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Im zweiten Anlauf an die Spitze

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Von: Alexandra Flieth

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Alexander von Heißen (27) hat beim Internationalen Bach-Wettbewerb Leipzig den ersten Platz im Fach Cembalo belegt und seine internationale Konkurrenz auf die Plätze verwiesen.
Alexander von Heißen (27) hat beim Internationalen Bach-Wettbewerb Leipzig den ersten Platz im Fach Cembalo belegt und seine internationale Konkurrenz auf die Plätze verwiesen. © Enrico Sauda

Alexander von Heißen ist Bachpreisträger

Seit kurzem darf sich Alexander von Heißen (27) Bachpreisträger nennen. Er gewann beim diesjährigen XXIII. Internationalen Bach-Wettbewerb Leipzig den ersten Platz im Fach Cembalo und verwies seine internationale Konkurrenz auf die Plätze. Mittlerweile ist der seit drei Jahren in Bergen-Enkheim lebende Musiker aus der sächsischen Großstadt zurückgekehrt und probt in den Räumen der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) in der Eschersheimer Landstraße 29 für ein Konzert, das er in der kommenden Woche im norditalienischen Bozen spielen wird. Dort, in einem Raum des Fachbereichs Historische Interpretationspraxis (HIP), stehen gleich drei Cembali, auf denen das Proben möglich ist.

Seine Leidenschaft ist die Alte Musik - unter diesen Begriff werden Kompositionen vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhunderts hinein zusammengefasst. In diese Zeit fallen die Schaffensphasen weltberühmter Komponisten wie Johann Sebastian Bach (1685 - 1750), Georg Philipp Telemann (1681 - 1767) oder Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791). Es ist auch die Zeit des Cembalos, das als Zupfklavier beschrieben werden kann und dessen Anfänge bereits auf das 15. Jahrhundert zurückgehen.

Seine Begeisterung für das Cembalo, einem Instrument, das sich vor allem auch in der Epoche des Barock (1600 -1750) großer Beliebtheit erfreute, habe er im Alter von zwölf Jahren entdeckt, erzählt es von Heißen, der sein Musikstudium an der HfMDK noch nicht ganz beendet hat. Nach Bachelor und Master studiert er derzeit noch im Konzertexamen bei Professorin Eva Maria Pollerus. An der Hochschule sind gerade Semesterferien und nach dem geplanten Konzert in der kommenden Woche, legt auch Alexander von Heißem erst einmal eine kurze Sommerpause ein, bevor es im Herbst wieder weitergeht - mit Konzerten und als Lehrkraft für besondere Aufgaben für Cembalo und Generalbass an der HfMDK.

"Ich hatte im Alter von acht Jahren damit angefangen, Klavier zu spielen", erzählt er weiter. "Als ich auf der weiterführenden Schule war, bereitete ich mich zusammen mit einem Mitschüler, der Blockflöte spielte, auf einen Jugendmusikwettbewerb vor." Das Cembalo und die Blockflöte bildeten musikalisch beide dieselbe Zeit ab, erklärt er weiter. Durch die Vorbereitungen auf den Wettbewerb ist Alexander von Heißen in Kontakt gekommen mit dem Cembalisten Diez Eichler, der ihn bis zum Abitur im Cembalo unterrichtet hat. Damals noch in Bad Vilbel, wo von Heißen aufgewachsen ist und das Georg-Büchner-Gymnasium besuchte. Seit 2014 studiert er an den HfMDK Cembalo im Hauptfach und Hammerklavier im Nebenfach.

Alexander von Heißen hat in den vergangenen Jahren Wettbewerbserfahrungen sammeln können und nahm 2018 schon einmal am Internationalen Bach-Wettbewerb teil. "Damals rechnete ich nicht damit, ins Finale einzuziehen", gesteht er. Doch genau das sei passiert und er sei hierauf nicht ausreichend vorbereitet gewesen. "Es war ein Fehler, zu denken, dass ich es nicht ins Finale schaffe", räumt er im Rückblick ein. Die Zeit zum Üben sei schließlich nicht ausreichend gewesen, er habe 2018 aber den Sonderpreis des Leipziger Barockorchesters erhalten und durfte mit den Musikern insgesamt drei Konzerte spielen.

Ende Juni, nur wenige Wochen vor dem Finale des Internationalen Bach-Wettbewerbs, spielte er sogar noch ein Konzert in der Laurentiuskirche in Bergen-Enkheim zusammen mit Wolfgang Runkel, dem Kantor der evangelischen Kirchengemeinde des Stadtteils. Die beiden kennen sich seit einigen Jahren vom Stimmen der Tonorgel an der Oper Frankfurt für dortige Produktionen. Regelmäßig organisiert Wolfgang Runkel dort in der Kirche Konzerte, als nächstes etwa mit dem Organisten der Thomaskirche Leipzig, Johannes Lang, am 14. August um 17 Uhr ein Festkonzert zum zehnten Geburtstag der Woehl-Orgel in der Laurentiuskirche (siehe Beitext).

Alexander von Heißen fühlt sich wohl in Bergen-Enkheim, wo er zusammen mit seiner Verlobten lebt. "Es ist ein Stadtteil mitten im Grünen und einer guten Anbindung zur Innenstadt. Genau so etwas haben wir gesucht", beschreibt er die Gründe für die Entscheidung. Und das Konzert Ende Juni wird auch nicht das letzte gewesen sein, das er in Bergen-Enkheim gegeben hat, verspricht er.

Zunächst aber warten noch viele spannende Projekte auf ihn, darunter auch die Veröffentlichung eines Solo-Albums mit Werken von Johann Sebastian Bach und Louis Marchand sowie eine Produktion der Oper Frankfurt im März kommenden Jahres, bei der er erstmals mit im Orchester spielen wird.

Alexandra Flieth

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