Schwerer Kopf und Frösteln: So beginnen die meisten Erkältungen. Seit der Pandemie leiden darunter weniger Menschen als sonst - auch in Frankfurt.
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Schwerer Kopf und Frösteln: So beginnen die meisten Erkältungen. Seit der Pandemie leiden darunter weniger Menschen als sonst - auch in Frankfurt. (Symbolbild)

Studie

Immer weniger Frankfurter sind krankgeschrieben

  • Sarah Bernhard
    VonSarah Bernhard
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Immer weniger Krankschreibungen in Frankfurt. Massiver Rückgang von Grippe- und Erkältungsfällen seit 2019.

Frankfurt - Nur 2,9 Prozent, also durchschnittlich 29 von 1000 erwerbstätigen DAK-Versicherten haben im ersten Halbjahr 2021 pro Tag bei der Arbeit gefehlt. Das sind 0,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahreszeitraum. Hauptgrund für den gesunkenen Krankenstand ist laut dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport der massive Rückgang bei den Atemwegserkrankungen. Bis Ende Juni kamen auf 100 DAK-versicherte Beschäftigte 48 Fehltage wegen Grippe, Bronchitis oder Erkältung - ein Rückgang um 88 Tage beziehungsweise 65 Prozent.

"Die Erkältungssaison im Frühjahr 2021 ist nahezu komplett ausgefallen", sagt der DAK-Chef für Frankfurt, Gregor Reitz. "Wir sehen, dass sich Homeoffice, Lockdown und verstärkte Hygienemaßnahmen positiv ausgewirkt haben. Sie schützen nicht nur vor Corona, auch andere gewöhnliche Erkältungserreger werden seltener übertragen."

Krank in Frankfurt: 40 Prozent weniger Krankgeschrieben als noch 2019

Was Reitz nicht sagt: Im März 2020 ließen sich überdurchschnittlich viele Menschen wegen Atemwegsproblemen krankschreiben, der Halbjahresvergleich ist also leicht verzerrt. Stellt man das Frühjahr 2021 dem Frühjahr 2019 gegenüber, ging die Zahl der Fehltage aber immer noch um 40 Prozent zurück. Die Techniker Krankenkasse (TK) bestätigt diesen enormen Rückgang für Hessen, die beiden anderen großen Kassen, AOK und Barmer, haben das erste Halbjahr 2021 noch nicht ausgewertet.

Besonders interessant ist dieser Befund deshalb, weil sowohl die Zahl der Fälle, als auch der Fehltage wegen Atemwegserkrankungen bei allen vier Kassen - trotz Panik-März - schon 2020 gesunken ist. So waren die DAK-Versicherten 2020 wegen Atemwegserkrankungen durchschnittlich 2,0 Tage krankgeschrieben - ein Rückgang um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei der Barmer waren es 2,11 Tage - 6,2 Prozent weniger als vor Corona. Die Zahl der Fälle sank dort im Vergleich zu 2019 um 31,4 Prozent. "Das kann sicherlich auf die Maßnahmen zum Schutz vor einer Covid-19-Infektion zurückgeführt werden. Die AHA-L-Regeln zeigen hier ihre Wirkung", erklärt Martin Till, Landeschef der Barmer in Hessen.

Frankfurt: Psychische Leiden haben zugenommen - Corona-Pandemie verschärft diese

Bei Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen ist der Trend gegenläufig. Nur bei der TK blieb die Zahl der Fehltage in diesem Segment zwischen 2019 und 2020 konstant. Bei der Barmer nahm zwar die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Beschwerden ab, ihre Dauer nahm jedoch zu, und lag mit 3,16 Fehltagen pro Kopf an der Spitze der Krankheiten mit langer Ausfallquote. Bei der DAK stieg die Zahl auf 2,5 Fehltage pro Kopf und führte das Fehltage-Ranking damit ebenfalls an.

"Gerade Menschen mit psychischen Erkrankungen haben unter den Einschränkungen und Belastungen der Pandemie gelitten", sagt DAK-Chef Reitz. "Sie waren während der Krise oft über auffällig lange Zeiträume krankgeschrieben. Deshalb der Anstieg der Fehltage in diesem Bereich." Bei der AOK lagen psychische Erkrankungen mit 3,3 Fehltagen pro Kopf auf Platz 2.

Frankfurt: Rückenschmerzen immer noch auf hohem NIveau

Bei Krankheiten des Muskel- und Skelettsystems, zu denen auch Rückenschmerzen gehören, sieht das Bild ähnlich aus. Bei der DAK blieben die Fehltage konstant, bei TK und Barmer nahmen sie zu, bei letzterer sogar um sieben Prozent auf 2,59 Fehltage pro Versichertem. Bei der AOK führte dieses Segment mit durchschnittlich 5,0 Tagen pro Kopf die Liste der längsten Fehlzeiten an. Die Gesamtzahl der Fehltage sank aber auch zwischen 2019 und 2020 über alle Kassen leicht.

Die AOK wertet den Krankheitsstand in Frankfurt nach weiteren Kriterien aus. So waren 2020 mit 10,5 Prozent am häufigsten Frauen über 60 Jahre krank, gefolgt von Männern über 60 (9,2 Prozent) und Frauen zwischen 55 und 59 (8,9 Prozent). Am seltensten waren Frauen zwischen 25 und 29 Jahren krank (2,8 Prozent), gefolgt von Männern im gleichen Alter und Frauen zwischen 30 und 34 (jeweils 3,0 Prozent).

Krank in Frankfurt: Eine Branche führt das Ranking an

Schlüsselt man nach Branchen auf, blieben mit 9,6 Prozent am häufigsten Beschäftigte in den Branchen Energie/Wasser/Entsorgung 2020 im Bett, gefolgt von Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung und der Land- und Forstwirtschaft mit jeweils 6,7 Prozent. Am seltensten krankgeschrieben waren mit 2,5 Prozent die Mitarbeiter von Banken und Versicherungen.

Mit 3,4 Prozent Krankenstand bei der DAK hatte Frankfurt 2020 den geringsten krankheitsbedingten Arbeitsausfall in ganz Hessen. Zum Vergleich: Den meisten Arbeitsausfall hatten mit 5,2 Prozent die Landkreise Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg. Auch bei der AOK nimmt Frankfurt mit 4,8 Prozent Krankenstand einen Spitzenplatz im Vergleich zum Bundesdurchschnitt von 5,4 Prozent ein. Mit 13,5 Fehltagen lag Frankfurt auch bei der Barmer ganze 25 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt. (Sarah Bernhard)

Im Kampf gegen die Corona-Pandmie setzt Frankfurt jetzt auch auf die „rollende“ Impfung.

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