Umstrittene Moschee in Enkheim

Imam-Tochter radikalisiert

Gegen die 17 Jahre alte Tochter eines Imams in Enkheim ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Das Mädchen soll Kontakte zu IS-Angehörigen gehabt und seine Ausreise nach Syrien vorbereitet haben, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft

Die Abu Hanifa Moschee im Stadtteil Bergen-Enkheim ist in Sachen Islamismus offenbar kein unbeschriebenes Blatt. Der Verfassungsschutz stuft sie als „islamistisch beeinflusst“ ein. Laut dem Hessischen Verfassungsschutz kann „nicht ausgeschlossen werden, dass im Umfeld der Moschee Ausreisen in den Dschihad nach Syrien stattgefunden haben“.

Nach internen Informationen des Staatsschutzes der Polizei handelte es sich bei den Besuchern der Moschee „phasenweise um Personen, die die deutsche Verfassung für sich nicht anerkennen“. Darunter „Syrien-Rückkehrer, IS-Sympathisanten, aber auch sogenannte Anwerber des IS“.

Nach Informationen des Radiosenders HR-info ermittelt die Staatsanwaltschaft aktuell gegen die minderjährige Tochter des Imams der Moschee – wegen möglicher Kontakte zur Terrororganisation IS. Sie soll vorgehabt haben, nach Syrien auszureisen. Bei einer Hausdurchsuchung wurde ihr Handy beschlagnahmt. Die Auswertung läuft noch. Ob auch Anklage erhoben wird, steht noch nicht fest.

„In der Vergangenheit fanden in der Moschee überregional besuchte salafistische Veranstaltungen statt“, teilte ein Sprecher des Verfassungsschutzes in Wiesbaden mit. „In der Gesamtschau kann nicht ausgeschlossen werden, dass salafistische Akteure, die die Moschee als Anlaufstelle genutzt haben, in der Folge eine dschihadistisch motivierte Ausreise nach Syrien oder in den Irak durchgeführt haben.“

Schräg gegenüber der Moschee hat die Stadt in einer Unterkunft derzeit 79 Flüchtlinge untergebracht, darunter 14 Minderjährige. Die Ausrichtung der Moschee sei bekannt gewesen, als das Haus eingerichtet wurde, sagte Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats. Stadt, Ermittler und der Träger der Einrichtung seien sensibilisiert und gemeinsam sowie mit den Bewohnern im Gespräch. Der Betreiber, eine Tochter des Vereins für Kultur und Bildung (Kubi), musste vor Bezug ein Konzept vorlegen, wie die unbegleiteten Jugendlichen über die Gefahren der Islamisierung aufgeklärt werden.

Nach Recherchen von HR-info besuchen allerdings mehrere Flüchtlinge das Freitagsgebet in dem schräg gegenüber liegenden Gotteshaus. Auch aus mindestens einer weiteren Flüchtlingseinrichtung in der Nähe seien während des Ramadans etliche Flüchtlinge dorthin gegangen.

Gegenüber dem Staatsschutz soll sich der Imam Said Khobaib Sadat vom „Islamischen Staat“ distanziert haben. Laut den Ermittlern kann nicht als sicher gelten, dass er von den Besuchen der Radikalen Kenntnisse hatte. Rechtlich bewege sich der Imam in einem „noch straffreien Bereich“, zitiert der HR die Staatsschützer. Sadat selbst hat bislang auf Fragen zu möglichen Verbindungen zum IS nicht reagiert. Warum sich seine Tochter offenbar radikalisierte, ist offen.

Am 6. September traf sich eine Runde von Flüchtlingsunterkunftbetreibern mit Staatsschutz, dem Sozialamt, dem Amt für Multikulturelle Angelegenheiten und der Polizei zu einem Runden Tisch. Man war sich einig, dass diese Moschee insbesondere für junge Flüchtlinge kein geeignetes Umfeld ist. Den Flüchtlingen werden nun alternative Angebote gemacht, wo sie zum Beten gehen können. Unter anderem wurde ein Gebetsraum in einer Unterkunft eingerichtet. Auch Aufklärungsgespräche mit den Flüchtlingen soll es gegeben haben. lhe/red

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare