Info: Dicke Luft im Riederwald: Ortsbeirat streitet über Schadstoffmessungen und Dieselverbote

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Am Erlenbruch Stickoxide oder Feinstaub zu messen bringe doch nichts, ist der CDU-Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 11, Benjamin Wiewiorra, überzeugt.

Am Erlenbruch Stickoxide oder Feinstaub zu messen bringe doch nichts, ist der CDU-Fraktionsvorsitzende im Ortsbeirat 11, Benjamin Wiewiorra, überzeugt. „Erst wenn die Grenzwerte sehr deutlich überschritten werden, können doch Fahrverbote oder ähnliche Maßnahmen durchgesetzt werden. Das haben die jüngsten Urteile gezeigt.“ Dass im Riederwald die gesetzlichen Grenzen überschritten würden (kurzzeitige Passivmessungen ergaben mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter), sei doch unstrittig. Geholfen habe dieses Wissen bislang nichts. Und deshalb lehnte seine Fraktion die Forderung nach einer dauerhaften Messstation am Erlenbruch genauso ab wie einen verbindlichen, städtischen Zeitplan zur Stickoxid-Reduzierung an der vielbefahrenen Straße.

Angenommen wurden die von SPD und Grünen eingebrachten Anträge trotzdem – außer der CDU stimmte niemand gegen die Messstation; einen Zeitplan lehnte außer ihr nur BFF-Ortsbeirat Jürgen Kuhn ab, sein Parteifreund David Mund enthielt sich.

„Es muss doch wenigstens gemessen werden. Wir brauchen belastbare Werte, wenn sich etwas ändern soll“, sagte Linken-Fraktionssprecher Stefan Klee. Zwar gebe es an der Hanauer Landstraße eine Messstation. Die stehe aber weit weg von der Fahrbahn und messe eher die Werte der Umgebung als die Emissionen des Verkehrs. Auch seien die dortigen Messungen für den Riederwald nicht aussagekräftig: Die Situation sei verschieden.

„Wir wollen feststellen, ob eine Bedrohung für die Riederwälder vorliegt. Dazu brauchen wir eine Messstation. Um notfalls gegensteuern zu können“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende, Stefan Zilcher. Stickoxide seien ein Nervengift. Zusammen mit der Feuchtigkeit in der Luft reagiere Stickstoffdioxid, das die Atemwege angreift, zu Salpetersäure, „einer der aggressivsten Säuren, die es gibt“. Feinstaubmessungen gehörten in den USA an jeder Baustelle zum Standard, um Arbeiter und Anwohner zu schützen. An der Baustelle des Riederwaldtunnels müsse auch gemessen werden.

Aber herauskommen, fürchtet CDU-Ortsbeirat Sebastian Schugar, werde nur ein Dieselfahrverbot – und das lehne die CDU ab, weil zu viele Privatpersonen und Gewerbetreibende betroffen wären. „Natürlich ist die Gesundheit der Menschen wichtig. Aber ein Fahrverbot ist wie eine Enteignung“, ergänzt sein Fraktionskollege Johnney Zimmermann.

Gegen ein Dieselfahrverbot sei auch die SPD, erwidert Zilcher. „Den Diesel von heute auf morgen abschaffen geht nicht. Die ganze Stadt zu sperren ist nicht richtig.“ Einzelne Straßen zu sperren könne aber eine Übergangslösung sein. Um den Riederwald zu entlasten, reiche das aber nicht. Dazu seien weiterreichende Konzepte nötig zur Verkehrsentlastung. Vielleicht auch Schadstofffilter für den Riederwaldtunnel.

(hau)

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