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Angesichts des Wettbewerbes mit Billig-Fluglinien haben Airlines wie Lufthansa an der Preisschraube drehen müssen. Die Folge: Die Verdienstmöglichkeiten für Piloten sind nicht mehr so rosig wie früher. Das führte dazu, dass nicht mehr so viele junge Menschen Pilot werden wollen.

Kein Traumberuf mehr

Immer weniger junge Menschen wollen Pilot werden

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Der Flugzeugbauer Boeing rechnet in den nächsten 20 Jahren mit einem Bedarf von rund 790 000 ausgebildeten Piloten weltweit. Allerdings ist die Zahl der Bewerber zuletzt stark rückläufig.

Wenn es in den vergangenen Monaten um den Frankfurter Flughafen ging, dann fielen neben dem Dauerbrenner Lärm immer wieder die Stichworte Flugausfälle und Verspätungen. Zurück blieben zahlreiche verärgerte Passagiere. Als Entschuldigung nannten der Flughafen, aber auch die Fluggesellschaften alle möglichen Gründe wie Streiks der Fluglotsen im Ausland, Gewitter, Probleme an den Sicherheitskontrollen, Verzögerungen bei der Zulassung übernommener Maschinen der insolvent gegangenen Fluggesellschaft Air Berlin.

„Worüber bisher aber kaum ein Wort verloren wurde, ist der Pilotenmangel, der einige Airlines dazu gezwungen hatte, Maschinen am Boden zu lassen.“ Das sagte jetzt Luftfahrtexperte Heinz-Jürgen Lachmann bei einem Vortrag in Frankfurt. Er ist 35 Jahre für Lufthansa geflogen, war Präsident der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und engagiert sich nun als Vorstandsmitglied im Forschungsnetzwerk FHP Aviation. Der gemeinnützige Verein hat zum Ziel, die Sicherheit im Luftverkehr sowie die Pilotenausbildung zu verbessern.

„Wenn es nicht wieder eine Krise der Weltluftfahrt geben wird, was ich nicht hoffen will, kommen wir um die Misere, dass der Pilotenmangel noch größer wird, nicht herum“, so Lachmann. Denn der Luftverkehr soll sich nach Angaben des Branchenverbands IATA verdoppeln. Der Flugzeugbauer Boeing rechnet in den nächsten 20 Jahren mit einem Bedarf von rund 790 000 ausgebildeten Piloten weltweit.

Doch woran liegt’s? „In den letzten zehn Jahren haben sich die Bedingungen in der Luftfahrtbranche enorm verschlechtert“, sagt Lachmann. Im Wettbewerb mit den Billig-Airlines hätten Fluggesellschaften wie Lufthansa an der Kostenschraube drehen müssen, Gehälter wurden gekürzt, die Anforderungen, die Komplexität der Arbeit seien aber nicht weniger geworden. „Der Beruf wird immer unattraktiver“, sagt Lachmann. Die Folge: „Es finden sich immer weniger Kandidaten, die den hohen Ansprüchen der Fliegerei genügen.“ Die Schlussfolgerung: „Wird die ideelle und materielle Abwertung des Pilotenberufs nicht beendet, setzen wir aufs Spiel, was auch in Zukunft jeden Tag neu erarbeitet werden muss: die fast absolute Sicherheit im Luftverkehr.“

Das sind drastische Worte. Janis Schmitt von der Vereinigung Cockpit würde es nicht so drastisch ausdrücken, aber auch er befürchtet Auswirkungen auf den Luftverkehr. Allerdings in Form von weiteren Verspätungen und Annullierungen der Flüge. „Dagegen muss dringend etwas unternommen werden“, sagt er. Er appelliert dafür, dass die Fluggesellschaften wieder anfangen, ihre Piloten selbst auszubilden.

„Die jungen Leute lernen heute lieber einen Beruf, wo sie sich anschließend auch sicher sein können, eine Stelle zu finden“, sagt Janis Schmitt von der Vereinigung Cockpit. Als er seinen Flugschein gemacht hat, habe es zahlreiche Mitschüler gegeben, die lange keine Stelle als Flugzeugführer gefunden hatten. Und das, obwohl man für die Ausbildung tief in die eigene Tasche greifen muss. Bei privaten Flugschulen kostet die Ausbildung zwischen 70 000 und 100 000 Euro. Bei Lufthansa müssen die Pilotenanwärter 60 000 Euro aus eigener Tasche bezahlen. „Dafür müssen sich viele Menschen verschulden, das will heutzutage kaum noch jemand“, so Schmitt. In Amerika, aber auch in Skandinavien hätte man das Problem des Pilotenmangels mittlerweile erkannt. Während in Amerika die Flugzeugführer wieder mehr verdienen, würde in Dänemark und Finnland die Politik die Ausbildung von Piloten finanziell fördern. „So weit sind wir hierzulande allerdings noch lange nicht“, sagt Janis Schmitt.

Immerhin: Nach drei Jahren Pause bildet Lufthansa jetzt wieder Piloten aus. Der Chef der Kranich-Airline Carsten Spohr beklagte am Rande der Hauptversammlung im Mai, dass Engpässe beim Personal und bei den Maschinen die Fluggesellschaft einschränken. „Wir können nicht so stark wachsen, wie wir wollen.“ Damit soll jetzt Schluss sein.

Pro Jahr will die Airline an ihrer „European Flight Academy“ 500 Frauen und Männer ausbilden. Diese können dann bei den Linien der Lufthansa-Gruppe, sprich: auch bei Swiss, Eurowings, Austrian oder Brussels Airlines eingestellt werden. „Wir sprechen nicht von einer Pilotenknappheit“, sagt eine Lufthansa-Sprecherin. „Trotz unserer harten Auswahl für die Ausbildung und der hohen Qualitätsstandards haben wir keine Probleme, Nachwuchs zu finden.“

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