Kultur in Sachsenhausen

Im Theater Alte Brücke wird wieder gespielt

  • Stefanie Wehr
    VonStefanie Wehr
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Nach fast zwei Jahren geht es endlich wieder los im kleinsten "Off-Broadway-Theater der Welt" mit Theater, "StegMus", Kabarett und Kinderprogramm.

Vor dem Haus ist eine Baustelle, und auch drinnen ist noch nicht alles fertig: Die drei Macher vom Theater Alte Brücke sind in den letzten Zügen, um zur Wiedereröffnung das Haus fit für Besuch zu machen. Die Stühle werden noch eingeräumt und die Wandbilder vervollständigt.

Am 20. November um 19.30 Uhr ist Premiere des neuen Kabarett- Stücks "Irgendwo auf der Welt". Der Vorverkauf läuft heute an. Und Alexander Beck, Sabrina Faber und Jan Peter Nowak, das Team des Stadtteil-Theaters, freuen sich darauf. Sie wollen anknüpfen an die gute Zeit vor den Lockdowns. Denn im Herbst 2019 lief es gerade bestens für "das kleinste Off-Broadway-Theater der Welt". Dann schlossen sich wegen Corona abrupt die Türen an der Kleinen Brückenstraße 5, die drei suchten sich Ersatz-Jobs. Im April 2020 rettete noch eine Spendenaktion das Theater, bis erste Corona-Hilfen flossen. Immerhin durften sie eingesetzt werden für Investitionen. An der Decke surrt nun kaum hörbar die doppelte Klimaanlage mit Viren- und Corona-Filter. Der kleine Raum, in dem rund 50 Gäste Platz haben, hat sogar eine neue, größere Bühne bekommen. Dank des neuen Kamera-Equipments wurden auch Online-Lesungen möglich, um das Programm wenigstens rudimentär am Laufen zu halten.

Alexander Beck schrieb im Lockdown das Stück "Irgendwo auf der Welt." Die Hommage an jüdische Künstler der Weimarer Republik ist ein bittersüßes und auch trauriges Stück über die Geschichte verjagter, vertriebener und ermordeter jüdischer Komponisten des Berlins der 20er und 30er Jahre. Sie schrieben wohlbekannte Lieder wie "Ein Freund, ein guter Freund" oder "Veronika, der Lenz ist da". Die Schicksale hinter den Chansons sind aber weithin unbekannt. Mit von der Partie sind Alexander Beck, Sabrina Faber und Stanislav Rosenberg am Klavier.

Außerdem steht ab 28. November wieder eine Weihnachtssatire auf dem Programm. "Liebling, wer hat mein Christ-Kindle versteckt?" Die Story: Eine künstliche Intelligenz regiert Europa. Sie will Weihnachten abschaffen. Im Untergrund regt sich Widerstand - die Rebellen wollen die KI davon überzeugen, Weihnachten doch nicht zu löschen - keine einfache Aufgabe.

"Wir hoffen, dass das Publikum Lust hat, sich wieder auf Theater einzulassen nach der langen Zeit", sagt Alexander Beck. Die Befürchtung, sich mit Corona anzustecken, stecke immer noch in den Leuten. Doch die Lüftung und die Tatsache, dass die 2G-Regel gilt, könnte einige beruhigen. Das hätte schließlich das Publikum selbst so entschieden: Auf der Facebook-Seite des Theaters rief Beck vor kurzem zu einer Abstimmung auf, die eindeutig ausfiel: Zwei Drittel stimmten für 2G.

Mehr Stücke im englischen Original

Als Drittes ist die Wiederaufnahme des "StegMus" ab 4. Dezember geplant. Beim "Stegreif-Musical" (hauseigene Wortschöpfung) singt, tanzt und spielt ein Schauspieler ein komplettes Musical - ohne zuvor gewusst zu haben, welches. Diese Improvisationsshow der besonderen Art hat das Publikum schon vor Corona enorm begeistert.

Die Theatermacher haben zudem jede Menge Pläne. Alexander Becks Steckenpferd, modernes amerikanisches Theater, soll noch mehr in den Vordergrund rücken, und die Broadway-Adaptionen nicht nur auf Deutsch, sondern auch im englischen Original zu sehen sein. Das Theater würde mit dem Angebot eine Nische in Frankfurt füllen. "Wir haben es ausprobiert, und es kam sehr gut an. Es wäre auch eine Chance für englischsprachige Schauspieler, von denen es mehr in der Stadt gibt, als man denkt", sagt Beck.

Infos und Theaterkarten

Tickets für die Premiere am 20. November und die folgenden Vorstellungen gibt es auf www.theater-alte-bruecke.de und an allen VVK-Stellen.

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