Sie wollen, dass anstelle der Glasfront der Bühnen die alte Jugendstilfassade wiederentsteht: Cornelia Bensinger und Jürgen Aha.
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Sie wollen, dass anstelle der Glasfront der Bühnen die alte Jugendstilfassade wiederentsteht: Cornelia Bensinger und Jürgen Aha.

Vorschlag des Altstadtforums

Initiative für altes Schauspielhaus

  • vonGünter Murr
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Angesichts der zu erwartenden Sanierungskosten bei den Städtischen Bühnen schlägt eine Gruppe von Bürgern vor, die Theateranlage am Willy-Brandt-Platz abzureißen. An deren Stelle soll das Schauspielhaus von 1902 wieder entstehen – zumindest im äußeren Erscheinungsbild.

Zum Gebäude der Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz hat Jürgen Aha eine klare Meinung: Für ihn handelt es sich um einen „Glaskasten im Stil schlimmster DDR-Architektur“. Der Gründer des Altstadt-Forums und Inhaber einer Marketing-Agentur fühlt sich an den „Palast der Republik“ in Berlin erinnert.

Der ist mittlerweile abgerissen, und wenn es nach Aha geht, soll die Städtischen Bühnen das gleiche Schicksal ereilen. Denn das Gebäude von 1963 ist marode, muss grundlegend saniert werden. Eine Studie, die dazu derzeit erstellt wird, liegt noch nicht vor. Doch wie berichtet, werden die Sanierungskosten schon jetzt auf mehr als 300 Millionen Euro geschätzt.

Für dieses Geld, da ist sich Aha sicher, kann man auch das alte Schauspielhaus von 1902 rekonstruieren. Dessen Fassade war nach dem Krieg zunächst wieder hergestellt worden, musste dann aber dem Neubau weichen. In diesem finden sich bis heute Mauern aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts.

Da wegen der hohen Sanierungskosten bereits über Abriss und Neubau der Bühnen spekuliert wird, hat sich Aha spontan mit Gleichgesinnten zusammengeschlossen, eine Initiative für den Wiederaufbau des Schauspielhauses gegründet und eine Internetseite eingerichtet (). Der Diplom-Designer hatte sich als Gründer des Altstadtforums bereits für die Rekonstruktion von Häusern auf dem Dom-Römer-Areal eingesetzt.

Pläne noch vorhanden

Aus diesem Umfeld sind jetzt auch Mitstreiter in der neuen Initiative dabei, etwa Cornelia Bensinger, die Vorsitzende des Vereins „Pro Altstadt“. Aber auch Künstler oder Projektentwickler hat Aha als Unterstützer gewonnen. Mit dabei ist zum Beispiel der Bankangestellte Ingo Steen. „Angesichts des Brexit muss Frankfurt attraktiv werden für Banker aus London“, begründet er seinen Einsatz für das Schauspielhauses, das von außen originalgetreu aussehen, innen aber eine moderne Bühne erhalten soll.

Doch an der Theaternutzung hängt der Wiederaufbau nach Ansicht Ahas nicht. Das Gebäude könnte auch als Markthalle oder Hotel dienen, sollten Schauspiel und Oper an eine andere Stelle verlegt werden. Zuletzt war dafür das Areal des alten Polizeipräsidiums an der Friedrich-Ebert-Anlage ins Gespräch gebracht worden.

Aha will sich da nicht festlegen, hält es aber nicht für nötig, dass Schauspiel und Oper weiterhin in einem Gebäude untergebracht sind. Denn es sei ein „Konzept des Sozialismus“, Kultureinrichtungen an einem Ort zusammenzufassen.

Das alte Schauspielhaus stand dort, wo sich heute die Oper befindet. Östlich davon würde Aha gerne auch die Blockrandbebauung mit einem markanten Turm an der Neuen Mainzer Straße rekonstruieren. Dazwischen kann er sich eine moderne Bebauung vorstellen.

Kosten sind noch unklar

Eine andere Möglichkeit wäre, die Grünflächen der Wallanlagen zu vergrößern „Vielleicht ist es auch möglich, dass die Bühnen-Werkstätten stehen bleiben“, sagt er. Für diese ist erst vor wenigen Jahren an der Hofstraße ein Neubau für rund 60 Millionen Euro fertiggestellt worden.

Was eine Rekonstruktion des Schauspielhauses kosten könnte, weiß die Initiative bisher noch nicht. „Wir erwarten, dass die Stadt jetzt Berechnungen anstellt“, sagte Aha. „Wenn sie das nicht tut, werden wir das mit eigenen Experten machen.“ Egal, wie hoch die Kosten sein werden: Aha kann sich vorstellen, dass die Rekonstruktion mit Unterstützung von Spenden finanziert wird. Als Vorbild nennt er den Wiederaufbau der Alten Oper. Dafür wurden insgesamt 15 Millionen D-Mark von Bürgern und Unternehmen aufgebracht.

Was soll mit den Städtischen Bühnen passieren? Schreiben sie uns Ihre Meinung: frankfurt@fnp.de

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