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Neue Geschäfte und Restaurants: Das ändert sich jetzt rund um die Freßgass'

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Von: Thomas J. Schmidt

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So leer ist die Freßgass' nur selten: Vor allem am Wochenende herrscht hier meist ein reges Treiben; die Mischung aus Gastronomie, Metzgereien, Parfümerien, Delikatessenläden, Modeboutiquen und Fachgeschäften, darunter Apple, lockt die Massen. FOTOs: leonhard hamerski
So leer ist die Freßgass' nur selten: Vor allem am Wochenende herrscht hier meist ein reges Treiben; die Mischung aus Gastronomie, Metzgereien, Parfümerien, Delikatessenläden, Modeboutiquen und Fachgeschäften, darunter Apple, lockt die Massen. © Hamerski

Ob Freßgass', Goethestraße oder Biebergasse: Abrisse und Neubauten bestimmen das Bild von Frankfurt – die Stadt wandelt sich ohne Unterlass.

Frankfurt – Die Freßgass' gehört zu den besten Lagen Frankfurts mit den höchsten Mieten. Bis zu 200 Euro pro Quadratmeter werden aufgerufen. So rasch angesichts der Mieten in der Freßgass' und der Nachbarschaft - der Biebergasse, der Luxusmeile Goethestraße sowie dem Börsenplatz - der Wechsel an Geschäften ist, so lohnend sind Investments an Frankfurts nobelstem Standort.

So tut sich denn auch einiges. Zwei große Bauvorhaben laufen beziehungsweise stehen an. Den Plänen der Bauherren zufolge wird sich allerdings der Charakter der Freßgass' nicht wesentlich ändern: "Die Immobilienwirtschaft versucht ja immer - und muss es auch - große Einkaufsflächen zu ersetzen durch mehr Gastronomie und mehr Event", sagt Joachim Stoll, Sprecher der Frankfurter Einzelhändler. "Das wird auch in der Freßgass' so sein."

Frankfurter Freßgass' ist beliebte Einkaufs- und Gastronomiemeile

Das Haus in der Großen Bockenheimer 24 steht leer. Die Stadt bearbeitet zurzeit einen Abrissantrag und einen Bauantrag. Eigentümer ist die Aachener Grundvermögen, eine Immobilienfirma im Besitz mehrerer katholischer Bistümer. Sprecherin Sonja Nees sagt auf Anfrage: "Das alte Gebäude soll durch ein zeitgemäßes Wohn-, Büro- und Geschäftsgebäude ersetzt werden." Es war im Jahr 1956 errichtet worden. Und es ist eines der großen Häuser in dieser Lage; denn es reicht nach hinten bis an den Platz vor dem Parkhaus Börse. Der Hessische Rundfunk hatte dort einst die erste Kochküche eingerichtet. "Aber das ist lange vorbei", so Stoll. "Zuletzt war hier nichts mehr, was fehlen wird."

In der Biebergasse lockte einst ein großes Schuhhaus die werte Kundschaft an - im Neubau wird es wieder zwei Eingänge geben.
In der Biebergasse lockte einst ein großes Schuhhaus die werte Kundschaft an - im Neubau wird es wieder zwei Eingänge geben. © Hamerski

H&M soll ins Frankfurter Pop-Up-Lokal "Fetter Bulle"

Die Aachener Grundvermögen möchte an der Stelle bis 2024 ein zeitgemäßes Gebäude erstellen, mit sechs Stockwerken und einem Staffelgeschoss. "Durch eine steinerne Lochfassade wird sich der Neubau optisch stimmig in das Gesamtbild der Einkaufs- und Gastronomiemeile Freßgass' einfügen", so Neeb. Im Erdgeschoss und ersten Oberstock gibt es Flächen für Einzelhandel und Gastronomie - angeblich plant H & M den Einzug ins Pop-Up-Lokal "Fetter Bulle" (vormals "Maredo"). Im zweiten Obergeschoss gibt es Büros und vom dritten bis zum sechsten Stock werden 15 Wohnungen entstehen.

Ein Stück weiter in Richtung Zeil, in der Biebergasse 6-10, steht bereits ein großer Neubau. Der Vorgängerbau, ein nüchternes Geschäftshaus der 1960er Jahre, ist längst abgerissen. Der Großmieter dort war das Schuhhaus Görtz gewesen.

Nobel-Sandwiches und neuer Grieche in der Frankfurter Innenstadt

Die "AXA Investment Managers" errichtet hier ein Büro- und Geschäftshaus mit Eingängen am Frankfurter Börsenplatz und in der Biebergasse. Das Gebäude wird laut AXA acht Stockwerke und mehr als 14 000 Quadratmeter Fläche haben. Ins Erdgeschoss ziehen auf rund 4300 Quadratmetern für Einzelhandel und Gastronomie ein, in den oberen Etagen sind rund 10 000 Quadratmeter für Büros vorgesehen. Parkplätze gibt es für 66 Fahrzeuge. Im zweiten Stock sind zwei begrünte Innenhöfe geplant, hinzu kommt eine Terrasse im siebten Stock. Die Fertigstellung soll Ende 2023 sein.

Jenseits der großen Baustellen gibt es, wie überall in Frankfurt, auch Wechsel bei den Mietern. "Der Grieche" aus der Kaiserhofstraße baut gerade die ehemalige "Eberts Suppenküche" um, Große Bockenheimer 42. In die Freßgass' 46 zieht eine Filiale des britischen Sandwich-Franchiseunternehmens "Pret a Manger", das Café Dolce neben McDonald's stellt Tische auf die Straße. Die Monza Caffè & Bar und die Streuselbar wagten die Eröffnung trotz der für viele Gastronomen harte Corona-Pandemie und konnten sich halten.

Wird abgerissen: Die Große Bockenheimer 24. "Der fette Bulle" servierte in Nachfolge des "Maredo" nur vorübergehend Steaks. FOTO: Enrico Sauda
Wird abgerissen: Die Große Bockenheimer 24. "Der fette Bulle" servierte in Nachfolge des "Maredo" nur vorübergehend Steaks. © Enrico Sauda

"Liebeskind" aus Berlin kommt nach Frankfurt

Auch in der Nachbarschaft tut sich einiges. So ist in die Goethestraße 35 ein neuer Einzelhändler eingezogen: Das Modelabel "Liebeskind" aus Berlin, längst von "S.Oliver" geschluckt; war bis vor einigen Jahren noch in der Schillerstraße beheimatet. Zuvor residierte hier ein mittelständischer Textilhändler, Uli Knecht. Der Stuttgarter Unternehmer bedauert: "Ich habe die geplante Mieterhöhung nicht mitmachen können - 60 000 Euro im Monat für knapp 300 Quadratmeter, das gibt der klassische Einzelhandel nicht her." Schon gar nicht nach der Corona-Krise, nach der die Frankfurter Innenstadt erst einmal wieder zum Leben erweckt werden musste.

Das Label "Liebeskind" wagt es trotzdem und hat die 160 Quadratmeter Verkaufsfläche in einem gewollt unfertigen Stil gehalten: Rau und kompromisslos. So wie der Existenzkampf am teuersten Standort Frankfurts. (Thomas J. Schmidt)

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