Die Oberräder Krautgärten sind ein ökologisches und nachhaltiges Selbsterntefeld. Zwischen Gemüse wachsen Kräuter, die zu Unrecht Unkräuter heißen, denn viele von ihnen sind essbar, sagt Julia Jung von der Familiengärtnerei Jung und zeigt eine Tomatillo. FOTO: michael faust
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Die Oberräder Krautgärten sind ein ökologisches und nachhaltiges Selbsterntefeld. Zwischen Gemüse wachsen Kräuter, die zu Unrecht Unkräuter heißen, denn viele von ihnen sind essbar, sagt Julia Jung von der Familiengärtnerei Jung und zeigt eine Tomatillo.

So grün ist Frankfurt

In den Kräutergärten geht's um Kohl

  • VonSabine Schramek
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Erst ins Museum, dann auf den Oberräder Acker - Eine Führung durch das Grün der Stadt

Das erste, was Julia Jung klarstellt, ist, dass Krautgärten keine Kräutergärten sind. "Der Begriff 'Kraut' kommt von Kohl. Das weiß aber kaum noch jemand", sagt sie und grinst. Zwischen riesigen Sonnenblumen ragen alle möglichen Kohlsorten aus der Erde. Rotkohl, Rosenkohl, Spitzkohl, Schwarzkohl, Butterkohl, Baumkohl, Blumenkohl und noch viel mehr. "Insgesamt haben wir mehr als 30 Sorten hier", meint sie und deutet auf Pflanzen, die fast unwirklich in Form und Farbe wirken. Das zweite, was sie klar macht ist, dass "Unkraut kein Unkraut ist, sondern Beikraut. Essbar sind fast alle. Nur ganz wenig ist giftig".

Parzellen für jedermann

Sie steht auf dem Acker, den ganz normale Leute in Parzellen bewirtschaften können. Zwischen Auberginen und riesigen Kürbissen, Paprika, Chili, Astern, Strohblumen und Anemonen und allem, was wild drumrum wächst. Riesige Fenchelstauden blühen gelb. "Fenchel ist eine richtige Diva", erklärt sie. "Der braucht sehr viel Wasser und zickt auch mal rum. Darum baut ihn professionell niemand gerne an. Aber Schmetterlinge lieben ihn und ganz besonders die Schwalbenschwänzchen, die wie Kolibris fliegen."

Seit acht Jahren verpachtet Jung Parzellen an Familien, Singles und Gartenliebhaber. "Bis vor zwei Jahren habe ich nicht nur den Acker gepflegt, sondern auch alles selbst gesetzt, damit jeder später gute Ernte hat." Mittlerweile kann jeder selber seine gewünschten Pflanzen säen und setzen. "Das gibt ein noch mal ganz anderes Gefühl für Pflanzen und die Leute lieben es." Jetzt wachsen hier nicht nur die üblichen Gemüsesorten, sondern auch Tomatillos, Süßkartoffeln und roter Brokkoli neben Tomaten und Karotten. "Anfänger reißen gern junge Karotten als Unkraut raus und wundern sich dann, dass sie weg sind", erzählt sie. "Zweimal passiert ihnen das nicht."

Jung hilft bei der Beratung und Pflege. "Die Tomatillo ist eine mexikanische Mischung aus Physalis und Tomate. Daraus kann man die beste Salsa machen", schwärmt sie und pflückt eine der reifen Hülsentomaten. Jung zeigt gerne, was die Pächter aus ihrem Saison-Paradies machen. Im Februar wird der Boden vorbereitet. Danach beginnt die ganz normale Arbeit, die es braucht, um Kraut, Kräuter und Gemüse zu ziehen. "Die Warteliste wächst und wächst", erzählt sie zwischen Wildkräutern, Wirsing und Sonnenblumen. "Die Samen sind von meiner Oma. Die habe ich mal gesät und seither wachsen sie überall."

Die 1,75 Meter breiten und 23 Meter langen Parzellen sind durch Trampelpfade getrennt. In manchen stehen Stühle oder am Rand kleine Bänkchen. "Da ruhen sich die Gärtner aus und genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf die Skyline."

Dass der Acker wie Kraut und Rüben wirkt, ist gewollt. "Hier wird nichts gespritzt. Alles, was hier in den Speckgärten wächst, ist absolut natürlich. Der Name kommt daher, dass die Erde wie Speck glänzt, wenn sie umgegraben wird.

Garten heißt Warten

Im Frühjahr herrscht meist Panik unter den Leuten, weil überall Blattläuse sind. "Ich beruhige sie und sage, abwarten. Nach zwei Wochen ist alles voller Marienkäfer, die die Läuse fressen." Das sind die Erlebnisse, die näher an die Natur bringen, die hervorragend selbst reguliert. "Garten heißt Warten" ist ein wichtiges Gesetz. Auch Wühlmäuse kommen vorbei. Sie werden von Fischreihern entdeckt. "Das gehört dazu, ebenso wie Fraßstellen von Raupen auf Kohl. Daraus werden Kohlweißlinge. Die Natur kommt zurück". Dieser Tage sah sie 40 Jungstörche über die Felder fliegen. "Das gab es noch nie."

Im Historischen Museum gibt es momentan die Ausstellung "Die Stadt und das Grün" mit den Krautgärten zu sehen. Wer sie selbst besichtigen möchte, kann am Sonntag, 29. August, 13 Uhr bei einer kostenlosen Führung mit Julia Jung dabei sein. Treffpunkt Ecke Speck-/Wehrweg unterhalb des Grüne Soße-Denkmals. Sabine Schramek

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