Umwelt

Von Indien inspiriert: Lieferdienst setzt auf Metallboxen

Wir schwimmen in einem Meer aus Plastik – dieser Satz könnte in ein paar Jahren Realität werden. Ein großes Problem ist der Verpackungsmüll, zum Beispiel von Lieferdiensten. Sushi Sensei setzt darum jetzt auf ein uraltes Liefersystem, das sich in Indien bewährt hat.

Jeder Deutsche produziert etwa 37 Kilogramm Plastikabfall aus Verpackungsmüll pro Jahr. Jährlich werden etwa sechs Milliarden Plastiktüten verbraucht. Forscher schätzen: Wenn der Plastikkonsum so weitergeht wie bisher, gibt es im Jahr 2050 dreimal mehr Plastik im Meer als Fische. Das muss aufhören, findet Rinku Shorma von Sushi Sensei. Seit mehr als sieben Jahren gibt es das Sushi-Restaurant am Dornbusch schon, nun möchten er und sein Bruder mit plastikfreien Lunchboxen das Lieferservice-Geschäft revolutionieren. Gegen ein Pfandgeld von 15 Euro bekommen die Kunden ihr Sushi in metallenen Dosen geliefert. Mehr als 4000 Stück haben sie bereits aus Indien importiert. Die Dosen sind drei- bis vierstöckig, es gibt sie in rundem und eckigem Format. Das Pfandsystem gleicht dem indischen Dabbawala System. Hierbei wird das Essen von einem Fahrradkurier in mehrteiligen Metallbehältern, den sogenannten dabbas, ausgeliefert.

Die Idee kam Shorma auf einem Flug nach Neu Delhi: „Da habe ich den Film Lunchbox gesehen und war sofort begeistert von der Idee.“ In unserer schnelllebigen und konsumlastigen Welt, würden die Menschen oft vergessen, sich bewusst und gesund zu ernähren. Alles müsse schnell und sofort verfügbar sein. „Das geht zulasten der Umwelt“, kritisiert Shorma. Mit den neuen Lunchboxen möchte er den Plastikmüll reduzieren und den Umweltschutz unterstützen. Aber natürlich gehe es auch um Kundenbindung. So gebe es beispielsweise auf jede Lieferung in der neuen Lunchbox 15 Prozent Rabatt. Die Boxen können dann bei der nächsten Lieferung wieder abgeholt oder jederzeit im Restaurant selbst abgeben werden.

Bisher können die Kunden frei wählen, ob sie ihr Sushi in den umweltfreundlicheren Metallboxen geliefert bekommen wollen oder in Plastikverpackungen. „Unser Traum ist es aber, dass in Zukunft nur noch in Lunchboxen geliefert wird.“ Bisher konnte der Plastikmüll im Sushi Sensei laut Shorma um 20 Prozent reduziert werden. Er freut sich über diesen schnellen Erfolg. Erst seit knapp zwei Monaten laufe das Pilotprojekt. Auch von der Kundschaft gebe es bisher nur positives Feedback. Etwa jedes dritte Essen liefern er und sein Team in den neuen Lunchboxen aus. Zudem konnte der Gastronom den ersten neuen Kundin gewinnen, der sonst wegen des vielen Plastiks kein Sushi zum liefern bestellt habe.

Sushi Sensei ist aber nicht der einzige Laden in Frankfurt, der dem Plastikmüll abschwört und auf ein umweltbewussteres Konsumieren setzt. Im Einkaufsladen gramm.genau in der Berger Straße können Kunden unverpackte Lebensmittel einkaufen. Den Kaffee to go in der eigenen Tasse gibt es im Glückskaffee im Nordend-West. Die Naschwerkstatt in der Innenstadt bietet Essen zum mitnehmen in kompostierbaren Tüten, und im Cantine Paolo Dettori im Ostend können sich Kunden den Wein selbst abfüllen. Für Shorma ist das neue Pfandsystem eine Win-Win-Situation: „Wir schützen die Umwelt und reduzieren den Abfall.“

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