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Beschäftigung

Immer mehr Rentner arbeiten: Das sind die Gründe

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Immer mehr Rentner gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Für die Unternehmen können Senioren dank ihrer Erfahrung eine Bereicherung sein. Aber Gewerkschaften kritisieren, viele Rentner müssten arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Viele deutsche Rentner sind fleißig. Auch im Ruhestand gehen sie noch einer Beschäftigung nach. Nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales verdienten sich im Jahr 2016 knapp 1,4 Millionen Ruheständler noch etwas zur Rente hinzu. Das sind rund sieben Prozent der insgesamt etwa 21 Millionen Rentner in Deutschland.

Auch in Hessen arbeiten Rentner im Ruhestand häufig noch. Laut Angaben des Statistischen Landesamtes sind es rund 90 000 Menschen, die im Jahr 2016 nach ihrem Renteneintritt noch einer Erwerbstätigkeit nachgingen. Das ist eine Steigerung gegenüber 2011 um rund 30 Prozent.

Warum Rentner noch arbeiten, anstatt ihren Ruhestand zu genießen, darüber gibt es Streit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vertritt die Meinung, immer mehr Rentner könnten sich „den Ruhestand nicht leisten“. Arbeitgeber argumentieren, Unternehmen versuchten, Senioren als Arbeitnehmer an sich zu binden, weil diese erfahren im Job seien.

Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen, fordert, dass die Menschen gesund und „materiell abgesichert in den wohlverdienten Ruhestand“ gehen sollten. „Dafür brauchen wir die Stabilisierung und Anhebung der gesetzlichen Rente und mehr Gesundheitsschutz in den Betrieben“, fügt Rudolph hinzu.

Stefan Hoehl, Geschäftsführer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik beim Verband hessischer Unternehmerverbände, sieht in den fleißigen Rentnern positive Aspekte für die Wirtschaft. „Für immer mehr Unternehmen sind motivierte Arbeitskräfte auch jenseits der Altersgrenze wertvolle Arbeitskräfte“, sagt er. „Auch die Sozialkassen profitieren.“ Ein Erwerbsleben muss nach Ansicht Hoehls nicht mit dem Rentenalter enden. In Arbeit zu bleiben, bedeute für viele Rentner, ihre sozialen Kontakte zu behalten und „einen sinnvollen und strukturierten Tagesablauf“ zu haben. Viele wollten sich vom Verdienst „Extrawünsche“ erfüllen.

Und von mehr älteren Beschäftigten profitierten die jüngeren. Denn Unternehmen brauchen jede Fachkraft, die mit ihrer Produktivität zum Unternehmenserfolg beitragen und so weitere Beschäftigungschancen schaffen, sagt der Arbeitgeber-Vertreter. Dem widerspricht Gewerkschafter Rudolph und verweist auf „viele junge qualifizierte Berufseinsteiger“, die befristete Arbeit annehmen müssten, was die Planung des weiteren Lebensweges erheblich beeinträchtige.

Und noch ein Problem hat Rudolph ausgemacht. Aus seiner Sicht sollten sich Unternehmen, die nicht ausbildeten, nicht darüber wundern, wenn plötzlich die Fachkräfte fehlten und man deshalb auf Rentner zurückgreifen müsse. Generell helfe die Weiterbeschäftigung von Rentnern nicht bei der Bewältigung des Fachkräftemangels, so Rudolph weiter.

Unterdessen fordert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dass Arbeitgeber mehr Freiheit bei der Einstellung von Rentnern bekommen sollen. Bei ihnen sollten Unternehmen Arbeitsverträge ohne Einschränkung befristen dürfen. Die DIW-Experten Gert Wagner und Cornelius Richter sehen keine Gefahr, dass die älteren Arbeitnehmer jüngere verdrängen könnten.

Die statistische Auswertung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales nennt keine Gründe, warum Rentner einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Zieht man aber andere Studien zu Rate, dann zeigen diese, dass ein großer Teil der Senioren mit einer Beschäftigung die gesetzliche Rente aufbessern will. Es seien Frauen, die weitaus häufiger als männliche Rentner in einem Minijob arbeiteten. Andere Rentner arbeiten aber auch „freiwillig“ weiter – und das aus Freude an ihrer Tätigkeit.

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