"Frau Lindemann, geh'n Sie voran". Die 90 Jahre alte Vielschwimmerin war gestern die erste Besucherin des für die Öffentlichkeit wiedereröffneten Panoramabades. Ein Ereignis, das sich Sportdezernent Markus Frank (CDU) nicht entgehen ließ. Schließlich endet seine Amtszeit schon in wenigen Wochen.
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"Frau Lindemann, geh'n Sie voran". Die 90 Jahre alte Vielschwimmerin war gestern die erste Besucherin des für die Öffentlichkeit wiedereröffneten Panoramabades. Ein Ereignis, das sich Sportdezernent Markus Frank (CDU) nicht entgehen ließ. Schließlich endet seine Amtszeit schon in wenigen Wochen.

Panoramabad

In Bornheim trübt kein Regen den Badespaß

  • VonSabine Schramek
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Als erstes überdachtes Becken ab sofort wieder auf

Schlechtes Wetter, schlechte Laune, Lust auf Schwimmen? Ab sofort können Groß und Klein wieder im Panoramabad nach Herzenslust schwimmen und planschen. Die 90jährige Marion Lindemann war am Mittwochmorgen um 10 Uhr als erste am Start.

Es wurde auch

langsam Zeit

"Es ist auch langsam Zeit, dass das Schwimmbad für alle offen ist", sagt Lindemann am Eingang der frisch gestrichenen Vorhalle des Panoramabades. Seit 50 Jahren kommt sie täglich für 40 Minuten zum Schwimmen hierher. "Nur nicht am Wochenende. Da ist frei", meint sie. "1960 war ich Weltmeisterin im Wasserski, 1970 Erster Kapitän der Deutschen Frauen-Fußballmeisterschaft", erzählt die Frau, die als Sekretärin von Frankfurts Bürgermeister Hans-Jürgen Moog zwischen 1982 und 1989 gearbeitet hat. Sie hat das Kapitänspatent, eine Tauchschein und raucht, seit sie 16 Jahre alt ist. "Sport hält einfach fit. Das Einzige, was mir fehlt, ist ein Fallschirmsprung. Den mache ich in zwei Monaten aus 4000 Metern Höhe."

Boris Zielinski, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt, und Aufsichtsratsvorsitzender Markus Frank staunen nicht schlecht, was die Dame mit pinkem Lippenstift alles drauf hat. "Sie sehen nicht aus wie 90, sondern richtig knackig", lobt Frank, als sie endlich um Punkt 10 Uhr ins Hallenbad geht. Hinter ihr warten schon Dutzende von Schulkindern mit Maske auf Einlass. "Die waren echt clever", kommentiert Zielinski. "Sie haben sich nicht als Schulklasse angemeldet, sondern online Tickets reserviert."

Nicht nur die vielen Wasserfreunde sind froh, nach sechs Monaten Pause wieder ins Hallenbad gehen zu können, sondern auch Zielinski, der Badeschuhe in der Hand hält. "Die Schwimmbäder sind dafür da, dass jeder seinen Spaß haben und schwimmen gehen kann. Die Leute brauchen das einfach. Und sie lechzen nach Spaß."

Seit Februar dürfen Schulen und Vereine schwimmen, am 7. Juni haben die Freibäder wieder geöffnet. "Einfach ist der Betrieb vor allem in Hallenbädern nicht wegen der hohen Auflagen. Aber es besser, ein bisschen Schwimmen zuzulassen, als gar nicht", sagt er und beobachtet, wie Kinder, Jugendliche und Senioren ins blaue Nass steigen und fröhlich lachen. "Jeweils 250 Personen dürfen jeden Tag außer dienstags zwischen 10 Uhr und 14 Uhr sowie zwischen 15 Uhr und 20 Uhr rein. Tickets müssen vorab online reserviert werden. Da sieht auch jeder gleich, ob noch Platz ist." Zwischen 14 und 15 Uhr wird das gesamte Bad desinfiziert und ist deshalb geschlossen. "Wir haben die doppelte Menge an Mitarbeitern am Start, um sicheres Baden zu ermöglichen", so Zielinski. In der Pausenstunde reinigen alle neun Mitarbeiter Kabinen und Flächen.

Es fehlen noch

Regelungen

Zielinski würde gerne auch vollständig Geimpfte einlassen. "Leider ist das im Moment nicht möglich, weil es dafür noch keine Regelungen gibt. Die einzige Ausnahme im Augenblick sind Inhaber der personalisierten Vorteilskarte für Senioren."

In allen Frankfurter Bädern arbeiten 321 Mitarbeiter, das Reinigungspersonal wurde verdoppelt und auch am Einlass ist Extrapersonal für die Kontrolle eingesetzt. "Die Anforderungen für einen reibungslosen Ablauf sind sehr hoch, aber wir tun wirklich alles dafür, dass sicheres Baden möglich ist."

Sogar enge Gänge und Wege zur Umkleide und Duschen werden berücksichtigt. Wege führen jeweils nur in eine Richtung und dort besteht auch Maskenpflicht. Vor der Öffnung gab es noch eine Menge Aufregung. Positive, weil aus dem Rebstockbad noch ein Neonbeleuchteter Mini-Wasserfall im großen Dschungelähnlichen Foyer Platz gefunden hat. Negative, weil es bei den heftigen Regenfällen vor zwei Wochen Hochwasser gab.

"Überall kam Wasser rein. Durch das Dach, durch Gullideckel und durch den Technikraum. Zwei Tage lang haben wir geputzt und gewischt", erzählt der Bäderchef. "Es wird Zeit, dass das neue Panoramabad an der Eissporthalle gebaut wird. Die Sanierung hier ist ein Fass ohne Boden." Ein halbes Jahr lang war das Panoramabad geschlossen.

Marion Lindemann strahlt derweil übers ganze Gesicht und lässt sich auf dem Rücken im kühlen Nass treiben, bevor sie ihre Runden zieht. "So muss das sein. Jeden Tag ins Wasser. Das ist gut für die Gelenke, die Beweglichkeit und für die Entspannung." Sabine Schramek

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