen Ämter passe. Denn mal ist das Grünflächenamt, mal das Straßenbauamt, Liegenschaftsamt, die VGF, die Bahn oder gar jemand anderes zuständig – und manchmal sei unklar, wer zuständig ist. Damit es dann schnell gehe, nehme sich die Stabstelle Sauberes Frankfurt an – und rufe dann meist Ffmtipptopp zu Hilfe. „Wir haben auch regelmäßige Touren. Den Heiligenstockweg etwa fahren wir einmal pro Woche an.“

Auch Claudia Gabriel, die Leiterin der Stabstelle, sagt, dass „es Dinge gibt, bei denen wir den Eindruck haben, dass dort nicht Privatleute etwas entsorgen“. Es sei ärgerlich, wenn „Firmen oder firmenähnliche Konstrukte“ ihren Müll in großem Stil quasi gewerbsmäßig illegal am Straßenrand hinterlassen. „Oft überschreiten die Funde die Menge des normalen Hausmülls.“

Deshalb ermittle die Stabstelle bei größeren Mengen immer in verschiedene Richtungen, sagt Gabriel. In ganz schlimmen Fällen und wenn die Wahrscheinlichkeit hoch sei, jemanden zu erwischen, würden auch Detektive eingesetzt, um die Verursacher ausfindig zu machen.

Dass es Fälle gibt, in denen Gewerbebetriebe bei der illegalen Entsorgung von Abfall erwischt wurden, bestätigt Michael Jenisch, Sprecher der Stadtpolizei. Zahlen aber habe die Stadtpolizei nicht, inwiefern erwischte Täter einen privaten oder gewerblichen Hintergrund haben. „Das ist schwer zu unterscheiden und wird auch nicht erfasst.“

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