Bischof Georg Bätzing winkt den draußen versammelten Gläubigen vor Beginn der Weihefeier zu. FOTO: Maik Reuß
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Bischof Georg Bätzing winkt den draußen versammelten Gläubigen vor Beginn der Weihefeier zu.

Kirchenweihe

In der Kirche St. Johannes in Goldstein soll der Glaube zum Erlebnis werden

Bischof Georg Bätzing hat am Sonntag die neu errichtete Kirche St. Johannes in Frankfurt Goldstein geweiht.

Es war ein langer Weg von der Grundsteinlegung am 16. März 2019 zur Weihe am gestrigen Spätnachmittag. Doch jetzt ist die neue Goldsteiner Johannes-Kirche den Gläubigen übergeben, von Bischof Georg Bätzing geweiht. Diejenigen, die der Zeremonie wegen der Corona-Einschränkungen draußen per Video-Übertragung beiwohnten, beneideten in der schwülen Sommerhitze etwas diejenigen, denen Plätze im Inneren der Kirche reserviert worden waren. Doch die hatten zuvor geschwitzt, und das über Jahre: Es waren Vertreter der Baufirmen, Architekten, das Leitungsteam. Geschwitzt deshalb, weil sich die Kosten nicht zuletzt durch die Pandemie mehr als verdoppelt haben, auf final 5,6 Millionen Euro. 600 000 Euro davon hat die Pfarrei selbst aufgebracht, größtenteils über Verkäufe: Ein Teilgrundstück ging an einen neuen Besitzer, die alte Orgel und Mobiliar an eine Gemeinde in Nizza.

Übertragung

aus der Kirche

Die Weihefeier wurde gestern nicht nur in Wort und Bild nach draußen übertragen, wo auf der Wiese hinterm Gemeindehaus knapp 200 Plätze bereitstanden, sondern auch live ins Internet - so konnte auch dabei sein, wer sich nicht den hohen Temperaturen aussetzen mochte.

Es ist selten heutzutage, dass in Deutschland eine Kirche geweiht wird, vor allem in Zeiten verminderten Zuspruchs zu den Kirchen. Doch da will St. Johannes Sinnbild sein: Der Neubau stehe für "die Ermutigung zur Leichtigkeit", sagte Bätzing, fürs Abwerfen von Ballast - und doch werde alles, was die Gemeinde geprägt habe, eingebracht.

Nach dem Entzünden der Osterkerze und der Weihe des Taufwassers wurden die Reliquien aus der alten Kirche im Altar beigesetzt. Der kleine Kasten enthielt Reliquien der Katakombenheiligen Christianus und Coelestina. Sie waren dem Vorgängeraltar entnommen, auf ihre Unversehrtheit überprüft und vorige Woche in Limburg im Beisein von Jugendlichen der Pfarrei neu versiegelt worden. Bischof Bätzing und Pfarrer Werner Portugall salbten auch die zwölf Weihekreuze, welche die zwölf Stämme Israels, aber auch die zwölf Apostel oder die zwölf Tore des Himmlischen Jerusalem symbolisieren.

Mit dem Ruf "Christi Licht leuchte auf in seiner Kirche!" überreichte der Bischof brennende Stäbe an die Gemeindereferentinnen Christine Sauerborn-Heuser und Heike Roth sowie die ehrenamtlichen Leiterinnen Tanja Rausch und Conny Fischer, damit sie nun alle Kerzen in der Kirche anzündeten - wie es jüdische Frauen zum Beginn der häuslichen Feier am Sabbat tun.

Goldstein gehört mit Schwanheim und Niederrad zu der zum Jahresbeginn 2015 gegründeten Pfarrei St. Jakobus. Zugrunde liegt St. Jakobus ein neues Konzept darüber, wie Kirche arbeiten kann und soll. "Wir machen nicht mehr überall das Gleiche für immer weniger Leute, sondern haben neue Räume geschaffen", hatte Pfarrer Werner Portugall, der für die drei Kirchorte verantwortlich ist, damals erklärt. Während die Kirche Mutter vom guten Rat in Niederrad vorwiegend offen präsentieren soll, läuft St. Johannes in Goldstein unter "Erlebniskirche", St. Mauritius in Schwanheim ist "Familienkirche" - und zwar mit eher modernen Formen von Gottesdienst. "Erlebniskirche", das heißt auch: Weg vom klassischen Gottesdienst mit strenger Liturgie und Weihrauch, hin zu mehr Flexibilität, mehr Interaktion, dem Ungewohnten. So gibt statt Kirchenbänken eine flexible Bestuhlung und statt einer Orgel eine fette Musikanlage, denn Bands sollen das Gotteslob begleiten. Holger Vonhof

Rund 11 000 Katholiken in den drei Stadtteilen der Pfarrei St. Jakobus

Rund 11 000 Katholiken gehören zur Pfarrei St. Jakobus mit Kirchorten in Niederrad, Schwanheim und Goldstein. Sinkende Mitgliederzahlen und hohe Kosten zur Instandhaltung der Gebäude aus den 60er Jahren haben schon zu Beginn des Jahrtausends zu Überlegungen geführt, wo gespart werden kann, um die beiden Standorte in Schwanheim und Goldstein erhalten zu können. Die 1961 errichtete Goldsteiner Kirche St. Johannes drohte das Budget zu sprengen, denn eine Sanierung wäre wegen ihrer Statik und einer komplizierten Bauweise zu teuer gekommen. Also entschied man sich für einen Neubau, der 2019 begann. Bereits 1937 war in Goldstein der Grundstein für eine erste Kirche gelegt, die 1938 als Notkirche eingeweiht wurde. hv

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