Bemalte Steine haben Mitglieder der Bürgerinitiative an der Gedenkstelle neben dem Bahnübergang an der Oeserstraße niedergelegt, um Cindys Tod zu gedenken. Gestern Abend gab es über die Sozialen Medien einen kurzen Film der Bürgerinitiative zu sehen. Foto: Maik Reuß
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Bemalte Steine haben Mitglieder der Bürgerinitiative an der Gedenkstelle neben dem Bahnübergang in Frankfurt an der Oeserstraße niedergelegt, um Cindys Tod zu gedenken.

Tragisches Unglück

Immer noch Entsetzen in Frankfurt: Ein Jahr nach Cindys Tod – die Schranke muss weg

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Vor einem Jahr kommt die 16-jährige Cindy aus Nied bei einem schrecklichen Unfall ums Leben. Die Frankfurter Bürgerinitiative kämpft weiter für Gerechtigkeit.

Frankfurt – Vor einem Jahr starb die 16 Jahre alte Cindy aus Nied auf dem Bahnübergang an der Oeserstraße. Zwei weitere Menschen wurden damals schwer verletzt. Wie genau das Unglück geschah, ist noch immer nicht abschließend geklärt: Fest steht, dass ein Regionalzug der Hessischen Landesbahn (HLB) bei geöffneten Bahnschranken durchfuhr. Cindy starb nur wenige hundert Meter von ihrem Elternhaus entfernt.

Warum die Schranken offen waren, fragen sich auch die Mitglieder der Bürgerinitiative "Die Schranke muss weg", die sich nach dem Unglück gegründet hat. Angeblich, so meldeten sich schon damals Zeugen zu Wort, seien die Schranken kurz vor dem Unglück nach einer längeren Schließungszeit geöffnet worden, weil Autofahrer in den Warteschlangen zu beiden Seiten angesichts der endlosen Wartezeit zu hupen begonnen hätten. Mehrere Züge seien zu dem Zeitpunkt bereits durchgefahren gewesen, ohne dass sich die Schrankenbäume wieder geöffnet hätten.

Unglück in Franfurt: Bürgerinitiative informiert auf Social Media

Der Frankfurter Staatsanwaltschaft liegen zwei Gutachten zum Ablauf des Unfalls vor; ein Ergänzungsgutachten sei noch in Arbeit, teilt eine Sprecherin mit. Gegen die Schrankenwärterin, die damals an Frankfurts letztem noch von Hand betriebenen Bahnübergang Dienst tat, wird wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Bahnbetriebs ermittelt. Es verdichten sich aber auch Hinweise, dass ein technischer Defekt das Unglück erst möglich gemacht hat: Aus einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung geht hervor, dass es zum Unfallzeitpunkt eine Störung gegeben habe (wir berichteten) - sonst hätte die Schrankenwärterin die Anlage gar nicht von Hand öffnen können. Doch die Schranken gingen an diesem Abend des 7. Mai hoch, Fußgänger und Autofahrer passierten die Gleise. Cindy, die zu Fuß auf dem Heimweg war, wurde ebenso von dem durchfahrenden Zug erfasst wie eine Autofahrerin und ein Radfahrer, die beide schwer verletzt wurden.

Am Freitagabend informierte die Bürgerinitiative ihre Mitglieder auf Facebook mit einer abgefilmten Powerpoint-Präsentation über den Stand der Dinge. BI-Sprecherin Heike Stoner legte mit anderen Mitgliedern des Organisations-Teams anschließend Blumen an der Gedenkstelle nieder, die an der Einfahrt zum Grundstück der SG Nied angelegt worden ist.

Franfurter Bürgerinitiative: „Werden wieder auf die Straße gehen“

"Eigentlich hatten wir eine Gedenk-Demo angemeldet und auch genehmigt bekommen", berichtet sie. Dann seinen die Corona-Zahlen aber so in die Höhe geschnellt, dass die BI auf eine Präsenzveranstaltung verzichtet habe. "Wir werden aber wieder auf die Straße gehen", sagt Stoner - spätestens im Spätsommer, "wenn alle geimpft sind".

Als nächstes soll der Bahnübergang bis Ende des Jahres technisch aufgerüstet werden; so sollen zum Beispiel Ampeln installiert werden. Bislang gibt es nur Andreaskreuze. An ihrer Forderung, den Bahnübergang durch eine Unterführung zu ersetzen, hält die BI fest. Rund 250 Züge passieren täglich den Übergang, über dessen Beseitigung vor mehr als 100 Jahren erstmals nachgedacht wurde und für den es seit den 1960er Jahren Pläne der Bahn und der Stadt gibt. Jetzt kommen zunächst die Ampeln.

Bis 2023/24, so der Plan, soll eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer gegraben sein. Im dritten Schritt soll dann die Unterführung für Autos gebaut werden - frühestens 2027. Verzögerungen sind jedoch absehbar, weil in Privatgrundstücke eingegriffen werden muss. Heike Stoner sieht bei der Bahn eine größere Bereitschaft zur Umsetzung als bei der Stadt: "Verkehrsdezernent Oesterling hatte versprochen, uns die Pläne bis Ende April im Detail zu erklären. Da warten wir heute noch drauf." Ihr Urteil: "Da kommt ziemlich viel Arroganz rüber." (Holger Vonhof)

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