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"In zehn Jahren wird die Stadt um einiges smarter sein"

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Von: Sarah Bernhard

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Diana Rauhut ist beim Energieversorger Mainova für Digitalisierung zuständig.
Diana Rauhut ist beim Energieversorger Mainova für Digitalisierung zuständig. © Mainova

Diana Rauhut ist bei der Mainova für Digitalisierung zuständig und will den Menschen mit Technik das Leben erleichtern

Innovation ist ihre Leidenschaft: Seit drei Jahren ist Diana Rauhut beim Frankfurter Energieversorger Mainova unter anderem für Digitalisierung zuständig. Ihr Ziel ist es nicht nur, ihren Kollegen zeitraubende Routineaufgaben abzunehmen, sondern auch, Frankfurt - und alle anderen interessierten Kommunen - auf dem Weg zur "Smart City" zu unterstützen.

Frau Rauhut, was ist denn eine "Smart City"?

Es geht im Kern darum, eine Stadt vernetzter, nachhaltiger und lebenswerter zu machen. Wir als Energieversorger sind traditionell in der Infrastruktur tätig, deshalb lag es nahe, zunächst in die digitale Infrastruktur einzusteigen. Dazu haben wir beispielsweise frankfurtweit LoRaWAN-Technologie installiert. Das ist eine Abkürzung für "Long Range Wide Area Network".

Also ein Netzwerk mit großer Reichweite.

Genau. Dieses Funkdatennetz wurde vor rund zehn Jahren entwickelt und besteht aus einer Funkantenne, Sensoren und einem IT-System, das die ankommenden Daten verarbeitet. Derzeit haben wir 60 Antennen im Stadtgebiet verbaut, die im Mittel eine Empfangsreichweite von fünf Kilometern haben, und setzen 3000 Sensoren ein. Weil die Sensoren nur sehr kleine Datenpakete schicken, ist der Stromverbrauch extrem niedrig. Die Batterien halten bis zu zehn Jahre. Wir kommen jetzt also auch an Orte ohne Stromanschluss.

Und was macht man mit diesem LoRaWAN?

Da gibt es viele Einsatzgebiete. Zusammen mit der VGF testen wir zum Beispiel in der Schwarzwaldstraße Parkplatzsensoren, die verhindern sollen, dass Autos zu nahe an den Schienen parken und so die Straßenbahn blockieren. Mit dem Grünflächenamt ergründen wir, ob eine Parkbank mit automatischem Bewässerungssystem für Stadtbäume sinnvoll ist.

Spannend! Gibt es noch mehr solcher Beispiele?

Bei einer Zusammenarbeit mit der Immobilienwirtschaft geht es darum, dass Sensoren im Heizkeller prüfen, ob die Anlage richtig läuft, so dass Störungen schon behoben werden können, bevor sie Auswirkungen auf die Mieter haben. Wir messen die Bodentemperatur, um künftig die Entscheidung zu erleichtern, ob sich ein Streufahrzeug auf den Weg machen sollte. Wir prüfen in einem Teich, ob sich die Technik für Pegelstandsmessungen eignet, um so möglicherweise vor Hochwasser warnen zu können. Und es gibt noch viel mehr.

Das ist ein sehr breites Spektrum. Wer entscheidet, was ausprobiert wird?

Wir haben zwei Schwerpunkte. Zum einen die Themenfelder, in denen wir selbst Bedarf haben, etwa beim Wärmenetz. Und das, was wir extern anbieten wollen. Dazu gibt es einmal im Monat einen intensiven Austausch darüber, wie die Pilotprojekte laufen, was noch sinnvoll wäre und welche Ressourcen wir noch haben. Dabei sind immer auch die Vorstände der Partnerunternehmen involviert, ganz viele kreative Köpfe also, so dass das für alle eine spannende Weiterentwicklung des Produktportfolios bedeutet.

Kann irgendwann auch jeder Einzelne profitieren?

Wir konzentrieren uns bisher auf Projekte mit städtischen Unternehmen und Kommunen, bei denen die Menschen indirekt, etwa als Mieter oder Autofahrer profitieren. Das liegt vor allem an unseren Kapazitäten, aber auch an den Fragen, welche Anwendungen sich zur privaten Nutzung eignen und wer sie bezahlt. In Gedankenspielen haben wir aber schon über einen Chip für Läuferinnen und Läufer nachgedacht, durch den sich die Straßenbeleuchtung sozusagen mitbewegen könnte. Dazu gab es ja bereits 2018 ein Projekt in den Wallanlagen. Die smarte Beleuchtung funktioniert zwar prinzipiell, ist für die flächendeckende Nutzung in diesem Anwendungsfall aber noch nicht reif.

