In der ehemaligen Bürostadt leben inzwischen mehr als 4000 Menschen in neuen Wohngebäuden und in zu Wohnhäusern umgebauten Büros. Doch die Infrastruktur komme nicht hinterher: Noch fehlt es an Lebensqualität durch Radwege, Grünflächen, Cafés und Schul- und Betreuungsplätzen für Kinder.
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In der ehemaligen Bürostadt leben inzwischen mehr als 4000 Menschen in neuen Wohngebäuden und in zu Wohnhäusern umgebauten Büros. Doch die Infrastruktur komme nicht hinterher: Noch fehlt es an Lebensqualität durch Radwege, Grünflächen, Cafés und Schul- und Betreuungsplätzen für Kinder.

Stadtplanung

Im Lyoner Quartier in Frankfurt-Niederrad geht's zu langsam voran

  • vonStefanie Wehr
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Dem neuen Stadtteil in Frankfurt-Niederrad fehlen Grundschule, Spielplätze, Radwege und Grünflächen. Aber es mangelt an Geld.

Frankfurt – Eine Debatte ist nur so spannend, wie es gegensätzliche Meinungen gibt. In Sachen Lyoner Quartier sind sich die Parteien aber weitgehend einig: Die Entwicklung des neuen Mischviertels in der ehemaligen Bürostadt muss vorangetrieben werden. Indes kann der Ortsbeirat, der nur beratende Funktion bei der Stadt hat, nur bedingt etwas ausrichten.

Auch das wurde in der Online-Wahlkampfdebatte am Montagabend klar, zu der die Standortinitiative Neues Niederrad (SINN) eingeladen hatte. So wurden von den Kandidaten zur Kommunalwahl für Stadtverordnetenversammlung und Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) jede Menge Ansichten und Wünsche geäußert, deren Machbarkeit in den Sternen steht. Denn die Verantwortlichen sitzen in den Dezernaten, vor allem im Bau-, im Bildungs- und im Verkehrsdezernat.

In Frankfurt-Niederrad fehlt eine neue Grundschule

So war als größte Schwachstelle in der Infrastruktur des neuen Quartiers schnell die fehlende Grundschule ausgemacht, die seit 2011 dort vorgesehen ist, aber immer noch nicht steht. „Da gab es viele Versäumnisse; der Standort ist nicht optimal“, sagte Stadtbezirksvorsteherin Stefanie Then (SPD), die für die Stadtverordnetenversammlung kandidiert.

Wie berichtet, soll die Schule als Provisorium auf der im Bebauungsplan vorgesehenen Stelle, dem Sportplatz der TSG Niederrad, an der Hahnstraße gebaut werden – obwohl der in der Tagschutzzone liegt und viel Fluglärm abbekommt. Zufrieden mit dem Standort ist Ortsvorsteher Christian Becker (CDU). „Bei den Sportplätzen ist es ein guter Standort für die Schule, da ergeben sich Synergien“, sagte Becker. „Die Schule soll fünfzügig sein und muss jetzt schnellstmöglich fertig werden“.

Dass 16 Standorte im Quartier von der Stadt geprüft worden waren und kein besserer gefunden wurde, sehen die Sozialdemokraten als Versagen des Baudezernenten Jan Schneider (CDU) an. Man hätte eine Hybridschule in einem bestehenden Wohn- oder Bürohaus errichten können, schlug eine Anwohnerin im Chat vor. So wie im neuen Schönhofviertel in Rödelheim, berichtete dazu der eingeladene Vertreter der FDP aus dem Ortsbeirat 7, Sebastian Papke. Dort baut die Nassauische Heimstätte ein Wohnhaus mit Schule, deren Räume nach Schulschluss von Vereinen genutzt werden können.

Ortsvorsteher von Frankfurt-Niederrad sieht Lyoner Straße als Problem

Fehlende Transparenz bei der Entwicklung des Viertels bemängelte Knut Dörfel von der Linken im Ortsbeirat 5. „Wir wünschen uns, dass die Anwohner mitbestimmen können, wie sie dort leben wollen und was sie brauchen.“ Dasselbe sagte Sophie Gneisenau-Kempfert, stellvertretende Ortsvorsteherin von den Grünen. Es sei wichtig, dass sich dort eine „urbane Kultur“ entwickele, in der die Menschen ihr Wohnviertel mitgestalten und sich gerne dort aufhalten. Es brauche mehr „coole Cafés“ und fußläufig erreichbare Einkaufsmöglichkeiten sowie eine begehbare Anbindung ans Mainufer und an den Stadtwald.

Ein Dorn im Auge der Kommunalpolitiker ist auch die Lyoner Straße, die eine trennende Wirkung zum Stadtwald hin habe, so der Ortsvorsteher. „Wir haben mehrere Anträge eingebracht. Die Straße müsste verengt, mehr sichere Überwege und Radwege geschaffen werden. Leider hat die Stadt dazu nur gesagt, dass kein Geld da sei“, bedauert Becker. „Das ist enttäuschend“.

Dem Lyoner Quartier in Frankfurt-Niederrad fehlt Grün

Dass die Gehwege in der früheren aufs Auto ausgerichteten Bürostadt mehr Grün gebrauchen können, findet auch die Standortinitiative selbst, die vor allem ein Zusammenschluss der Unternehmen vor Ort ist. Die Stadt soll ein Freiflächenkonzept prüfen, das die Initiative vorgelegt hat, mit „mehr Flanierräumen“.

Dass zwei Spielplätze von der Stadt geplant sind, darauf wies Petra Korn-Overländer (SPD) hin: Zwischen Reiterhof und Stadtwald sowie am Telekomknoten westlich der Lyoner Straße 13. Dort ist auch der Sportplatz Hahnstraße, der nach Meinung von Korn-Overländer ausgebaut werden sollte: „Dort sollte eine neue Sporthalle für die Vereine gebaut werden, denn die Hallen im Stadtteil sind zu klein. Wir könnten uns dort auch ein Schwimmbad vorstellen.“ (Stefanie Wehr)

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