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Impfung

In Frankfurt ist der Weg zum Taxi-Gutschein lang

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
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Gerne würden viele Senioren das Angebot der Stadt annehmen und den Taxi-Gutschein für die Fahrt zur Corona-Impfung nutzen. Doch die Telefonleitungen sind überlastet.

Frankfurt -Boris Straub ist genervt. Stundenlang hat er an diesem Vormittag versucht, im Rathaus für Senioren jemanden ans Telefon zu bekommen. Dort soll es die Taxi-Gutscheine für Senioren geben, die älter als 80 Jahre sind und einen Termin im Frankfurter Impfzentrum haben. Straub möchte Gutscheine für seine Mutter organisieren. Doch er hat kein Glück. Niemand hebt den Hörer ab.

"Wenn man bei der angegebenen Telefonnummer anruft, kommt erst ein Freizeichen, doch nach ein-, zweimal Klingeln ertönt das Besetztzeichen", erklärt der Stadtbezirksvorsteher vom Frankfurter Berg. Oder die Leitung sei frei, aber es geht niemand ran. "Irgendwann kommt dann eine Ansage, man solle doch bitte später noch einmal anrufen. Ich habe beide Varianten erlebt."

Schon bei der Vergabe der Termine für das Impfzentrum, organisiert vom Land Hessen, war es chaotisch zugegangen. Senioren berichteten in den ersten Tagen von nicht erreichbaren Telefon-Hotlines und nicht funktionierenden Internetseiten.

"Unfassbar dilettantisch"

"Alle sind völlig unvorbereitet und überlastet und nicht in der Lage, den ältesten und somit hilflosesten Menschen in unserer Gesellschaft in einigermaßen angemessener Weise zur Verfügung zu stehen", sagt Straub, der von vielen Bürgern auf die Probleme mit der städtischen Telefonnummer für die Taxi-Gutscheine hingewiesen wurde. "Ich finde die Aktion wirklich ganz toll. Keine Frage", so der 48-Jährige. "Es ist für mich aber unfassbar, wie dilettantisch hier gearbeitet wird. Man kann doch so eine Leistung nicht propagieren und dann völlig unvorbereitet sein."

Im Sozialdezernat weiß man von diesem Problem. "Wir arbeiten daran und versuchen eine Lösung zu finden", sagt Uta Rasche, Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). "Wir bitten um Nachsicht und Geduld. Das wird sich alles noch zurechtruckeln." Inzwischen könnten 14 Telefone gleichzeitig geschaltet werden. "Dabei handelt es sich aber natürlich nicht um ein professionelles Call-Center, dafür hätte das Budget nicht gereicht", sagt Rasche. Mitarbeiter aus dem Rathaus für Senioren kümmern sich um die Anrufe.

"Wir haben aber auch viele dankbare Rückmeldungen von Bürgern bekommen, die sich über das Angebot gefreut haben und bei denen alles reibungslos funktioniert hat", sagt Rasche und berichtet von Mitarbeitern, die den Senioren die Gutscheine persönlich nach Hause gebracht haben, weil sie auf dem Postweg nicht mehr rechtzeitig vor dem Impftermin angekommen wären.

Nur für Frankfurter, nur für über 80-Jährige

Finanziert werden die Taxifahrten zum Impfzentrum in der Festhalle aus Mitteln, mit denen das Sozialdezernat normalerweise Fahrten zur sozialen Teilhabe für gehbehinderte Menschen bezahlt. Da es wegen der Corona-Pandemie aber im vergangenen Jahr kaum Veranstaltungen gab, waren die Gelder noch vorhanden. Deshalb kam Sozialdezernentin Birkenfeld auf die Idee, die Kosten für Taxifahrten zum Impfzentrum in der Festhalle für die Senioren zu übernehmen.

Bis Dienstagabend haben Tausende Senioren bei der Telefon-Hotline angerufen. 2372 Briefe mit den vier Gutscheinen wurden bereits mit der Post verschickt. Anspruch auf das städtische Angebot haben allerdings nur Frankfurter, die älter als 80 Jahre sind und bereits einen Termin im Impfzentrum haben.

Um das Angebot noch bekannter zu machen, wurden nun Briefe mit einem Hinweis für die Telefon-Hotline an 30 000 Senioren verschickt.

Die Taxi-Gutscheine kann man unter der Nummer (069) 2 12-4 50 65 bestellen, und zwar montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr. Wer telefonisch niemanden erreicht, kann neuerdings auch eine E-Mail an senioren@stadt-frankfurt.de mit der Angabe von Name, Adresse, Geburtsdatum, Impfterminen und Telefonnummer schreiben. Dann wird man zurückgerufen .

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