Thomas Luther-Moosbach (links) führt beim Tai Chi auf dem Gelände der Wartburg-Gemeinde die Übungen vor. FOTO: Enrico Sauda
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Thomas Luther-Moosbach (links) führt beim Tai Chi auf dem Gelände der Wartburg-Gemeinde die Übungen vor.

Tai Chi

In der Ruhe liegt die Kraft

  • VonSabine Schramek
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Chinesen wissen es seit Urzeiten. Tai Chi und Qi Gong schenken Ruhe und Energie. Aus Parks im Reich der Mitte sind die fließenden ruhigen Übungen zur Verbesserung der inneren Stärke und Gesundheit nicht wegzudenken. Am bundesweiten Tai Chi- und Qi Gong-Tag gab es am Tag der deutschen Einheit in Frankfurt Übungen für alle unter freiem Himmel.

Bornheim -Thomas Luther-Mosebach (46) gilt als Geheimtipp. In der grünen Lunge trifft sich der große schlanke Tai Chi- und Qi Gong-Lehrer jeden Sonntag mit Gleichgesinnten, um die chinesische fließende Bewegungskunst Tai Chi, die sich bis zur Tang-Dynastie (618-907 nach Chr.) zurückverfolgen lässt, zu trainieren. Die langsamen, ruhigen Bewegungen in völliger Entspanntheit sind besser bekannt als Schattenboxen. Denn Tai Chi ist auch eine chinesische Kampfsportart, die Bewegung, Meditation und Atmung vereint. "Durch Theaterfreunde in Marburg bin ich vor Jahrzehnten auf Tai Chi gekommen und wollte mehr über die innere Dimension davon wissen und kam so auch auf Qi Gong", erzählt er mit sanfter Stimme. Etwas schüchtern lauschen Neugierige seinen Worten unter der riesigen Platane. "Ich habe immer wieder darüber gelesen und will einfach mal zuschauen", sagt Ulrike B. im weißen Regenmantel.

Sie folgt Luther-Mosebach, der Leiterin der "Qilin-Akademie", Trainerin Gudrun Geibig aus Aschaffenburg und Toni Ananiadis von der "Taiji-Akademie" in Preungesheim in den Garten der Wartburg-Gemeinde, in dem sich alle in einem großen Kreis mit viel Abstand aufstellen. Bundesweit geben Könner an diesem Sonntag Einblick in Tai Chi und Qi Gong, das ebenfalls aus dem Taosimus stammt und bereits in der chinesischen Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) bekannt war als Methode, um mit Bewegungen und Atemtechnik die eigene Gesundheit zu erhalten und das Leben zu verlängern.

Nervosität verschwindet

Sanfte Atemübungen bei festem Stand lassen die Nervosität schwinden und entspannen. Ruhig lenkt Geibig die Konzentration auf die Atmung. Mit geschlossen Augen lassen die Bornheimer Geräusche auf sich wirken und folgen den Anleitungen. Die Gesichtszüge sind entspannt und zufrieden. Es sind meditative Bewegungen, die Ruhe einkehren lassen. Auch B. macht mit leichtem Lächeln mit. Ananiadis fordert dazu auf, den eigenen Körper beim Atmen zu beobachten. "Es gibt Einatmer und Ausatmer" erklärt er das Konzept seines Großmeisters Frieder Anders. Das könne man daran erkennen, ob die Füße oder der Körper bei geschlossenen Augen im Schulter breiten Stand beim Ausatmen leicht nach vorne oder nach hinten pendelt. "Für Ausatmer sind Übungen etwas anders angelegt als für Einatmer", erklärt er. Die Knie sind leicht gebeugt, die Atmung intensiv und die Bewegungen sind langsam.

Die Gesichter der Neulinge sind jetzt angespannter, weil sie auf mehr Details achten sollen als bei der früheren Übung. Die Konzentration ist sichtbar, als sie in den Stand weiter als schulterbreit gehen und "die Pagode heben". Einatmer bewegen sich mit aufrechtem Oberkörper in die Tiefe und nach oben, Ausatmer bewegen ihren Körper eher von vorne in die Gerade. B. gehört zu den Ausatmern und lässt sich vertrauensvoll lenken, die Arme weit, die Handflächen offen.

Luther-Mosebach lässt alle an Bäume denken und zaubert Lächeln auf die Gesichter, als die Teilnehmer zum Lockern hüpfen. Dann sind die Füße wieder fest wie Wurzeln auf dem Boden, die Arme werden zu Ästen, Hände zu Laub. Sie wachsen in die Höhe und ziehen sich in die Breite. Die Vorstellung, ein Baum zu sein, gefällt. Die Bewegungen sind fließend und ruhig, die Körper bewegen sich wie eine Einheit aus Natur und Mensch. Die Gesichter sind entspannt, viele lächeln. Auch Ulrike B. "Das macht Spaß und es war sehr vielseitig", sagt sie. "Ich habe den Eindruck, dass die Übungen Energie bringen. Tai Chi kommt bei mir auf jeden Fall in mein Freizeit-Programm." (Sabine Schramek)

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