Karten Liebelt, der Betriebsleiter und Kellermeister des Main-Äppel-Hauses, in seinem Reich. Neben den Edelstahltanks gibt es dort auch Holzfässchen , in denen Obstbrände reifen. "Auf diesen Calvados bin ich schon gespannt", sagt der bekennende Bierfreund.
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Karten Liebelt, der Betriebsleiter und Kellermeister des Main-Äppel-Hauses, in seinem Reich. Neben den Edelstahltanks gibt es dort auch Holzfässchen , in denen Obstbrände reifen. "Auf diesen Calvados bin ich schon gespannt", sagt der bekennende Bierfreund.

Frankfurter Ebbelwei

Im Keller tanzen die Deckelscher

  • Oscar Unger
    VonOscar Unger
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SECKBACH Äppel-Haus feiert am Samstag das Ende der Keltersaison mit Feuerschein und Musik

Beruhigend blubbern die Blasen, bewegen die orangefarbenen Deckelchen auf den Gärröhrchen rhythmisch auf und ab. Klack, klack-klack. Herbstliche Choreographie und Symphonie in einem. Und für Kellermeister Karsten Liebelt vom Main-Äppel-Haus Lohrberg untrügliches Zeichen, dass die Hefen arbeiten, die Gärung ihren geregelten Lauf nimmt.

"Das wird wieder ein gutes Stöffchen", sagt Liebelt. Auch wenn es in dieser Saison mit 23 Tonnen Kelterobst nur halb soviel Äpfel wie im Vorjahr gab. Dafür sei die Qualität besser gewesen, so der Experte. "Und es gab deutlich weniger Krankheiten."

8000 Liter in den Tanks

8000 Liter entwickeln sich in den Stahltanks im Keller unter dem Hofladen zum Ebbelwei. "Alle Fässer sind voll", meldet Liebelt. Einige wurden zudem mit Speierling und Quitte veredelt. Nun ist die Saison vorbei. Das will das Main-Äppel-Haus (MÄH) am kommenden Samstag, 6. November, ab 16 Uhr mit einem Fest begehen. Dann wird zum letzten Mal die Korbpresse in Aktion sein, gibt es den finalen Süßen des Jahres. Dazu Suppe aus dem Kessel, Akkordeonmusik und eine Feuertänzerin. Holzscheite lodern dann auch in den flachen Schalen und wärmen die Besucher bei einbrechender Dunkelheit. Ein romantischer Ausklang.

"So schließen wir eine durchaus gute Saison ab", sagt denn auch Gerhard Weinrich, Chef des MÄH, das auch als Streuobstwiesen-Zentrum firmiert. Rund 2500 Bäume zwischen Nieder-Eschbach und Bergen-Enkheim betreuen seine Leute. Genug für insgesamt 14 000 Liter, die von Hand, mit der fast historischen Packpresse oder der neuen mobilen Kelter den Äpfeln entlockt wurden und neben dem Anteil für den Apfelwein in Saft verwandelt wurden. Mal pur, mal mit Birne oder Mango. "Es gibt ein paar Schläschtschwätzer, die lästern, dass das keine regionale Frucht ist", sagt Weinrich mit weisem Lächeln, "aber der Mix schmeckt trotzdem sehr, sehr gut." Seine gute Nachricht an alle Puristen: "Selbst wenn überall die Preise steigen - bei uns nicht!" Auch in der kommenden Saison werde man das Glas für 2 Euro im Bistro ausschenken. Das hat ab sofort nur noch an den Wochenenden geöffnet (11 bis 16 Uhr). Davon nicht betroffen ist der Hofladen (dienstags bis sonntags 11 bis 16 Uhr).

Aber es gab auch Grund zum Ärger. Auf einer der Streuobstwiesen bei Berkersheim waren vor wenigen Tagen Diebe unterwegs. Rund 1,5 Tonnen holten sie offenbar unbemerkt von den Bäumen, ließen auch darunter nichts liegen. "In diesem Ausmaß haben wir das noch nicht erlebt", sagt Weinrich. "Das ist eine neue Dimension.

Vor dem Fest am Samstag wird das MÄH übrigens 250 vorbestellte Jungbäume ausgeben. Jedes Jahr eine logistische Meisterleistung. Auf dass Goldparmäne und Co. angehen mögen und in vier, fünf Jahren die ersten Äpfel tragen, die dann vielleicht für den nächsten Schoppen sorgen.

Und zuvor die Deckelscher tanzen lassen. Oscar Unger

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