Erzpriester Pigol Bassili

Er ist immer für seine „Kinder“ da

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Auch morgen an seinem 80. Geburtstag denkt der von höchster Stelle spätberufene koptisch-orthodoxe Erzpriester Pigol Bassili noch nicht ans Aufhören. Er leitet die stetig wachsende Gemeinde der Sankt Markuskirche, die in den nächsten Jahren erweitert werden soll.

„Abouna“ (Vater) ist für Pigol Bassili mehr als ein Titel oder eine Anrede. Deshalb hat er in der Lötzener Straße im wahrsten Sinne des Wortes sehr kurze Dienstwege zwischen der Wohnung und dem ikonengeschmückten Kirchsaal, von wo aus der Weihrauchduft über den Flur bis ins Büro dringt. Denn in der Sankt Markuskirche, die bald ausgebaut werden muss, ist alles unter einem Dach vereint. „Und als Vater ist man immer für seine Kinder da, tags- und nachtsüber und in jedem Alter“, betont Bassili.

Während der Priester die Kirche mit den typisch koptischen Ikonen von der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten zeigt, läuft in der Wohnung der Kaffee durch, im Büro schauen Ehrenamtliche und die Tochter Vert mit den Enkelinnen Savie (4) und Lerie (8 Monate) vorbei. Zwischendurch klingelt auch das Telefon, das nach einer Wartung der Hausanlage wieder funktioniert. Bassili schmunzelt. „Menschen sind liebenswert und kompliziert und funktionieren nicht wie technische Geräte nach einer Bedienungsanleitung.“

Die Bemerkung spielt auf Bassilis gelernten Beruf als Elektroingenieur an, den der 1935 in Sinai gebürtige Ägypter bis 1981 nach seinem Studium an der Universität Alexandria ausübte. Daneben engagierte er sich in seiner Kirche, studierte an der Hochschule in Alexandria Theologie und die auf dem Altägyptischen basierende koptische Sprache, die er als einer der wenigen christlichen Ägypter noch muttersprachlich erlernt hat.

Doch dann kam etwas, das in seinem Leben nicht geplant war: „Immer wieder erzählt Vater Pigol, wie er von unserem Papst Schenuda III. persönlich zum Priester berufen wurde und diesem Ruf gefolgt ist, weil es Gottes Wille war“, berichtet Diakon John Gergies. Denn in der koptischen Kirche strebt man das Priesteramt nicht auf eigenen Wunsch an.

Die ersten sieben Jahre wirkte Bassili in der Kirche Sankt Markus in Kairo und wurde dann in die gleichnamige Gemeinde nach Frankfurt berufen. Dort wurde er zum ersten fest ansässigen Priester für 70 Gläubige, betreute zunächst auch Gemeinden in Bremen und Berlin. „Wir waren zu Gast in der evangelischen Bethlehemkirche in Ginnheim, wo wir sehr herzlich aufgenommen wurden“, erinnert sich Bassili dankbar an die ersten Jahre. 1998 konnte die Gemeinde schließlich nach langen Finanzierungsversuchen dank einer anonymen Spende aus Ägypten das frühere Käthe-Kollwitz-Haus der Saalbau in der Lötzener Straße für 1,5 Millionen Euro erwerben – wieder eine Fügung Gottes, wie Bassili unterstreicht.

Inzwischen gibt es erste Pläne, das umgebaute Gotteshaus für 2,7 Millionen Euro durch Anbauten zu vergrößern und ihm durch ein Kuppeldach das Äußere einer Kirche zu geben. Oder auch parallel eine evangelische oder katholische Kirche zu erwerben und umzubauen. Denn mittlerweile ist die Frankfurter Sankt-Markus-Gemeinde dank vieler Geburten und Zuzüge auf 1000 Mitglieder gewachsen. Hinzu kommen zudem einige Konversionen ägyptischer Muslime – doch eine genaue Zahl will die Gemeinde lieber nicht nennen.

Denn seit dem Weihnachtsfest 2011 ist der Konflikt zwischen den 15 bis 20 Millionen Kopten und der Mehrheit der Muslime in Ägypten auch in Frankfurt angekommen: Zeitgleich mit einem Anschlag auf eine Kirche in Alexandria erhielt auch die Frankfurter Sankt Markuskirche eine Drohung, die Messe konnte nur unter Polizeischutz gefeiert werden. Das war auch zum Osterfest nötig, nachdem in einer Moschee im Rhein-Main-Gebiet erneut scharfe und drohende Worte gefallen waren.

„In Kairo und Frankfurt sind viele Muslime unsere Nachbarn oder Freunde, doch manche Lehren und Auslegungen im Islam machen uns weiter Angst“, räumt Bassili ein. Gerade auch nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris. In Anbetracht dieser Umstände tritt auch sein Wunsch, bald eine ausgebaute oder neue Kirche einweihen zu können, etwas in den Hintergrund. Ebenso wie Bassili selbst, dem nach dem um 9.30 Uhr beginnenden dreistündigen Sonntagsgottesdienst eine kleine Gemeindefeier gewidmet wird. „Wichtig ist, dass alle Menschen und Konfessionen in Frieden und Harmonie zusammenleben können“, betont Bassili, was ihm am Herzen liegt.

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