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Das Team Orange hat gerade aufs Tor geschossen. Während Hendrik noch schaut, jubelt Frederik bereits im Rollstuhl.

Eschersheim

So inklusiv kann Fußball sein: Fußballcamp mit Lerneffekt

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Fünf Tage lang kickten 40 Jungen und Mädchen beim Camp von Concordia EschersheimFußball ist etwas für alle: Das zeigte sich beim inklusiven Fußball-Camp von Concordia Eschersheim.

Henrik und Frederik sind ein Team. Die beiden Nachbarn spielen beim Abschlussturnier des inklusiven Fußballcamps von Concordia Eschersheim nicht nur in einer Mannschaft. Sie erzielen auch gemeinsam ihre Tore. "Mal mit dem Fuß, mal mit dem Rollstuhl", wie der 14-jährige Henrik erklärt, der seinen schwerbehinderten Freund die ganze Spielzeit über in seinem Gefährt vor sich herschiebt. Den Erfolg haben sie dabei auf ihrer Seite. Denn beim Finale, da war ihr Treffer der entscheidende.

Fünf Tage lang kickten 40 Jungen und Mädchen zwischen sieben und 14 Jahren, darunter acht mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, zusammen auf dem Rosegger-Sportplatz. Zudem besuchten sie das Eintracht-Museum im Stadion und probierten sich beim Rollstuhl-Basketball mit den Skyliners. Henrik fand das "ziemlich cool". Frederik, den er vorher überwiegend vom Sehen auf dem Spielplatz seiner Wohnsiedlung kannte, habe er so besser kennen gelernt. Dessen Mutter hatte ihn gefragt, ob er, der ansonsten bei der SG Harheim gegen den Ball tritt, vielleicht Lust habe, mit ihrem Sohn die erste Ferienwoche zu verbringen. "Erst war ich mir nicht sicher", gibt der Teenager zu. Aber nachdem er die Handgriffe gelernt hatte, die nötig sind, um es Frederik beispielsweise etwa bequemer in seinem Sitz zu machen, sagte er zu. "Am ersten Tag mussten wir sehen, wie wir das alles hinbekommen", erzählt er. "Am zweiten haben wir dann fast alle Übungen mitgemacht." Und auch Tore geschossen.

Barrierefreie Anlage

Genau so stellen sich Oliver Wetz und Ulli Hartwig, die beiden Organisatoren des Camps, das Zusammenspiel der Kinder und Jugendlichen vor. Nachdem es in dem Verein schon 13 Jahre lang in Kooperation mit dem Frankfurter Ferienkarussell, das Nachwuchs aus allen sozialen Klassen Freizeitprogramme ermöglicht, ein Fußballcamp gab, wird dieses seit drei Jahren inklusiv ausgeschrieben. "Wir haben eine barrierefreie Sportanlage", erklärt Jugendleiter Hartwig. Zudem die Viktor-Frankl-Schule für körperlich und motorisch beeinträchtigte Kinder direkt nebenan. Da bot sich der Schritt an.

Von morgens um 9.30 Uhr an bis nachmittags um 15 Uhr werden die Teilnehmer beschäftigt. Ein Mittagessen, Getränke und Obst rund um die Uhr sind in den 30 Euro pro Person drin. Dabei werden die Vereinsvertreter von Marktbeschickern unterstützt. Auch die Bundesliga-Stiftung fördert das Angebot.

Spaß steht im Vordergrund: Die Kinder lernen aber auch

Neun Betreuer und drei Integrationshelfer sorgen dafür, dass nicht nur jeder Spaß hat, sondern auch auf verschiedenen Leistungsebenen geübt werden kann. "Es geht ums Dabeisein", betont Hartwig. Aber diejenigen, die besser spielen, kämen trotzdem auf ihre Kosten. Die Idee scheint zu funktionieren. Für die Woche in den Sommerferien, die die Concordia gerne noch um eine weitere im Herbst oder an Ostern ergänzen würde, gibt es Wartelisten. Zudem finden sich unter den ballaffinen Kindern regelmäßig Wiederholungstäter.

Sie treiben nicht nur Sport mit den anderen. "Es ist auch wichtig, dass wir genügend Zeit für die Kinder haben, um mit ihnen zu sprechen", sagt Hartwig. Etwa wenn einem unbedacht ein Schimpfwort herausrutscht, das den anderen treffen muss. "Dann reden wir darüber", und schnell werden die Fehltritte eingesehen.

Erlebnisse teilen: Konkurrenzdenken vermeiden

Das Teilen der Erlebnisse schweißt zusammen. Die Kinder entwickeln Empathie und kümmern sich umeinander, haben die Verantwortlichen festgestellt. "Man kann sich kaum vorstellen, dass sich das in zehn Jahren ändern wird", sagt Hartwig. Im Spielbetrieb gingen die Kicker oft ganz anders miteinander um, herrscht statt Fairplay und Fürsorge ein übertriebenes Konkurrenzdenken. Ein bisschen hoffen er und sein Kollege natürlich, ihren Camp-Teilnehmern etwas Besseres mitzugeben. "Es entspricht sowieso der Philosophie der Concordia, Kinder und Jugendliche nicht gleich dem Leistungsprinzip zu unterwerfen", sagt Wetz. Bei der Vorauswahl der Vereinsmitglieder wird derjenige vorgezogen, der zuerst vorstellig wird. Eine eigene inklusive Mannschaft zu gründen, fände man im Club auch nicht schlecht. Doch solch ein Projekt scheitert bislang an dem üblichen Problem: dass es sowohl an genügend Trainern als auch an Spielfläche fehlt.

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