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Lautloser Lkw fährt durch Frankfurt: Spezieller Test bringt wichtige Erkenntnisse

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Von: Thomas J. Schmidt

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Abdulhadi Baliz hängt den MAN eTGM ans Ladekabel. Der Brummifahrer ist mit einem E-Laster im Rhein-Main-Gebiet unterwegs. FOTO: Enrico Sauda
Abdulhadi Baliz hängt den MAN eTGM ans Ladekabel. Der Brummifahrer ist mit einem E-Laster im Rhein-Main-Gebiet unterwegs. © enrico sauda

Raab-Karcher testet seit zwei Monaten einen Prototyp des Herstellers MAN. Der lautlose Laster liefert zu Kunden im Rhein-Main-Gebiet.

Frankfurt - Die Elektro-Mobilität kommt - jetzt auch im Schwerlastverkehr. In Frankfurt rollt seit zwei Monaten ein lautloser Laster: Ein MAN eTGM, 26 Tonnen, der maximal neun Tonnen Material laden kann. "Wenn wir als Marktführer nicht voranschreiten, wer dann?", fragt Matthias Habedank. Er ist Commercial Director und Kommunikationsleiter von Stark Deutschland mit Sitz in Offenbach. Das Unternehmen ist Deutschlands führender Baustoffhändler mit 260 Filialen. Der MAN ist in einer der Filialen stationiert: Bei Raab Karcher in der Mayfarthstraße in Frankfurt.

Elektro-Lkw liefer aus Frankfurt ins Rhein-Main-Gebiet: Reichweite bis zu 200 Kilometer

"Es ist ein Modellversuch. MAN stellt den Prototypen, das Land Hessen sowie die Hochschule Fulda beteiligen sich an der Finanzierung, und wir testen die Technik nun zwei Jahre lang", sagt Simon Heppt, Projektmanager für Nachhaltigkeit. Das Ziel könne nicht sein, den Elektroantrieb in den Fernverkehr zu bringen. Vielmehr liefert Raab Karcher mit dem Laster Baustoffe zu Kunden im Rhein-Main-Gebiet.

Die Reichweite des Akkus reicht für 150 bis 200 Kilometer, abhängig unter anderem von der Außentemperatur. "Die größte Reichweite hat man ab circa 20 Grad Außentemperatur", sagt Manuel Leuchte, Projektmanager Logistik. "Wir müssen uns jetzt an die Grenzen herantasten. Das Wichtigste ist, dass der Fahrer heil zurückkommt, nicht unterwegs stehenbleibt." Der Fahrer habe positiv auf das neue Fahrzeug reagiert, versichert Heppt. Mit etwas Umgewöhnung war der Umstieg schon verbunden, vor allem, weil der Elektro-Laster fast lautlos unterwegs ist. Kritisch kann Leuchte zufolge sein, wenn der Kunde in Usingen wohnt und die Fahrt bergauf geht. Dies zieht viel Strom aus dem Akku.

Frankfurt: E-Lkw nach sieben Stunden wieder voll aufgeladen

Matthias Habedank zufolge sei es für MAN spannend zu beobachten, wie das Fahrzeug sich im Alltag bewährt. "Es gab mehrere Filialen, die wir für den Einsatz in Erwägung gezogen haben, aber Frankfurt mit dem Einzugsgebiet Rhein-Main war am geeignetsten. Es kommt für uns auch darauf an, in Ballungsräumen möglichst ohne Diesel unterwegs zu sein."

Für eine Bewertung sei es nach nur zwei Monaten noch zu früh. "Wir lernen täglich hinzu", so Manuel Leuchte. Zu den Betriebskosten - sprich Ladestromkosten im Vergleich zum Diesel - könne man Seipp zufolge auch noch keine Aussagen machen. Zu dem Lastwagen gehört auch ein elektrischer Gabelstapler. Ladestellen werden bei Raab Karcher in Frankfurt und in der Niederlassung Darmstadt eingerichtet. Dort sollen auch Schnellladungen möglich werden, mit Ladezeiten von nur noch einer Stunde. Momentan hängt der E-Lkw sieben Stunden am Netz, bis der Akku wieder voll ist. Der Betrieb der Ladestellen wird wissenschaftlich begleitet von der Fachhochschule Fulda.

26 Tonnen schwer und voll elektrisch betrieben: Wie sich der Prototyp von Hersteller MAN im Alltag bewährt, testet seit zwei Monaten Raab Karcher am Standort Frankfurt.
26 Tonnen schwer und voll elektrisch betrieben: Wie sich der Prototyp von Hersteller MAN im Alltag bewährt, testet seit zwei Monaten Raab Karcher am Standort Frankfurt. © enrico sauda

DHL nutzt in Frankfurt schon länger elektrische Kleinlaster

Ganz neu ist der elektrische Betrieb von Lieferfahrzeugen nicht. Viele tausend Kleinlaster rollen elektrisch durch die Städte, häufig von Zustellunternehmen wie der Post-Tochter DHL. Die Deutsche Post war sogar an der Entwicklung beteiligt. "Wir haben viele gute Erfahrungen gemacht und betreiben die Elektrofahrzeuge weiter, auch nachdem wir aus dem Entwicklungsunternehmen ausgestiegen sind", sagt Post-Sprecher Stefan Heß.

Thorsten Hölser, Geschäftsführer des Speditions- und Logistikverbands Hessen/Rheinland-Pfalz, sieht durchaus Chancen: "Nicht im Fernverkehr. Dafür ist die Reichweite zu gering. Aber im regionalen Zulieferverkehr", so Hölser. Die Fraunhofer Gesellschaft hat einen Modellversuch beim Discounter Rewe getestet. "Rewe könnte 80 Prozent seiner Touren elektrisch fahren", resümiert Hölser das Ergebnis der Studie.

Frankfurt: E-Lkw noch keine Alternative für lange Strecken

Da jedoch im Fernverkehr täglich Strecken von bis zu 1000 Kilometern gefahren werden - Hamburg-München in einem Tag etwa - gebe es vorläufig noch keine Alternativen zum Dieselantrieb. "Außer man elektrifiziert die Autobahnen wie an der A 5 zwischen Mörfelden und Weiterstadt", so Hölser. Der Brennstoffantrieb mit Wasserstoff sei in der Entwicklung noch zwei Schritte hinter dem Akku-Antrieb.

Hölser gibt dem Akku also durchaus Chancen. "Im Verteilerverkehr können sie auch 12- oder 18-Tonner bewegen. Ich glaube, man könnte in fünf Jahren durchaus 30 Prozent der Laufleistung umstellen auf Elektroantrieb." Pionier dieser Umstellung ist jetzt auch Raab Karcher in Frankfurt. (Thomas J. Schmidt)

Die Stadt Frankfurt erarbeitet zurzeit einen Masterplan Mobilität.

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