Die Musikergruppe "Evas Apfel" hat Gärtnereien entdeckt, um sonntags live Musik aus 100 Jahren zu spielen. FOTO: leonhard hamerski
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Die Musikergruppe "Evas Apfel" hat Gärtnereien entdeckt, um sonntags live Musik aus 100 Jahren zu spielen.

Im Blütenmeer spielt die Musik

  • VonSabine Schramek
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X - x - x - x - x T - e - x - t - - - - - - - - -Corona macht erfinderisch. Vor allem Musiker. Während der Pandemie wurden zum Beispiel Treppenhaus- und Balkonkonzerte erfunden, um gute Laune zu bringen. Die Musikergruppe "Evas Apfel" hat jetzt Gärtnereien entdeckt, um hier sonntags nach Ladenschluss live Musik aus 100 Jahren zu spielen.

Sachsenhausen -Glitzernde Charleston-Kleider, weiße Federn in Stirnbändern, Steppschuhe und ein einziges Blumenmeer unter Palmen, Olivenbäumen und Sonnensegeln können gar nicht anders, als gute Stimmung zu machen. Mit gleich zwei Schlagzeugen und Kontrabass ist Frauenpower an Instrumenten und Mikrofonen. Der Herr in Weiß an der Gitarre genießt offensichtlich seinen Männer-Solo-Status. Mehr als 50 Sachsenhäuser sitzen gespannt auf weißen Klappstühlen und Bierbänken im Garten von Blumenhaus Görlich-Dorsch und trinken Wassermelonensaft aus großen Gläsern. "Wenn man schon nicht verreisen sollte, ist das hier doch eine tolle Urlaubsstimmung", sagt ein Mann und legt den Arm um seine Frau. "Sogar der Regen ist weg", sagt er lachend, denn bis wenige Minuten vor dem Konzert hat es geschüttet. Mit Handtüchern wurden Stühle und Haare schnell getrocknet, nur die Band Evas Apfel spielt unter Pavillons, damit die Instrumente geschützt sind.

"Bei mir bist Du schein" swingt es dreistimmig jiddisch durch Lavendel- und Blumenduft. Besucher lächeln und blinzeln in die Sonne, während ein Tänzer mit weißem Hemd, Fliege und weißer Weste seine Partnerin im blau-weiß gepunkteten Rock locker herumwirbelt und Jane am Kontrabass gleichzeitig steppt. Eigentlich sollte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) die Konzertreihe eröffnen, hatte sich aber laut dem Gitarristen und Sänger Gabor entschuldigen lassen, "da er nach Berlin zum Bundespräsidenten reisen musste. Er kommt dafür am 5. September in die Gärtnerei Klumpen in die Dortelweiler Straße", so Gabor, bevor er "You don't know me" von Ray Charles anstimmt. Ruhig und sanft klingt die Musik durch die Blumentöpfe, Kinder spielen leise, Erwachsene lehnen sich entspannt zurück und wippen im Takt mit den Füßen. Musik aus 100 Jahren spielen die beiden Schlagzeugerinnen Imogen und Thea Florea, Jane am Kontrabass und Gabor. "Beim Jazz gibt es so gut wie keine Schlagzeugerinnen. Überhaupt sind Frauen ganz selten an Instrumenten, wenn es um Jazz und Swing geht", heißt es und die Frauenpower legt los. Die Band spielt sonst in wechselnden Besetzungen auf Hochzeiten, Partys und Open Air. Alle sind Vollblutmusiker, haben in den USA oder Italien studiert, gelernt und gespielt. Bei "Wochenend und Sonnenschein" und "Mein kleiner grüner Kaktus" zeigt sich, dass die Frauen mindestens genauso viel draufhaben wie die männlichen Vorreiter. Mit eigenen Interpretationen, die gute Laune machen. Ob "Twisted" aus den 50er Jahren, "I will survive" von Gloria Gaynor aus den späten 1970er Jahren, "Moon River" von Andy Williams aus 1961 oder "Und der Haifisch, der hat Zähne" aus der Uraufführung der Dreigroschenoper von Berthold Brecht und Kurt Weill aus dem Jahr 1928 bis hin zu "Love me Tender" von Elvis Presley in neuer Ausführung ist alles dabei, was jazzt, swingt, rockt und Spaß macht.

Die Künstler, die aus wechselnden Besetzungen mit zu zwölf Personen auftreten, haben riesigen Spaß dabei, Soli zu spielen, Schlagzeug doppelt klingen zulassen, mehrstimmig zu singen und dem Tänzerpaar zuzusehen, wie sie vor den Zuschauern rumwirbeln. Bei "Je Veux" von Zaz aus dem Jahr 2010 rücken Paare noch enger zusammen, einige träumen, andere haben Gänsehaut von dem Groove. Selbst als es noch einmal anfängt zu regnen, bleiben die mehr als 50 Zuhörer in der traumhaften Gärtnerei und auch hinter dem Zaun haben sich einige Spaziergänger und Radfahrer versammelt, die ein paar Songs mithören möchten. Die Atmosphäre ist trotz Einhaltung aller Corona-Regeln ebenso schön wie die Musik. Bis zum 19. September treten Evas Apfel noch drei Mal in Gärtnereien auf.

Weitere Termine

Am Sonntag, 22. August, spielen "The Retrolettas" ab 16.30 Uhr im Blumenhaus Görlich-Dorsch im Hainer Weg.

Am Sonntag, 5. September, kommen Evas Apfel feat. Guests und Tänzer um 17.30 Uhr in die Gärtnerei Klumpen in die Dortelweiler Straße.

Am Sonntag, 19. September, spielt das "Jazz Sisters Quartet" ab 17.30 Uhr ebenfalls in der Gärtnerei Klumpen in der Dortelweiler Straße.

Der Eintritt kostet zehn Euro, ermäßigt 5 Euro. Ticket-Reservierungen und Infos unter https://evasapfelmusik.de/buchung.

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