Kein freier Platz mehr: Die Wirte hatten gut zu tun.
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Kein freier Platz mehr: Die Wirte hatten gut zu tun.

Pandemie scheint vergessen

Corona-Lockerungen: Volle Innenstadt in Frankfurt - viele Menschen ohne Maske

  • vonSabine Schramek
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Viel los ist in Frankfurt am ersten sonnigen Tag ohne Corona-Ausgangssperre und mit offener Außengastronomie. Abstand und Masken scheinen fast vergessen.

Frankfurt – In Parks wird gefeiert, gespielt oder getanzt. Lachend, ausgelassen und glücklich. Auf der oberen Wiese im Günthersburgpark fliegen Frisbeescheiben über Picknickdecken und Fahrräder. Manche trinken Bier auf ex, andere nippen am Wein. Musik zwischen Funk und Hip-Hop vermischt sich auf der Wiese. Es stört niemanden.

Auch am Hafenpark erklingt Musik: von Tango über Salsa bis hin zu Liebesliedern. Hauptsache Musik, Hauptsache Tanzen im Sonnenuntergang vor der Silhouette der EZB. An diesem Samstagabend (29.05.2021) stören selbst die E-Scooter kaum, die mitten durch die Hunderte von tanzenden Menschen fahren, die Tänzer weichen einfach aus. Die einzigen, die Maske tragen, sind Polizisten. "Yo no sé mañana" klingt aus einer großen Box. "Ich kenne das Morgen nicht". Die Corona-Pandemie scheint vergessen, die Sorgen sind wie weggeblasen.

Corona-Lockerungen in Frankfurt: Volle Parks und Lokale – Polizei kontrolliert

"Die Leute sind friedlich", sagt ein Polizeibeamter neben einem Scheinwerferwagen, der "notfalls Licht anmacht, wenn es zu heftig werden sollte". Das grelle Licht bleibt aus. Hell leuchtet es überall aus Lokalen und Bars in Frankfurt. Es gibt keinen Stuhl, keinen Tisch vor den Türen, der nicht besetzt ist. "Endlich kann man wieder ein Stück normales Leben genießen", sind sich Gäste bei Cocktails einig. Bis 23 Uhr darf laut Stadtverfügung Alkohol ausgeschenkt und verkauft werden.

Viel los war am Samstagabend im Hafenpark.

Die Freßgass' ist so voll, als gäbe es Freibier. Es gibt kaum ein Durchkommen. Die Polizei kontrolliert Bars, an denen Gäste zu eng sitzen. Auch am Opernplatz, an der Hauptwache, Zeil und Konstablerwache ist die Polizei präsent. "Es ist gut, dass sie da sind", meint ein junger Mann, der mit Freunden unterwegs ist. Ohne Maske, wie fast alle anderen auch. "Die trägt heute keiner", erklärt der Mann im Sakko. "Warum auch, wir sind draußen und wollen einfach nicht mehr." Nicht nur die Restaurants und Bars sind voll, auch die Straßen rund um die Innenstadt. "Sehen und gesehen werden" heißt es nicht nur auf der Freßgass', sondern auch rund um den Stoltzeplatz. Cabrios stehen hinter SUV und Motorrädern im Stau, viele lassen ihre Motoren dröhnen. Die Terrassen sind besetzt mit Gästen, die sich schick gemacht haben für den Abend, der längst nicht mehr warm ist. Kellner verteilen Wolldecken. Dazwischen wanken und torkeln Fußgänger, die "noch einen letzten Drink" wollen. Sie werden weggeschickt.

Corona in Frankfurt: Straßen voller Menschen – Kaum einer trägt Maske

Auch im Bahnhofsviertel in Frankfurt sind die Außengastronomien voll. Auf der Münchener Straße drängt sich wie vor Corona eine einzige dichte Menschenmenge. Auf der Kaiserstraße wird gegessen, getrunken und Champions League geguckt. Die Straße ist voller Menschen, Straßenprostituierte verschwinden mit Männern in Hotels. Bordelle sind weiterhin geschlossen. Obdachlose und Drogenabhängige sammeln Flaschen und betteln, teure Autos parken am Straßenrand. Die Fahrer steigen nicht aus, sondern beobachten das Geschehen. Kurz nach 23 Uhr leeren sich die Lokale auf der Kaiserstraße. Bis Mitternacht verteilt sich die gigantische Menschentraube in der Münchener Straße Richtung Innenstadt. Alle ohne Maske. Das Ordnungsamt ist nicht zu sehen. Weder hier noch sonst wo in der Stadt.

Vor Kiosken wird munter weiter getrunken und erstaunlich viele Gäste in Innenstadt-Lokalen und auf der Berger Straße haben lange nach Mitternacht volle Gläser auf den Tischen stehen. Bier mit frischer Schaumkrone. In Seitenstraßen verschwinden Menschen in Lokalen, deren Rollläden heruntergelassen sind. Ab und zu klingt ein Martinshorn. Insgesamt bleibt die Nacht friedlich. Auch in den Parks und auf den Grünflächen. Im Günthersburgpark sind um 1 Uhr nur noch wenige Leute auf der Wiese. Ungemütlich helle Polizeischeinwerfer leuchten auf das Grün. Schluss für heute. (Sabine Schramek)

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