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Immer wieder sonntags kommt kein Bus

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Von: Judith Dietermann

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Margrit Picht (l.) und Elke Koch warten sonntags vergeblich: Der Bus fährt erst, wenn der Gottesdienst vorbei ist. FOTO: enrico sauda
Margrit Picht (l.) und Elke Koch warten sonntags vergeblich: Der Bus fährt erst, wenn der Gottesdienst vorbei ist. © sauda

Senioren wünschen sich, dass sie mit der Linie 69 zum Gottesdienst fahren können

ESCHERSHEIM - Elke Koch ist noch recht gut zu Fuß. Trotzdem versucht die 85-Jährige lange Strecken zu vermeiden, gerne fährt sie deswegen mit Bahn oder Bussen. Auch zum sonntäglichen Gottesdienst. In der Emmaus- oder der Andreaskirche. Die sind für die ehemalige Eschersheimerin und heutige Ginnheimerin - Elke Koch wohnt am Wiesenrain - gut mit der Buslinie 69 erreichbar, die seit einem Jahr über den Weißen Stein hinaus verlängert wurde. Vor der Andreaskirche gibt es gar eine eigene Haltestelle.

700 Meter Fußweg bis zur Kirche

Doch es gibt auch ein Problem. Denn sonntags fährt der erste Bus erst gegen 11 Uhr. Der Gottesdienst beginnt aber um 10 Uhr. „Deshalb nehme ich die U 1 und muss das letzte Stück eben laufen. So lange ich das noch kann“, sagt die Seniorin. Immerhin 700 Meter sind es von der Hügelstraße bis zur Andreaskirche in der Kirchhainer Straße. Weshalb sie und auch andere ältere Gemeindemitglieder es sich wünschen würden, dass der erste Bus sonntags früher fährt. 9.30 Uhr, meint Koch, sei ideal. Unterstützung bekommt sie bei ihrem Wunsch von Margrit Picht, 88 Jahre alt und bei schönem Wetter mit dem Fahrrad unterwegs. Bei Regen steigt sie auf den Bus um. Auf die Linie 69.

Ingrid Schmidt, die sowohl im Büro der Andreas-, als auch der Emmausgemeinde arbeitet, hört nicht zum ersten Mal von diesem Problem. Schön öfter sei sie von Gemeindemitgliedern darauf angesprochen worden. Vor allem, seit die Linie auch Ginnheim anfahre. „Solch ein Quartiersbus sollte nicht in erster Linie dazu dienen, Geld zu erwirtschaften. Er sollte in erster Linie einen sozialen Zweck erfüllen. Und dazu gehört eben auch, dass die älteren Leute mit ihm zum Gottesdienst fahren können“, sagt sie.

Dies alles sind Argumente, die Klaus Linek, Sprecher der lokalen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq, durchaus nachvollziehen kann. Trotzdem, sagt er, könne dem Wunsch leider nicht entsprochen werden. Weil schlichtweg die Nachfrage für einen Quartiersbus vor 11 Uhr zu gering sei. „Der Sonntagvormittag ist die schlechteste Zeit im Öffentlichen Nahverkehr“, sagt er. Dass habe sich auch auf der Linie 69 gezeigt, die sogar schon einmal vor ein paar Jahren auch sonntagvormittags fuhr. Und die Fahrgäste gezählt wurden. „Die Nachfrage war derart schlecht, dass das keine Option ist“, so Linek.

Früherer Start ist nicht vertretbar

Der Fahrtbeginn von 11 Uhr bei den Quartiersbussen im Stadtgebiet gelte zudem auch erst seit dem Fahrplanwechsel im Dezember vergangenen Jahres. Davor begann die erste Fahrt erst um 12 Uhr. Ein noch früherer Start, so der Sprecher, sei allerdings nicht vertretbar. „Die Quartiersbusse dienen eben ausschließlich der Feinerschließung“, fügt er hinzu.

Fast ein Jahr ist der Bus 69 nun auf dem verlängerten Linienweg bis zum Markus-Krankenhaus unterwegs. „Wir sind erstmal zufrieden“, zieht Klaus Linek eine erste, vorsichtige Bilanz. Eine wirklich seriöse könne man frühestens nach zwei Jahren ziehen, weiß er. So lange müsse man einer Buslinie ohnehin geben, um sich zu etablieren. Das habe die Linie 58, die von Höchst zum Flughafen fährt, gezeigt. „Sehr schlecht“, seien die Zahlen in den ersten zwei Jahren gewesen. Das waren aber nur Startschwierigkeiten. Denn die 58 war die erste Linie, die rund um die Uhr fuhr und einer der ersten Expressbuslinien.

Die Buslinie 69 hat also noch Zeit. Im Durchschnitt sechs Fahrgäste pro Fahrt waren bei einer Zählung im März auf dem alten Abschnitt, vier auf dem neuen unterwegs. Im Frühjahr soll erneut gezählt werden. „Die Buslinie ist gut und für uns ältere Menschen wirklich eine wichtige Ergänzung. Wenn sie uns doch nur auch sonntags zum Gottesdienst fahren würde“, hoffen Elke Koch und Margrit Picht, dass ihr Wunsch sich irgendwann doch noch erfüllt. judith dietermann

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