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Querdenker, Anti-Querdenker, Polizei - und dann noch Weihnachtseinkäufer: am dritten Adventssamstag war die Innenstadt von Frankfurt voll. Zu voll für Corona, finden die meisten.

RMV-Kinderticket-Aktion

„Realitätsfremde PR-Aktion“: Innenminister Beuth kritisiert Frankfurter OB

  • vonSarah Bernhard
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Hessens Innenminister und der Steuerzahlerbund kritisieren die Kinderticket-Aktion von Oberbürgermeister Peter Feldmann. Mit ÖPNV-Ermäßigungen lockte er zum Shoppen in die volle Innenstadt.

Frankfurt - Die Kritik an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nach seiner Kinderfahrschein-Aktion ebbt nicht ab. Gestern äußerte sich Innenminister Peter Beuth (CDU) zu Feldmanns Aufruf vom Freitag, mit einem verbilligten ÖPNV-Ticket am Wochenende zum Weihnachtseinkauf nach Frankfurt zu fahren, trotz der hohen Corona-Infektionszahlen und unmittelbar vor dem bundesweiten Lockdown. Beuth bezeichnete Feldmanns Initiative als „realitätsfremde PR-Aktion“.

Beuth: Applaus für RMV Kinderticket-Aktion in Frankfurt nur von Corona-Leugnern

Tausende Polizisten seien am Wochenende in Frankfurt im Einsatz gewesen, um die Corona-Regeln zum Schutz der Bevölkerung durchzusetzen, betonte Beuth. „Wenn der Oberbürgermeister dann trotzdem zum besinnlichen Weihnachtsshopping einlädt, verstehen nicht nur Bürgerinnen und Bürger, sondern auch unsere Einsatzkräfte die Welt nicht mehr“, so Beuth. „Applaus gibt es für dieses verantwortungslose Verhalten nur von denen, die Covid-19 für einen leichten Schnupfen halten wollen.“

Zuletzt habe Feldmann immer wieder „mit viel Pathos“ nach mehr Polizei für Frankfurt gerufen, um die Corona-Regeln durchzusetzen. „Diese Appelle erscheinen im Lichte seiner völlig realitätsfremden PR-Aktion für Samstag [12.12.2020, Anm. d. Red.] umso unglaubwürdiger.“ Beuth: „Es bleibt zu hoffen, dass Peter Feldmann seine Prioritätenliste noch einmal gründlich sortiert und vor seinem nächsten PR-Alleingang auch an die Sicherheit der Frankfurterinnen und Frankfurter denkt.“ Als erste hatte am Montag die „Bild“-Zeitung über die Kritik aus Wiesbaden berichtet.

Steuerzahlerbund: Kosten für die Aktion in Frankfurt führen zu noch mehr Kosten

Ebenfalls zu Wort meldete sich gestern der Hessische Steuerzahlerbund, der sich nach den Kosten der ÖPNV-Fahrscheinvergünstigung erkundigte. „Wir wollen von der Stadt wissen, wie viel diese zu Recht kritisierte Aktion gekostet hat und wer diese Kosten übernimmt“, erläutert Joachim Papendick, Vorsitzender des Steuerzahlerbundes in einer Pressemitteilung. Dass Kommunen etwas zur Stärkung ihrer gebeutelten Innenstädte unternehmen wollten, sei nachvollziehbar. Doch wenn Menschen mit subventionierten Fahrscheinen in volle Bahnen und Einkaufsstraßen gelockt würden, erhöhe das die Ansteckungsgefahr. „Zusätzliche Infektionen können die Krise verlängern und die Kosten für uns alle erhöhen“, mahnt Papendick. Die Infektionszahlen mit - mutmaßlich - Steuergeld weiter in die Höhe zu treiben, sei sowohl gesundheitlich als auch wirtschaftlich unverantwortlich. Der hessische Steuerzahlerbund erwarte nun Antworten von der Stadt.

Noch am Freitag (11.12.2020) hatte Feldmanns Sprecher Olaf Schiel die Aktion gegenüber dieser Zeitung verteidigt. Am Samstag kam dann der Rückzieher. Über Facebook und Twitter teilte Feldmann mit: „Die Kinderfahrschein-Aktion ist vor mehreren Monaten geplant worden. Ich sehe ein: Sie passt nicht in die jetzige Zeit. Es tut mir leid, wenn sie als Einladung zum Leichtsinn missverstanden wurde.“

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