Die Stadt Frankfurt prüft, ob künftig mobile Impfteams an weiterführende Schulen geschickt werden.
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Die Stadt Frankfurt prüft, ob künftig mobile Impfteams an weiterführende Schulen geschickt werden.

Corona

Impfen in der Schule wird geprüft

  • Julia Lorenz
    VonJulia Lorenz
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Am Montag beginnt in Hessen nach sechs Wochen Ferien die Schule wieder. Die Stadt Frankfurt prüft, ob mobile Impfteams in die weiterführenden Schulen geschickt werden. Das Thema polarisiert.

Ein kurzer Piks zwischen Mathe und Deutsch: In Essen, Köln, Düsseldorf und Kiel gibt es bereits Impfangebote für Kinder und Jugendliche direkt in der Schule. In Hamburg zieht man jetzt nach. Und in Frankfurt? Da wird derzeit noch geprüft, ob mobile Impfteams in die weiterführenden Schulen geschickt werden. Allerdings wurden in den Sommerferien bereits in einigen wenigen Schulen Corona-Schutzimpfungen angeboten - privat organisiert.

Eine der Schulen ist die Schillerschule. "Ich bin von unserem Elternbeirat gefragt worden, ob das möglich ist", erzählt Claudia Wolff, Leiterin des Gymnasiums in Sachsenhausen. Eine Ärztin, die in Griesheim eine Impfaktion auf die Beine gestellt hatte, habe noch Impfdosen übrig gehabt. Damit diese nicht weggeschmissen werden mussten, wurden sie der Schule angeboten. Claudia Wolff hat nicht lange gezögert. "Ich finde es wichtig, dass den Familien ein niedrigschwelliges Angebot gemacht wird", sagt sie.

Mit der Organisation der Aktion hatte die Schule selbst dann aber nichts mehr zu tun. Der Termin wurde vom Elternbeirat an die Familien weitergeben. "Wir haben nur die Genehmigung vom Amt für Bau und Immobilien eingeholt und die Räume zur Verfügung gestellt", sagt Wolff. Sie hätte sich auch keine Namen notiert, wer geimpft wurde und wer nicht. "Kinder, die nicht geimpft sind, werden keine Nachteile haben", so Wolff. Die Aktion aber sei ein Erfolg gewesen. "Es mussten keine Impfdosen entsorgt werden."

Die Schulleiterin befürwortet es, wenn in den Schulen geimpft wird. Sie hätte auch nichts dagegen, wenn die Stadt mobile Teams schicken würde. "Aber das muss in enger Abstimmung mit den Schulen ablaufen und wir brauchen einen zeitlichen Vorlauf", sagt Wolff. Es müssen Gespräche mit den Eltern und Schülern geführt werden. "Es darf kein Druck auf die Familien aufgebaut werden."

Kinder und Jugendliche in den Schulen zu impfen, ist nicht ganz unumstritten. Zwar empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) mittlerweile die Corona-Schutzimpfung ab zwölf Jahre, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte jedoch fürchtet "Gruppenzwang" und sähe es lieber, wenn die Schüler zu ihren Kinderärzten gingen, um sich individuell beraten zu lassen. Da kann Burkhard Voigt, Frankfurter Kinderarzt und stellvertretender Vorsitzender des hessischen Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, nicht widersprechen. Er hält das Impfen auf dem Pausenhof für "überhaupt nicht notwendig". "Wir können in den Praxen impfen. Da gehört das auch hin. Hier haben wir die Strukturen dafür", sagt Voigt, der bisher nur wenige Anfragen von den Eltern seiner Patienten hatte.

Allerdings sind Impfangebote von Ärzten an Schulen keine Seltenheit. Auch ein anderer Schulleiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat ein solches bereits erhalten, aber ausgeschlagen. "Ich will mir die Situation in der Schule und die Entwicklungen der kommenden Wochen erst einmal in Ruhe anschauen", sagt der Schulleiter. Zudem wolle er sich in der Schule umhören, wie Lehrer, Schüler und Eltern dazustehen. "Ich möchte nicht überstürzt handeln."

So zurückhaltend äußern sich viele Frankfurter Schulleiter, zu groß ist die Sorge davor zu polarisieren, den inneren Frieden der Schulgemeinde zu gefährden, sich mit Briefen von Rechtsanwälten herumärgern zu müssen. Eine Schulleiterin erzählt: "Mir haben Eltern schon damit gedroht, mich zu verklagen, wenn ich in der Schule ein Impfangebot mache."

Um diesem Konflikt aus dem Weg zu gehen, könnte sich die stellvertretende Vorsitzende des Stadtelternbeirats Andrea Herschbach vorstellen, außerhalb der Schulzeiten auf dem Pausenhof zu impfen. Nachmittags oder am Wochenende. "Dann nutzt man die Schule als bekannten Raum, setzt aber niemanden unter Druck", so Herschbach.

Im Gesundheitsamt laufen die Überlegungen noch, ob man die mobilen Impfteams auch in die Schulen schickt. Auf Anfrage heißt es dazu: "Es finden zurzeit noch Abstimmungen mit der Landesregierung, dem Magistrat, den involvierten Behörden und der Kassenärztlichen Vereinigung statt, wie zeitnah und in ausreichendem Umfang Impfangebote für 12- bis 17-Jährige gemacht werden können." Die mobilen Teams würden auch weiterhin für Sonderaktionen zur Ergänzung des vorhandenen Impfangebots eingesetzt werden.

"Es laufen Planungen für unterschiedliche Szenarien", teilt das Gesundheitsamt weiter mit und weist daraufhin, dass sich Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahre "unkompliziert und ohne Termin" noch bis mindestens Ende September täglich zwischen 9 und 18 Uhr in der Festhalle impfen lassen können - in Begleitung eines Sorgeberechtigten und nach einem ärztlichen Aufklärungsgespräch, versteht sich.

Clara Hofmann-Gonzales vom Stadtschülerrat weist jedoch daraufhin, dass einigen Schülern der Weg zum Impfzentrum zu weit sei. Deshalb spricht sich das Gremium klar für das Impfen auf dem Pausenhof aus. "Es ist wichtig, dass den Schülern ein leicht zugängliches Angebot gemacht wird", sagt Hofmann-Gonzalez. Aus ihrer Sicht sei der kleine Piks in der Oberarm wichtig. "Damit wir gesund bleiben, es weniger schwere Krankheitsverläufe gibt und die Schulen offen bleiben."

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