Das Luftbild bei Google Earth zeigt den von Falschparkern gesäumten Kreisel im Schwarzerlenweg.
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Das Luftbild bei Google Earth zeigt den von Falschparkern gesäumten Kreisel im Schwarzerlenweg.

Verkehrssünder

Falschparker sorgen für Ärger: Müllabfuhr kommt nicht durch – Tonnen bleiben voll

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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In vielen Straßen in Frankfurt bleiben die Tonnen voll, weil das Entsorgungs-Auto nicht durchkommt. Grund sind Falschparker. Werden bald mehr Abschleppfahrzeuge zum Einsatz kommen?

Frankfurt – Wer wissen möchte, was im Griesheimer Schwarzerlenweg falsch läuft, schaut am besten mal von oben drauf: Das Luftbild beim virtuellen Globus "Google Earth" zeigt den Kreisel am Ende der Straße, der ringsum von Falschparkern blockiert wird - unter den Autos sind sogar die Zickzack-Markierungen zu erkennen, die das Parkverbot deutlich anzeigen. Ebenso ist der hinter dem Kreisel liegende Wendehammer verbotenerweise zugeparkt - nach Feierabend eskaliert die Situation regelmäßig. Auch wenn immer wieder Anwohner zu den Verkehrssündern gehören, sind es die Anwohner, die unter den Folgen zu leiden haben. Denn die städtischen Müllentsorger der FES holen ausgerechnet im mit 350 Wohnungen besonders einwohnerstarken Schwarzerlenweg den Müll oft nicht ab.

Kein Einzelfall im Westen: Vor drei Wochen wurde erst ein Altglascontainer aus der Melchiorstraße, einer Wohnstraße, ans Jobcenter auf dem Scriba-Dreieck verlegt, weil das Entsorgungsfahrzeug mehrfach vergeblich vorgefahren war - der Container war trotz absoluten Halteverbots immer zugeparkt. Statt das Halteverbot durchzusetzen, verlegt man in Frankfurt halt den Container.

Frankfurt: Garagen werden als Lagerflächen genutzt, deshalb große Parkplatznot

Eine, die immer wieder, auch in Anträgen an den Magistrat, auf die Parkplatzmisere in der Sackgasse Schwarzerlenweg aufmerksam macht, ist die Griesheimer SPD-Ortsbeiratsabgeordnete und stellvertretende Ortsvorsteherin Birgit Puttendörfer. Seit etwa drei Jahren, schätzt sie, gebe es den Ärger schon, aber in jüngerer Zeit sei er noch schlimmer geworden. Zur Parkplatznot trage die Nähe zum S-Bahnhof Griesheim bei, die auswärtige Bahnbenutzer dazu verführe, ihre Autos tagsüber in der Straße abzustellen. Auch würden die vermieteten Garagen in der Straße häufig als zusätzliche Lagerflächen genutzt werden - und Firmenwagen die Parkplätze blockieren.

Puttendörfer hat Kontakt sowohl zu den Mietern als auch den Hausverwaltungen. Letztere fühlten sich mit Beschwerden über den nicht abgeholten Müll überhäuft und zu Unrecht als Sündenböcke abgestempelt. Auf Unverständnis stoße bei vielen, dass die FES nicht ihre kleinen Microfahrzeuge in der Straße einsetze. Neben den ausfallenden Müll-Leerungen sieht Puttendörfer noch ein anderes Problem: Denn nicht nur für die FES-Fahrzeuge sei oft kein Durchkommen, auch Feuerwehr und Sanitätsdienste könnten im Ernstfall blockiert werden. Zu den Lösungsvorschlägen, die sie anbietet, gehören eine Quartiersgarage und der Umbau des Wendekreisels. Außerdem fordert sie, dass die Verkehrspolizei die Müllfahrzeuge regelmäßig begleiten und auch Abschleppfahrzeuge zum Einsatz kommen sollen. Doch all diese Anregungen seien bisher auf taube Ohren gestoßen.

Frankfurt: FES kündigt an, problematische Bereiche verstärkt überwachen zu lassen

Auch die jüngste Stellungnahme von Umweltdezernentin und FES-Aufsichtsratsvorsitzenden Rosemarie Heilig (Grüne), stellt Puttendörfer nicht zufrieden. Heilig konstatiert darin, dass zu frühe Bereitstellungen und illegale Entsorgung von Sperrmüll sowie das achtlose Wegwerfen von "to go"-Verpackungen "durch das Corona-bedingt geänderte Nutzungsverhalten des öffentlichen Raums noch mal zugenommen" hätten. Ferner kündigt sie an, "gemeinsam mit der FES besonders problematische Bereiche 2022 erneut durch eine Detektei überwachen zu lassen", um den Verursachern auf die Schliche zu kommen.

Woran es bei Müllabholung im Schwarzerlenweg hapere, erklärt FES-Sprecher Stefan Röttele auf Anfrage: In der Straße mit den großen Siedlungsanlagen werde Papier und andere Abfallarten über große 1100-Liter-Behälter entsorgt. Ein solcher Behälter könne nur von zwei Mitarbeitern bewegt werden - und der Weg von der Kreuzung bis zum Wendehammer messe geschätzt rund 300 Meter. "Wir wären Stunden beschäftigt, die Tonnen zum Fahrzeug und wieder zurück zu schieben. Das ist im Tagesplan unserer Touren nicht abzubilden", sagt Röttele. Ihre Microfahrzeuge wiederum setze die FES nur dort ein, wo das Rückwärtsfahrverbot keine andere Lösung zulasse. Das sei im Schwarzerlenweg nicht der Fall, denn: "Die Straße ist vorwärts befahrbar - wenn der Wendehammer frei ist." Zudem wäre der Betrieb "unwirtschaftlich angesichts der großen Zahl von 1100-Liter-Behältern. Ein kleines Fahrzeug müsste vermutlich zweimal kommen und abladen. Röttele: "Das mag den Anrainer vielleicht nicht überzeugen. Den Gebührenzahler in Frankfurt aber sehr wohl." (Michael Forst)

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