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Prozess in Frankfurt: Mann erschlägt im Suff den Vater – gemeinsamer Drogenkonsum

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Ein 28-Jähriger steht wegen Totschlags vor dem Landgericht Frankfurt. Er gibt zu, den Vater im Streit totgeprügelt zu haben. Mit 13 begann sein Konsum.

Frankfurt – Es ist eine bizarre Welt, die sich am Montagmorgen (18. September) vor dem Landgericht entfaltet. Der 28 Jahre alte Valentin B. muss sich dort wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Er soll am 13. Februar 2022 in der Praunheimer Wohnung, in der er mit seinem damaligen Verlobten und seinem Vater lebte, seinen Verlobten laut Anklage „mit der Faust, der Rückseite eines Fischmessers und einem Lattenrost“ verprügelt haben. Am 1. April schlug er dann im Streit seinen Vater tot. Er ging mit bloßen Fäusten auf ihn los – der 59-Jährige starb noch am Tatort. Etliche Knochen waren gebrochen, mehrere innere Organe funktionsunfähig geprügelt. Laut Testergebnis hatte B. zum Tatzeitpunkt zwischen 2,2 und 2,8 Promille Alkohol und Ritalin intus.

Angeklagter soll seinen Ex-Verlobten ver- und seinen Vater totgeprügelt haben

B. bestreitet, seinen Ex-Verlobten jemals verprügelt zu haben. Die Verletzungen habe der sich selber beigebracht, er sei „Borderliner“ mit Hang zur Selbstverletzung. Das Opfer ist schwer zu befragen: Der Mann, der 2016 nach Deutschland kam, um Architektur zu studieren, ist mittlerweile in seine indonesische Heimat zurückgekehrt. Dass er seinen Vater erschlagen habe, gibt Valentin B., der unter ADHS leidet, unumwunden zu. Im Suff, im Streit. „Ich weiß gar nicht mehr, worum es ging. Ich habe wohl meine Kraft unterschätzt.“ Gewollt habe er das nicht. Er habe seinen Vater geliebt.

Eine Richterbank im Landgericht Frankfurt.
Vor dem Landgericht Frankfurt muss sich ein 28-Jähriger wegen Totschlags verantworten. © Fredrik von Erichsen/dpa

Er erzählt der Kammer von seiner Kindheit in einer Problemfamilie. Früh habe er sich die Hobbys seiner Eltern zu eigen gemacht: mit 13 Jahren Alkohol, mit 14 Gras, mit 15 Koks, mit 16 den ganzen Rest. Zum Vater habe er eigentlich ein gutes Verhältnis gehabt. Bis sein damaliger Verlobter eingezogen sei. Der sei „extrem eifersüchtig“ gewesen und habe kaum geduldet, dass er mit seinem Vater überhaupt noch spreche. Der Vater habe sich daraufhin in noch mehr Alkohol geflüchtet, die Flaschen nicht mehr zurückgebracht und die Bude verlottern lassen. Wenn sein Verlobter sich nicht selbst verletzt habe, habe er im Zorn die Wohnungseinrichtung zu Kleinholz geschlagen. So erklärt B. auch den desolaten Zustand der Wohnung, der selbst die Kummer gewohnte Polizei tief beeindruckte.

Besoffen im Testzentrum: Angeklagter konnte das Testzentrum dennoch leiten

Bemerkenswert ist, dass B. in der Zeit vor der Tat nach eigenen Angaben neben anderen Drogen auch ein bis zwei Liter Wodka täglich kippte – und trotzdem als Leiter eines Corona-Testzentrums arbeiten konnte. „Wir trugen alle Masken - und es roch ohnehin nach Alkohol wegen der Desinfizierungsmittel.“

Nachdem sein Verlobter ihn verlassen habe, hätte sich das Verhältnis zu seinem Vater wieder gebessert. „Er hat sich sogar extra Urlaub genommen, um mit mir zusammen Alkohol und Drogen zu konsumieren“. Das sei eigentlich eine recht schöne Zeit gewesen, die aber dann am 1. April ein schreckliches Ende genommen habe.

„Ich weiß, dass ich für meine Tat bestraft werden muss“, sagt Valentin B., der zumindest auf der Anklagebank so gar nicht dem Bild eines brutalen Wüterichs entspricht. Vor allem aber wünscht er sich, „eine Therapie gegen meine Sucht zu machen – und herauszufinden, warum ich so bin“. Ein Urteil soll Ende Oktober gesprochen werden. (Stefan Behr)

Das Oberlandesgericht Frankfurt hob vor kurzem Haftbefehle auf, weil die zuständige Kammer nach eigener Ansicht überlastet ist. Fünf mutmaßliche Kokaindealer sind auf freiem Fuß.

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