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Peter Walter unterrichtet seit 17 Jahren an der Förderschule, seit zehn Jahren ist er Rektor der Einrichtung.

Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Inklusion muss transparenter werden

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In 21 Klassen werden an der Mosaikschule in der Nordweststadt rund 150 Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung unterrichtet. Schulleiter Peter Walter spricht über Probleme, denen sich seine Schulform seit Jahren aussetzen muss und über seine Vision einer transparenten Inklusion.

Am Eingang heißen gebastelte Schilder mit Mosaikbuchstaben die Besucher zum Tag der offenen Tür in der Mosaikschule willkommen. In der Cafeteria der Förderschule für geistige Entwicklung werden die Teller mit Nudeln und Soße gefüllt. Schulleiter Peter Walter steht an einem Informationstisch, unterhält sich immer wieder mit Eltern: jenen, die sich noch unschlüssig sind, ob sie ihr Kind auf eine Förderschule schicken oder lieber inklusiv mit nicht-beeinträchtigten Gleichaltrigen beschulen lassen wollen. Jenen, die feststellen, dass ihr Kind auf der Regelschule überfordert ist und auch jenen, die nach jahrelangem Unterricht an der Förderschule gerne einen Wechsel an die Regelschule vorantreiben wollen.

Für Walter sind es Gespräche, wie er sie regelmäßig führt und wie er sie gerne unkomplizierter führen würde. „Das Thema Inklusion beschäftigt uns hier schon seit einigen Jahren und hat zugegebenermaßen auch in einem Punkt zu einer Verbesserung der schulischen Situation geführt“, räumt der 54-Jährige ein, der seit 1999 hier ist und seit über zehn Jahren als Rektor die Schule leitet. „Noch vor einigen Jahren wurden an unserer Schule, die für 140 Schüler ausgelegt ist, 260 Jungen und Mädchen unterrichtet. Durch die Aufnahme des Unterrichts an der Panoramaschule und die zunehmende Tendenz zur Inklusion sind es jetzt noch knapp 150, was die Situation klar verbessert“, erklärt Walter.

Probleme sieht der Schulleiter aber nach wie vor: „Was uns hier vor allem fehlt, ist dringend notwendiger Platz für ein Sport- und Freizeitangebot, das gerade den vermehrt verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen helfen würde, den Schulalltag zu meistern.“ Auf dem Schulhof wird fast jeder freie Fleck für Spielgeräte genutzt, die dafür sorgen, dass sich die Kinder und Jugendlichen in den Pausen auspowern und nach schwierigen Situationen auch beruhigt werden können: „Autistischen Kindern zum Beispiel hilft eine Runde auf der Schaukel immens dabei, sich schnell von Problemsituationen zu erholen“, weiß Walter. Dass zwei Schaukelmöglichkeiten für alle Schüler zu wenig sind, zeigt ihm, dass etwas passieren muss.

„Ganz abgesehen davon, dass wir aufgrund von zunehmender Schwere der Beeinträchtigungen auch dringend weitere Räume gebrauchen könnten, beschäftigt mich vor allem ein wenig transparenter Umgang mit dem Thema Inklusion. Wenn Eltern zu mir kommen, deren Kinder mit geistiger Behinderung an einer Regelschule überfordert sind, sind sie oft überrascht, dass es ganz unkompliziert ist, die Kinder auf die Förderschule wechseln zu lassen.“

In die andere Richtung gelänge das selten so unkompliziert, genauso wie die 1962 gegründete Förderschule nicht einfach selbst auf ein inklusives Konzept umstellen kann. „Dabei wären die Bedingungen und das Know-how dazu da“, sagt der Pädagoge, für den Inklusion ohne Frage der richtige Weg ist. „Wenn er denn auch jedem zugute kommen kann.“ Das sei derzeit noch schwierig.

„In einer Statistik der Stadt hieß es im vergangenen Jahr, dass es in Frankfurt 60 inklusive Plätze für geistig behinderte Schüler an Regelschulen gibt“, so Walter. Plätze, die gerade bei Eltern der jüngeren Schüler sehr begehrt sind, einfach weil der Weg von der Förder- in die Regelschule noch schwer ist. „Was uns darum vermehrt auffällt, ist, dass sich das Alter unserer Schüler verschiebt. In der Stufe für die Schüler der Klassen 1 bis 4 kommen womöglich im nächsten Schuljahr nur noch fünf statt sechs Klassen zusammen, während in der Berufsvorbereitungsphase zwischen der 11. und der 13. Klasse, eine dazukommt.“

Was Walter außerdem beunruhigt sind Gerüchte, das Kultusministerium könne vorhaben, die 13. Klasse der Förderschulen dieses Typs abzuschaffen. „Wir erleben immer mehr, dass Eltern ihre Kinder am liebsten noch ein Jahr länger in dieser Phase belassen, da sie hier in altersheterogenen Gruppen auf das Erwachsenen- und spätere Berufsleben vorbereitet werden, was bei den jungen Erwachsenen mit Förderbedarf besonders wichtig ist“, betont der Schulleiter. Dass es seine Schulform noch lange geben wird, davon ist der Pädagoge fest überzeugt. Dass dazu Schulen, Kommunen und Land eng zusammenarbeiten müssen, ist für ihn unumgänglich.

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