Wie viel Geld hat die Mainova bisher in das Thema "Smart City" investiert?

Die Investitionen lagen im niedrigen einstelligen Millionenbereich.

Ist das viel oder wenig?

Für Frankfurt und als Basis für so viele Anwendungen ist es erst einmal überschaubar. Aber mit dem Aufbau der Infrastruktur sind wir in Vorleistung gegangen, weil wir das als Investition in ein ganz neues Geschäftsfeld sehen. Und damit bekennen wir uns deutlich zu diesem Thema und zur Stadt Frankfurt.

Wie waren die Reaktionen der Kollegen auf den Innovationsschub?

Es gibt immer die, die überzeugt sind, und die, die man überzeugen muss. Wir haben mit dem technischen Kundenservice angefangen, weil die Mitarbeitenden, um Wärme- oder Wasserzähler abzulesen, teilweise in Schächte klettern mussten. Als sie gesehen haben, dass die Sensoren funktionieren, ging es schnell.

Woran hakt es bei der Umsetzung noch?

Zum einen sind die Anwendungsmöglichkeiten im Markt noch gar nicht so bekannt. Zum anderen befindet sich dieses Geschäftsfeld noch im Aufbau und wir suchen auch noch passende Mitarbeitende.

Was sind das für Menschen, die Sie für diesen Job brauchen?

Die meisten Teammitglieder kommen aus der Start-Up-Szene, die etwas anders funktioniert als ein klassisches Unternehmen. Da geht es viel mehr um Anerkennung, Wertschätzung und Gestaltungsfreiräume. Es war sehr spannend, zu erleben, wie die Start-Up-Gruppe auf diejenigen Mitarbeitenden traf, die Dinge immer schon so gemacht haben. Am Anfang dachten alle: Die ticken ja komplett anders! Sie haben aber relativ schnell gemerkt, dass sie sich gegenseitig brauchen. Die einen, weil sie zwar die Grundidee hatten, sie aber bei der Komplettumsetzung noch viel lernen können. Die anderen, weil ihnen die Neuentwicklungen künftig viel Arbeit sparen werden. Diese Frage, wie sich zwei Kulturen gegenseitig aufbrechen, finde ich super spannend. Wir haben uns deshalb auch bewusst entschieden, den Bereich nicht auszulagern, sondern als Anreiz zur internen Transformation zu nutzen.

Sind Sie als Frau besser geeignet, um diesen Prozess zu managen, als ein Mann es gewesen wäre?

Ich bin kein Freund von Stereotypen. Es gibt unterschiedliche Führungskulturen, und die können sowohl Männer als auch Frauen. Der klassische autoritäre Führungsstil hilft in diesem Fall nichts. Erstens, weil ich nicht immer alles weiß, und zweitens, weil gerade junge Menschen, denen man kein Arbeitsumfeld bietet, in dem sie sich wohlfühlen, ganz schnell wieder weg sind.

Und die anderen, eher Konservativen? Mussten Sie sich bei denen erstmal durchsetzen?

Ich glaube, es kommt immer darauf an, wie man auf Menschen zugeht, und dass man Wertschätzung ausdrückt. Ich bin an meinem ersten Tag vor drei Jahren direkt morgens um sieben mit der Vorstellung beim technischen Bereich gestartet. Damit war das Eis gebrochen.

War ein Job in der Energiewirtschaft eigentlich Ihr Kindheitstraum?

Ich habe VWL mit Schwerpunkt Energiewirtschaft studiert und bin dann auch direkt in diesen Bereich eingestiegen. In meinen über 20 Berufsjahren habe ich viele Zentralfunktionen gesehen und mich hat vor allem fasziniert, dass es nie langweilig wurde. Es gibt immer die Möglichkeit, sich neuen Themen zu widmen oder bestehende zu ändern. Der Markt ist schwierig, es gibt einen starken Wettbewerb, so dass man ständig die Kosten senken und gleichzeitig innovative Produkte entwickeln muss.

Wie wird Frankfurt in zehn Jahren aussehen?

Die Stadt wird um einiges smarter sein, schon allein wegen der Klimaziele. Ich erwarte, dass es bis dahin auch eine flächendeckende Nutzung von LoRaWAN gibt.

Kann man die Probleme unserer Zeit mit Technik lösen?

Technik unterstützt. Der Schlüssel sind kreative Köpfe und Menschen, die sich Dinge vorstellen und sie auch umsetzen können.

Gibt es ein Problem, das Sie persönlich unbedingt lösen wollen?

Ich würde gerne ein ganzes Quartier mit allen neuen smarten Anwendungen digitalisieren. Diese helfen dann dabei, die Klimaziele, zum Beispiel in Frankfurt, zu erreichen.

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