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In Fechenheim gibt es wieder eine Mannschaft

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Von: Katja Sturm

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Im Schatten der Hochhäuser trainieren die "Mädels" auf dem Platz der Sportvereinigung 03 Fechenheim. Trainerin Maria Strobel, im weißen Poloshirt, spornt sie an.
Im Schatten der Hochhäuser trainieren die "Mädels" auf dem Platz der Sportvereinigung 03 Fechenheim. Trainerin Maria Strobel, im weißen Poloshirt, spornt sie an. © Rainer Rüffer

Ab September gehen wieder Spielerinnen in den Farben der Sportvereinigung 03 auf Torjagd

Warum damals irgendwann Schluss war mit dem Frauenfußball bei der Sportvereinigung (Spvgg) 03 Fechenheim, das weiß der heutige Vorsitzende Reinhold Schmidt nicht. Schon sehr früh durften die Damen in dem Frankfurter Stadtteilverein ran ans rollende Spielgerät, doch Ende der 1920er Jahre verliere sich die Spur der Sparte. "Es gibt ein letztes Foto von 1928", sagt Schmidt. Dann nichts mehr.

Trainerin wurde per Facebook gefunden

Ab der nächsten, Mitte September beginnenden Saison sollen jedoch wieder Spielerinnen in den Clubfarben auf Torejagd gehen. Für eine Wiederbelebung sei man immer offen gewesen, sagt Schmidt. Der Anstoß kam schließlich von außen. Ein paar wechselwillige "Mädels" aus einem anderen Verein in der Umgebung suchten nach einer neuen sportlichen Heimat und sprachen vor einigen Monaten bei der Spvgg vor. "Wir waren alle gleich Feuer und Flamme", erzählt der Vereinschef, der in den ersten Wochen selbst das Training übernahm.

Über Facebook wurden nicht nur weitere Interessentinnen, sondern auch eine Trainerin gefunden. Maria Strobel spielte früher in der thüringischen Landesliga und war auch mal zu einer "Vorauswahl" beim Deutschen Fußball-Bund geladen. "Dann habe ich mich aber verletzt und war raus", erzählt die heute 40-Jährige. Nach einem berufsbedingten Umzug ins Rhein-Main-Gebiet folgte ein drei Jahre währendes Engagement bei Kickers Offenbach. Danach gab Strobel ihre langjährige Leidenschaft auf, weil Aufwand und Ertrag für sie in einem Missverhältnis standen.

13 Jahre lang habe sie kaum mehr etwas mit Fußball zu tun gehabt. Jetzt steht Strobel zweimal in der Woche ganz in der Nähe ihrer Wohnung auf dem Sportgelände an der Pfortenstraße auf dem Platz. "Ein Bauchgefühl" habe sie auf den Post der Fechenheimer in den Sozialen Medien reagieren lassen. Vor der Coronavirus-Krise hatte ein Arbeitskollege versucht, sie für einen Offenbacher Club zu gewinnen; durch den Lockdown hatte sich das zerschlagen. Die Lust, an die Vergangenheit anzuknüpfen, in der sie in ihrer Heimat schon mal als Spielertrainerin fungierte, war dadurch jedoch entzündet. "Mir hat der Fußball in meiner Jugend so viel gegeben", sagt Strobel. Jetzt wolle sie etwa zurückgeben.

16 Spielerinnen zwischen 16 und 30 Jahren haben die Fechenheimer mittlerweile zusammen. Strobel würde gerne noch mindestens zwei mehr in ihren Kader aufnehmen. Vor allem eine zweite Torfrau wird gesucht; bis dahin steht Strobels frühere OFC-Kollegin Rebecca Treutel nicht nur als Coach für die Keeperin, sondern auch als Backup bereit.

Nicht lange in der tiefsten Klasse bleiben

Der Ehrgeiz ist groß. In der Kreisliga A, in der der Neuling anfangen muss, soll er nicht lange bleiben. Spätestens in der zweiten Spielzeit wird der Aufstieg angepeilt. "Wir wollen nicht nur zum Spaß kicken", kündigt die 23-jährige Tanja angriffslustig an.

Das Niveau stärkt Strobels Optimismus. Das Gros der Spielerinnen bringt bereits Erfahrungen mit, ein erstes Testspiel beim FSV Erbach wurde mit 2:1 gewonnen. Von der Konkurrenz hat sich Strobel bei ihrem Amtsantritt im Mai noch zwei Partien anschauen können und glaubt, dass die eigene Formation sich im oberen Tabellenbereich ansiedeln könnte. Eine richtige Vorbereitung sei allerdings nicht möglich; aufgrund der Sommerferien sind im August viele Spielerinnen unterwegs.

"Von Vereinsseite aus gibt es keinen Druck", sagt Schmidt. Man hoffe, dass es nicht bei einem Team im weiblichen Bereich bleibt. Strobel zeigt sich "offen für größere Ziele", für eine zweite Mannschaft und Jugendarbeit. Ein Abteilungsleiter für die Sparte ist bereits gefunden, "alles steht und fällt mit dem Personal", sagt Schmidt. Potenzial sehe er genügend im Stadtteil, der zweite EM-Platz des Nationalteams könnte für zusätzlichen Schwung sorgen.

"Wir sind glücklich, wieder Frauenfußball zu haben", betont Schmidt. In den Verein bringe das "Familiäres" hinein.

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