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Versah seinen Dienst als Wasserturm nur neun Jahre lang. Heute beherbergt Eschersheims Wahrzeichen eine studentische Verbindung.

Wahrzeichen

Alter Wasserturm: Initiative will den Verfall stoppen

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Der Einsatz der Initiative „L(i)ebenswertes Eschersheim“ hat sich gelohnt: Die Mainova hat als Eigentümer den Zustand des über 100 Jahre alten Wasserturms prüfen lassen. Wann es ein Ergebnis gibt, ist allerdings noch unklar.

Es gibt den 300 Jahre alten Lindenbaum sowie den Weißen Stein und es gibt den Wasserturm – eines der Wahrzeichen im Stadtteil. Hoch ragt er über die Dächer der um den Turm erbauten Siedlung „Am Lindenbaum“, in seinem Schatten befinden sich eine Grünfläche und ein Spielplatz – es ist der Treffpunkt im Quartier. Vor allem für Kinder. Doch seit vor zwei Jahren die dicht neben dem Wasserturm stehenden Bäume wegen der entstandenen Feuchtigkeit gefällt wurden, erschien dieser in neuem Licht: Das Wahrzeichen gibt kein gutes Bild ab. Schmutzig, bröckelnder Putz und brüchige Fensterrahmen. So beschreibt es die Initiative „L(i)ebenswertes Eschersheim“, die sich seitdem dafür einsetzt, dass der Turm endlich saniert und so wieder zu einem schönen Mittelpunkt in Eschersheim wird.

Ein großes Problem seien die Tauben, die durch die kaputten Fensterscheiben in den barocken Turm fliegen und es sich unter dem Dach bequem machen. „Sie verdrecken alles“, sagt Barbara van de Loo von der Initiative. Ein Problem, dass allerdings nicht neu ist, wie Lothar Stapf (CDU) erklärt. „Auch wenn man saubermacht, in zwei Jahren sieht es genauso aus. Weil sich die Tauben immer wieder einen Weg ins Innere suchen“, sagt das Mitglied des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim).

Auch das Stadtteilgremium ist sich einig: Das Wahrzeichen muss erhalten werden. Bereits in der Septembersitzung wurde deswegen ein Antrag einstimmig verabschiedet, der den Magistrat auffordert, das Gespräch mit dem Eigentümer, dem städtischen Energieversorger Mainova, zu suchen. Genau das ist mittlerweile passiert.

Gutachter war da

Bereits am 17. Dezember, so der Mainova-Sprecher Sven Birgmeier, habe ein Sachverständiger den denkmalgeschützten Wasserturm, der übrigens eines der 20 höchsten Bauwerke der Stadt ist, begutachtet. Und wann gibt es das Ergebnis? „Das kann man jetzt noch nicht sagen. Der Termin ist ja noch nicht so lange her“, sagt der Sprecher nur.

Das ist für die Initiative zunächst zweitrangig. Zunächst zähle, dass sie überhaupt gehört worden wäre, sagt van de Loo, die die Nachricht als „erfreuliche Neujahrsbotschaft“ bezeichnet. Viele Bewohner machten sich mittlerweile Sorgen um den Wasserturm und unterstützten die Initiative. Ein ehemaliger Nachbar habe sich sogar aus seiner neuen Heimat Fulda gemeldet und für die Sanierung und den Erhalt des Turms eingesetzt. „Er bewegt und beschäftigt die Menschen. Deswegen bleiben wir dran“, weiß auch Barbara van de Loo, dass die Begutachtung wohl erst einer der ersten Schritte war.

Schließlich ist der 1901 erbaute Turm fast 120 Jahre alt, da ist es völlig normal, dass Sanierungsbedarf besteht. Bereits neun Jahre nach seiner Einweihung wurde der Betrieb des Wasserturms übrigens wieder eingestellt. Eschersheim wurde eingemeindet; der Turm, der 300 000 Liter fasste, nicht mehr gebraucht, da Frankfurt bereits eine eigene Wasserversorgung hatte. Jetzt gilt er als „Technisches Denkmal“ an der Grünfläche zwischen den Straßen Am Lindenbaum/ Allendorfer Straße. Wie auch die in den 1920er-Jahren um den Turm erbaute Siedlung nach einem Entwurf von Walter Gropius blieb der Wasserturm während des Zweiten Weltkriegs von Bombenangriffen verschont.

Kunterbuntes Dinner

Bevor 2002 die katholische Studentenverbindung „Moeno Franconia“ den Turm bezog. Sie renovierte die Innenräume und machte eines der Nebengebäude nutzbar. Zuvor wurden sowohl der Turm als auch die umliegende Fläche lange Zeit von der Mainova als Lagerplatz genutzt. „Im Inneren konnten sich so die Tauben und Eulen breitmachen. So weit sollte es nie wieder kommen“, sagt van de Loo von der Initiative, die den Wasserturm deswegen fest in ihrem Terminkalender verankert hat. Einmal im Jahr gibt es das „Kunterbunte Dinner am Wasserturm“ – von Eschersheimern für Eschersheimer. Und für den Erhalt ihres Wahrzeichens.

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